Oxfam fordert Übergewinnsteuer für grösste Unternehmen


News Redaktion
Wirtschaft / 24.06.22 02:18

Vor dem G7-Gipfel ab Sonntag in Elmau fordert die Hilfsorganisation Oxfam die Einführung einer Übergewinnsteuer. Nötig sei ein "Aktionsplan gegen Hunger und Armut", sagte am Freitag der Leiter im Bereich Soziale Gerechtigkeit bei Oxfam Deutschland, Tobias Hauschild.

Die Hilfsorganisation Oxfam ruft die reichen G7-Staaten vor ihrem Gipfeltreffen zur Solidarität mit den armen Bevölkerungsschichten auf. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/EPA/CARSTEN KOALL)
Die Hilfsorganisation Oxfam ruft die reichen G7-Staaten vor ihrem Gipfeltreffen zur Solidarität mit den armen Bevölkerungsschichten auf. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/EPA/CARSTEN KOALL)

Eine Sondersteuer auf "Extraprofite" der grössten Unternehmen in den G7-Staaten könnte nach Berechnungen der Organisation insgesamt 430 Milliarden Dollar einbringen.

Die Situation ist laut Oxfam ernst: Die weltweiten Nahrungsmittelpreise erreichten vor dem Hintergrund es Ukraine-Kriegs zuletzt Rekordstände. Hinzu kämen die Klimakrise und die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Diese hätten die weltweite Ungleichheit und Armut weiter verschärft. In Ostafrika sterbe derzeit statistisch alle 48 Sekunden ein Mensch an den Folgen von Unterernährung.

"Hunger und Armut sind die Folge von Ungleichheit und politischer Untätigkeit", kritisierte Hauschild. Zuerst seien jene Menschen betroffen, die nur über ein geringes Einkommen verfügten. "Für viele geht es inzwischen um Leben und Tod."

An die Vertreterinnen und Vertreter der G7-Staaten, die sich ab Sonntag im bayerischen Elmau treffen, richtete die Organisation deshalb eine Reihe von Forderungen. Mit Hilfe einer einmaligen Sondersteuer in Höhe von 90 Prozent auf die Extraprofite der grössten Unternehmen in den G7-Staaten könnten 430 Milliarden Dollar für den Kampf gegen Hunger- und Klimakrise eingenommen werden.

Für die Entwicklungshilfe sollten die G7-Staaten laut Oxfam mehr Geld zur Verfügung stellen: Die bisherigen Beiträge müssten verdoppelt werden, weitere 14 Milliarden Dollar seien nötig. Der von den Vereinten Nationen angegebene Bedarf von 46 Milliarden Dollar für humanitäre Arbeit sei bisher erst zu 20 Prozent gedeckt, warnte die Organisation.

Zudem sollten Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen durch Schuldenerlasse entlastet werden, forderte Oxfam weiter. In den nächsten zwei Jahren sollten die G7-Staaten gegenüber diesen Ländern auf die Rückzahlungen ihrer Schulden verzichten.

Auch bei den Klimazielen gibt es laut Oxfam Nachholbedarf: Noch immer verfehlten die Industriestaaten ihr erklärtes Ziel, jährlich 100 Milliarden Dollar für den Klimaschutz in ärmeren Ländern zur Verfügung zu stellen. Oxfam forderte deshalb mehr Unterstützung für einkommensschwache Länder sowie ambitioniertere Minderungsziele und einen früheren Kohleausstieg.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

BAG meldet 33'108 neue Coronavirus-Fälle innerhalb von sieben Tagen
Schweiz

BAG meldet 33'108 neue Coronavirus-Fälle innerhalb von sieben Tagen

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag innerhalb von sieben Tagen 33'108 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden. Gleichzeitig registrierte das BAG 14 neue Todesfälle und 300 Spitaleintritte.

Weko büsst sieben Händler von VW-Autos wegen Preisabsprachen
Wirtschaft

Weko büsst sieben Händler von VW-Autos wegen Preisabsprachen

Die Eidgenössische Wettbewerbskommission Weko verdonnert ein Kartell von VW-Händlern im Tessin zu einer Busse von 44 Millionen Franken. Die sieben Kartellmitglieder, darunter die Amag, haben jahrelang die Preise von Neuwagen des VW-Konzerns abgesprochen.

Sozialhilfebezüger können im Thurgau ab 1. Juli überwacht werden
Schweiz

Sozialhilfebezüger können im Thurgau ab 1. Juli überwacht werden

Ab dem 1. Juli können im Kanton Thurgau Sozialdetektive eingesetzt werden. Der Regierungsrat hat die Änderungen des Gesetzes über die öffentliche Sozialhilfe in Kraft gesetzt.

Ozeankonferenz: UN kündigt Hilfe für Küsten- und Inselstaaten an
International

Ozeankonferenz: UN kündigt Hilfe für Küsten- und Inselstaaten an

Die Vereinten Nationen haben Unterstützung für einhundert Küsten- und Inselstaaten angekündigt, die extrem unter der Verschmutzung, der Überfischung und der Erwärmung der Weltmeere leiden. Man werde diesen Ländern helfen, die jährlichen sozioökonomischen Verluste in Höhe von insgesamt rund einer Billion US-Dollar auszugleichen, die durch Missmanagement der Ozeane verursacht würden, teilte das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) am Dienstag auf der zweiten UN-Ozeankonferenz in Lissabon mit. Diese Verluste entsprechen fast dem Bruttoinlandsprodukt Spaniens.