"Piano Chapters": szenische Momente in verschiedenen Tanzsprachen


News Redaktion
Schweiz / 06.05.21 09:36

"Piano Chapters" heisst die erste Tanzpremiere dieser Spielzeit von Konzert Theater Bern. Was das Besondere an diesem Abend ist, an dem neben dem Tanz das Solo-Piano eine eigene Rolle spielt, erläutert Tanzdirektorin Estefania Miranda.

Klassischer Spitzentanz und doch modern: Mit der Choreographie
Klassischer Spitzentanz und doch modern: Mit der Choreographie "SSSS..." am Tanzabend "Piano Chapters" wartet Konzert Theater Bern mit einer neuen Bewegungssprache auf. (v.l.n.r.: Momoko Higuchi, Toshitaka Nakamura und Pianist Teo Gheorghiu) (FOTO: Keystone/Gregory Batardon)

Piano Chapters - der Titel des Tanzabends sagt es: auf der Bühne des Berner Stadttheaters erzählen Tänzerinnen und Tänzer zusammen mit dem Solo-Piano von sehr unterschiedlichen Etappen einer Reise durch musikalische Epochen und Tanzstile, von Anklängen ans klassische Ballett bis zum zeitgenössischen Tanz. Die Idee des vierteiligen Tanzabends sind szenische Momente, in denen sich diese verschiedenen Kunstformen gegenseitig befruchten und gleichberechtigt nebeneinander stehen, sagt Estefania Miranda gegenüber Keystone-SDA.

Die Reise beginnt im 19. Jahrhundert. Der Choreograf Eward Clug aus Slowenien nimmt das Berner Publikum zu den Klängen der Nocturnes von Frédéric Chopin mit in die Zeit des Spitzentanzes. Doch dabei bleibt es nicht: Der Erneuerer des neoklassischen Tanzes, wie ihn Miranda bezeichnet, kombiniert in seiner Choreographie SSSS... den Spitzentanz mit zeitgenössischen Elementen. Clug, der vom klassischen Ballett herkommt, trifft in Bern auf ein Ensemble, das im modernen Tanz beheimatet ist. Mit dieser Schweizer Erstaufführung führt er eine für Bern neue Bewegungssprache ein, sagt Miranda.

Auf die zweite Etappe geleitet Edoardo Deodati, festes Ensemblemitglied in Bern, das Publikum. Musikalisch geht es in die Moderne, zu Béla Bartók. In seinem Stück Acoustic Pink erweise er sich als dynamisch, unerwartet, abwechslungsreich, wie Miranda Deodatis Choreographie beschreibt. Der 1995 in Rom geborene Deodati zeigt damit übrigens zum ersten Mal eine eigene Choreographie auf der grossen Bühne. Mutig, fast revolutionär spiegelt dieses grosse Talent seine Bewegungssprache an Bartók, schwärmt Miranda.

Emotionale Zweisamkeit - sagt Miranda über Pas de Deux. Die dritte Choreographie des Abends hat Ed Wubbe, Direktor des Scapino Ballets Rotterdam, gemeinsam mit seinem Freund, dem Komponisten Michiel Borstlap entwickelt. Jazzige Klänge untermalen das Duett, in dem Reife und Präzision von den Persönlichkeiten der Tänzerin und des Tänzers herrühren.

Die letzte Reiseetappe des Tanzabends gibt nach der vorangegangenen Zweisamkeit dem gesamten Berner Ensemble eine Bühne. Sie führt musikalisch zur Spätromantik von Pjotr Illitsch Tschaikowsky, tänzerisch kommt sie einem grossen Sprung gleich: Der gebürtige Puertorikaner Bryan Arias ist geprägt von den Tanzstilen New Yorks, wo er seine Tanzausbildung absolviert hat. Und so lässt sich seine Choreographie, die Uraufführung Amusement Ball, mit dem Motto Spätromantik trifft auf zeitgenössischen Tanz fassen.

Diese vier Stücke zeigen jene Diversität in den Tanzsprachen, die für uns den Abend ausmachen, sagt Miranda. Und: Bei allen vier Choreografien spielt, der Titel Piano Chapters lässt es vermuten, der Flügel eine eigene Rolle. Das Instrument steht auf der Bühne und wird teils gar in die Choreographien eingebaut.

Der Pianist an der Premiere am heutigen Donnerstag wird im Übrigen so manchem aus dem Publikum bekannt sein. Es ist Teo Gheorghiu, der im Film Vitus (2006) neben Bruno Ganz ein junges Klaviertalent spielte; im Alter von zwölf Jahren debütierte er mit Schuhmanns Klavierkonzert in der Zürcher Tonhalle. Zwischenzeitlich hat er weltweit Karriere gemacht. Er und die Pianistin Tamar Beraia werden im Wechsel den Piano-Part an den folgenden Tanzabenden von Piano Chapters übernehmen.

(sda)


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