Paracetamol-Tötungsplan von Zuger Ex-Paar geht zurück an Vorinstanz


Roman Spirig
Regional / 26.06.19 11:39

Das Bundesgericht heisst die Beschwerden eines Zuger Ex-Liebespaars gut, das beschuldigt wird, den Ehemann der Frau mit Paracetamol-Überdosen getötet haben zu wollen. Es weist den Fall an die Vorinstanz zurück, da diese sich auf eine nicht schlüssige Expertise stütze.

Paracetamol-Tötungsplan von Zuger Ex-Paar geht zurück an Vorinstanz (Foto: KEYSTONE / AP / FRANKA BRUNS)
Paracetamol-Tötungsplan von Zuger Ex-Paar geht zurück an Vorinstanz (Foto: KEYSTONE / AP / FRANKA BRUNS)

2017 hatte das Zuger Strafgericht das Paar, eine damals 38-jährige Rumänin und einen 45-jährigen Schweizer, wegen versuchten Mordes verurteilt. Der Mann wurde zudem wegen mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, mehrfacher Urkundenfälschung, Widerhandlung gegen das Waffengesetz und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes belangt.

Das Obergericht bestätigte ein Jahr später den erstinstanzlichen Entscheid. Mit einer Beschwerde beantragte die Frau, sie sei freizusprechen und der Mann, das Urteil der Vorinstanz sei aufzuheben und die Sache zu einer Freisprechung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Vor dem Bundesgericht beanstandeten die beiden den Beweiswert der Schlussfolgerungen des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich.

In seinem am Mittwoch veröffentlichten Urteil heisst das Bundesgericht die Beschwerden nun gut. Das Urteil sei aufzuheben und die Sache zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Rügen der Beschwerdeführer seien begründet.

Die Vorinstanz verletze Bundesrecht und verfalle in Willkür, weil sie sich beim Festlegen der heimlich verabreichten Menge Paracetamol auf eine nicht schlüssige Expertise stütze und auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen verzichte. Forensische Experten waren in verschiedenen Berichten auf unterschiedliche Werte der Paracetamol-Konzentration im Haar des Opfers gekommen.

Dem Ex-Liebespaar wird vorgeworfen, gemeinsam den Plan gefasst und in die Tat umgesetzt zu haben, den Ehemann der Frau zu töten, indem sie ihm heimlich Paracetamol in möglichst hohen Dosen von mindestens vier bis fünf Gramm täglich verabreichte.

Dabei hätten die beiden gewusst, dass dies beim Opfer zu einem tödlichen Leberschaden führen würde, da er aufgrund seines sehr hohen Alkohlkonsums eine angeschlagene Leber hatte und allgemein in schlechter körperlicher Verfassung gewesen war.

Nur durch Zufall flog der Plan auf. Die Frau hatte ihrem Schweizer Liebhaber die Kreditkarten-Daten ihres Ehemannes gegeben. Er gab damit mehrere tausend Franken aus. Daraufhin reichte der Geschädigte wegen Kreditkartenmissbrauchs Anzeige gegen Unbekannt ein - die Ermittler kamen auf den Beschuldigten und stiessen auf das Mordkomplott.

Belastet werden die beiden Beschuldigten durch Tausende von Chats, in denen sie diskutierten, wie viel von welchen Medikamenten den Tod des Mannes herbeiführen würde.

Das Zuger Strafgericht verurteilte die Frau im Dezember 2017 zu elf Jahren Freiheitsentzug. Der Mann erhielt zusätzlich zur Freiheitsstrafe von 13 Jahren und sieben Monaten eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 30 Franken sowie eine Busse von 330 Franken. Die Verteidiger hatten Freisprüche mangels Beweisen gefordert. Sie meldeten deshalb Berufung an.

Der Ehemann hielt trotz allem zu seiner Frau. Den erstinstanzlichen Prozess verfolgte er sogar noch im Gerichtssaal. Kurz vor der Urteilseröffnung im Dezember 2017 starb er jedoch eines natürlichen Todes. Sein Tod hat auf das vorliegende Verfahren keinen Einfluss.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Schweiz

"Sternenberg. Ein Ort und seine Geschichte" - Spannende Dorfchronik

Die Gemeinde Sternenberg im Zürcher Oberland ist 2004 dank Christoph Schaubs gleichnamigem Spielfilm weit herum bekannt geworden. Ein Text- und Fotobuch erzählt nun auch ihre wahre Geschichte und illustriert, wie sie heute lebt.

Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen Fussball-Funktionäre
Schweiz

Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen Fussball-Funktionäre

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat gegen Ex-Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke, den Präsidenten des Clubs Paris Saint-Germain, Nasser Al-Khelaifi, und gegen einen weiteren Mann Anklage erhoben. Dabei geht es um mögliche Bestechung bei der Vergabe von Medienrechten.

Ulrike Ottinger mit Berlinale Kamera ausgezeichnet
International

Ulrike Ottinger mit Berlinale Kamera ausgezeichnet

Der Reigen der Berlinale-Auszeichnungen ist am Samstag eröffnet worden. Die Regisseurin und Künstlerin Ulrike Ottinger (77) erhielt die Berlinale Kamera von den Festivalleitern Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian.

Fussgänger in Baar von Auto angefahren
Regional

Fussgänger in Baar von Auto angefahren

Ein 44-jähriger Mann ist am Donnerstagmittag auf einem Fussgängerstreifen in Baar von einem 75-jährigen Autolenker angefahren worden. Die Ambulanz brachte ihn mit Beinverletzungen ins Spital.