Papst Franziskus stellt keine Zölibat-Lockerung in Aussicht


News Redaktion
International / 12.02.20 12:20

Papst Franziskus stellt keine Öffnung der katholischen Kirche gegenüber verheirateten Priestern in Aussicht. In seinem Lehrschreiben zur Amazonas-Bischofssynode vermeidet er eine klare Aussage über die Zulassung verheirateter Männer zur Weihe in der Amazonas-Region.

Papst Franziskus hat eine Empfehlung zur Lockerung des Zölibats nicht aufgegriffen. Mit Blick auf den Priestermangel in entlegenen Gebieten der Amazonas-Region hatten Bischöfe, Ordensvertreter und Experten zur Öffnung des Priesteramts für verheiratete Männer aufgerufen. (Archivbild) (FOTO: Keystone/AP/ANDREW MEDICHINI)
Papst Franziskus hat eine Empfehlung zur Lockerung des Zölibats nicht aufgegriffen. Mit Blick auf den Priestermangel in entlegenen Gebieten der Amazonas-Region hatten Bischöfe, Ordensvertreter und Experten zur Öffnung des Priesteramts für verheiratete Männer aufgerufen. (Archivbild) (FOTO: Keystone/AP/ANDREW MEDICHINI)

Das Dokument Querida Amazonia (Geliebtes Amazonien) wurde am Mittwoch im Vatikan vorgestellt. Es folgt auf das Bischofstreffen im Oktober im Vatikan. Damals hatte sich die Mehrheit der Teilnehmer für die Weihe von verheirateten Männern in Ausnahmefällen in der Regenwaldregion ausgesprochen, um dort den akuten Priestermangel zu bekämpfen.

Über den Zölibat war ein Streit zwischen Konservativen und Modernisierern entbrannt. Das eigentliche Thema der Synode - die Umweltzerstörung im Amazonasgebiet - geriet dabei in den Hintergrund.

Franziskus nimmt auf die Debatte um den Zölibat keinen Bezug und erwähnt nicht einmal den Begriff. In der abgelegenen Amazonasregion kann manchmal sogar nur ein Mal im Jahr die Heilige Messe gefeiert werden, weil es keine Priester gibt.

Franziskus betonte, dass ein Weg gefunden werden muss, um diesen priesterlichen Dienst zu gewährleisten. Er plädiert dafür, Laien mehr einzubinden. Laien könnten das Wort verkünden, unterrichten, ihre Gemeinschaften organisieren, einige Sakramente feiern - aber sie können nicht die Eucharistie feiern und die Beichte abnehmen. Das sei nur dem Priester vorbehalten.

Lateinamerikanische Bischöfe sollten mehr Menschen ermutigen, Priester zu werden, und sie dazu bewegen, ins Amazonasgebiet zu gehen - statt in Länder wie die USA abzuwandern.

Auch beim Thema Frauen zeigt Franziskus keine Schritte in Richtung Weihe zu Diakoninnen auf. Der argentinische Papst ruft zwar zu mehr Frauen in Führungspositionen auf - eine Weihe für geistliche Ämter kommt für ihn aber nicht infrage.

Der Blick auf funktionale Strukturen wäre ein Reduktionismus und würde uns zu der Annahme veranlassen, dass den Frauen nur dann ein Status in der Kirche und eine grössere Beteiligung eingeräumt würden, wenn sie zu den heiligen Weihen zugelassen würden.

Dies würde zu einer Klerikalisierung der Frauen führen. Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben.

Frauen sollten eine zentrale Rolle in den Amazonasgemeinden spielen, Zugang zu Aufgaben und auch kirchlichen Diensten haben, die nicht die heiligen Weihen erfordern, und es ihnen ermöglichen, ihren eigenen Platz besser zum Ausdruck zu bringen. Ein Bischof müsse sie zu solch einem Dienst beauftragen.

Das bedeutet auch, dass Frauen einen echten und effektiven Einfluss in der Organisation, bei den wichtigsten Entscheidungen und bei der Leitung von Gemeinschaften haben, ohne dabei jedoch ihren eigenen weiblichen Stil aufzugeben.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

US-Anwalt: Wikileaks-Gründer Assange brachte Menschen in Gefahr
International

US-Anwalt: Wikileaks-Gründer Assange brachte Menschen in Gefahr

Journalist oder Verbrecher? Am ersten Tag im Prozess über den Auslieferungsantrag für Julian Assange hat der Anwalt der US-Regierung dem Wikileaks-Gründer die Gefährdung von Menschenleben vorgeworfen.

Kantonalbanken treiben Wachstum des Schweizer Hypothekarmarkts an
Wirtschaft

Kantonalbanken treiben Wachstum des Schweizer Hypothekarmarkts an

Der Schweizer Hypothekarmarkt ist im Jahr 2019 mit einem Anstieg von 3,2 Prozent leicht langsamer gewachsen als noch im Jahr davor mit +3,3 Prozent. Das schnellste Wachstum legten die Kantonalbanken vor, während die Raiffeisenbanken das Wachstumstempo drosselten.

Bevölkerung von Mitholz steht vor einem schwierigen Entscheid
Schweiz

Bevölkerung von Mitholz steht vor einem schwierigen Entscheid

Das Kandertaler Dorf Mitholz wird sich stark verändern. Mit dem Räumungsvorhaben des alten Munitionslagers im Fels über dem Dorf kommt auf die Bewohner eine zehnjährige Evakuierung zu. Ganz wegziehen oder später wiederkehren, lautet nun die Frage.

Kanton Thurgau bereitet sich auf Coronavirus vor
Schweiz

Kanton Thurgau bereitet sich auf Coronavirus vor

Der Kanton Thurgau bereitet sich auf den Fall vor, dass Personen am Coronavirus erkranken. Heute wurde dazu ein Fachstab Gesundheit eingesetzt. Aktuell bestehe für die Bevölkerung im Kanton kein erhöhtes Risiko, schreibt der Kanton.