Plastikmüll im Mittelmeer: 500 Frachtcontainer pro Tag


News Redaktion
Schweiz / 27.10.20 14:23

Rund 450 Millionen Menschen leben in den Staaten um das Mittelmeer und entlang seiner Zuströme. Ihr Müll wird nicht überall korrekt entsorgt. Wohl hunderttausende Tonnen Plastik landen deshalb jährlich im Mittelmeer, Tendenz deutlich steigend.

Leere Plastikflaschen und schwimmender Müll an der Mittelmeerküste in Beirut: Insgesamt fliessen laut einer Studie hunderttausende Tonnen von Plastikmüll ins Mittelmeer. (FOTO: KEYSTONE/EPA/WAEL HAMZEH)
Leere Plastikflaschen und schwimmender Müll an der Mittelmeerküste in Beirut: Insgesamt fliessen laut einer Studie hunderttausende Tonnen von Plastikmüll ins Mittelmeer. (FOTO: KEYSTONE/EPA/WAEL HAMZEH)

Für die Plastikverschmutzung des Mittelmeers ist laut einer Studie vor allem die falsche Müllentsorgung in wenigen Staaten verantwortlich. Derzeit fliessen nach einer neuen Berechnung der Weltnaturschutzunion (IUCN) jährlich geschätzt 230000 Tonnen Plastik ins Mittelmeer, allein aus den 33 Staaten an seinen Küsten und entlang wichtiger Zuflüsse wie Nil, Po und Rhone. Das entspricht umgerechnet pro Tag dem Inhalt von mehr als 500 Frachtcontainern, wie die IUCN am Dienstag in Gland (VD) mitteilte.

Plastikmüll macht dabei laut Studie 94 Prozent dieser Menge aus. Der grösste Anteil kommt laut der Studie aus Ägypten (schätzungsweise rund 74000 Tonnen pro Jahr), Italien (34000 Tonnen) und der Türkei (24000 Tonnen). Bezogen auf die Einwohnerzahl ist der Spitzenreiter allerdings Montenegro (etwa 8 Kilogramm Plastikmüll pro Jahr und Kopf). Mikroplastik macht die anderen sechs Prozent aus.

Mittlerweile könnten sich mehr als eine Million Tonnen Plastik im Mittelmeer angesammelt haben, schätzen die Autoren. Etwas mehr als ein Drittel des Plastikmülls, der im Meer landet, stamme direkt aus Städten aus Küstennähe. Die restlichen 65 Prozent werden etwa von Flüssen ins Meer getragen.

Plastikverschmutzung könne schwere Langzeitschäden für Ökosysteme an Land und im Wasser auslösen, betonte die Direktorin des IUCN-Programms für Meere und Polarregionen, Minna Epps. Wie dieser Bericht klarmacht, reichen die derzeitigen und geplanten Massnahmen nicht aus, um den Plastikzustrom zu reduzieren und diesen Einflüssen vorzubeugen.

Die Experten warnten, dass sich die Müllmenge bis 2040 verdoppeln werde, falls keine entschiedenen Massnahmen getroffen würden. Verbessere man etwa die Abfallwirtschaft in den 100 Städten, die am stärksten zur Müllmenge beitragen, könne man die Abfallmenge um ein Viertel senken. Auch Verbote etwa von Einwegartikeln aus Plastik könnten demnach deutliche Effekte erzielen.

Die 230000 Tonnen im Jahr sind indes laut IUCN nur ein mittlerer Schätzwert - zwischen 150000 und 610000 Tonnen seien möglich.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Hamilton nach dem Schock unangetastet
Sport

Hamilton nach dem Schock unangetastet

Lewis Hamilton dominiert in der Formel 1 weiter. Der Weltmeister gewinnt auch den von einem schweren, glimpflich abgelaufenen Unfall von Romain Grosjean geprägten Grand Prix von Bahrain.

Olma erhält Kapitalspritze aus Ausserrhoden
Schweiz

Olma erhält Kapitalspritze aus Ausserrhoden

Appenzell Ausserrhoden hilft den krisengeschüttelten Olma Messen St. Gallen mit einer Kapitalspritze. Der Kanton erhöht seine Anteile an der Olma-Genossenschaft um 42'000 Franken.

St. Galler Kantonsrat beschliesst das Wasserbaugesetz
Regional

St. Galler Kantonsrat beschliesst das Wasserbaugesetz

Der St. Galler Kantonsrat hat am Mittwoch das Wasserbaugesetz beraten. Dabei wurden zwei Anträge der vorberatenden Kommission für mehr Mitwirkung und für die Abschaffung der Perimeterpflicht abgelehnt.

Adecco bleibt auf Erholungskurs und setzt sich neue Ziele
Wirtschaft

Adecco bleibt auf Erholungskurs und setzt sich neue Ziele

Der Personaldienstleister Adecco ist in den Monaten Oktober und November auf Erholungskurs geblieben. Zudem setzt sich die Gesellschaft unter dem Motto "Future@Work" neue Mittelfristziele.