Profischwund an der Tour de Suisse: Hat der Schweizer Radsport eine gute Zukunft?


Roman Spirig
Sport / 11.06.18 16:00

Thomas Peter, der Leistungssportchef von Swiss Cycling, äussert sich im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA über die Zukunft des Schweizer Radrennsports, über den Weg des Verbandes zu den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio und über eine künftige Schweizer Kandidatur für die Strassen-WM.

Die Zuschauer an der Tour de Suisse würden sich über mehr Schweizer Profis freuen (Foto: KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER)
Die Zuschauer an der Tour de Suisse würden sich über mehr Schweizer Profis freuen (Foto: KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER)

Thomas Peter, nur sieben Schweizer Profis nehmen an der diesjährigen Tour de Suisse teil. Ist man darüber bei Swiss Cycling enttäuscht oder gar alarmiert?

"Klar, vor einigen Jahren gab es beispielsweise dank IAM Cycling einige Schweizer Profis mehr. Aktuell fehlt ein solches Team, deshalb gibt es im Feld auch weniger Schweizer. Letztlich ist aber die Qualität der einzelnen Athleten entscheidend. Dabei muss sich die Schweiz im Radsport nicht verstecken. Unsere sieben Fahrer an der Tour sind Weltklasse und setzen sich entsprechend in Szene."

Wie sieht es im Nachwuchsbereich von Swiss Cycling aus? Gibt es Talente, die dem Schweizer Radsport eine gute Zukunft garantieren?

"Davon sind wir im Verband überzeugt. Der U23-Nationencup ist im Nachwuchsbereich ein anerkannter Indikator. Dieser zeigt in etwa auf, wie die Kräfteverhältnisse in rund fünf Jahren bei den Profis sein werden. Momentan verfügen wir bei den U23 über eine sehr starke Gruppe, angeführt von Fahrern wie Marc Hirschi, Gino Mäder und Stefan Bissegger. Sie alle stehen den ausländischen Top-Athleten in nichts nach."

Wie sieht für solche Fahrer der Weg in den kommenden Monaten und Jahren aus?

"Wir können ihnen ein auf höchster Ebene konkurrenzfähiges Förderprogramm anbieten. Bei einigen handelt es sich um ein kombiniertes Programm, so wie im Fall von unserem grossen Aushängeschild Hirschi. Marc steht jetzt schon bei einem internationalen Nachwuchsteam unter Vertrag, trotzdem ist er oft mit der Nationalmannschaft unterwegs. Zudem wollen wir vom Verband die Athleten künftig auch im Bereich der Leistungsdiagnostik stärker begleiten. Und wer weiss, vielleicht gibt es in Zukunft auch wieder einmal ein Schweizer Team."

Auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Tokio, wo 2020 die nächsten Olympischen Sommerspiele stattfinden werden, befinden wir uns genau bei Halbzeit. Was ist der Weg von Swiss Cycling in den kommenden zwei Jahren?

"Wir sind in vier Sportarten unterwegs, neben Strasse und Mountainbike gibt es auch noch Bahn und BMX. Unser Ziel ist es, in Tokio überall mit Athleten, die über Medaillenpotenzial verfügen, am Start zu stehen. Im Mountainbike, auf der Strasse und auch im BMX ist dieses Potenzial vorhanden. Auf der Bahn arbeiten wir noch daran. Allgemein sieht unser Plan einen Generationenwechsel vor, so dass wir in Tokio mit einem jüngeren und frischeren Team am Start stehen."

Swiss Cycling beabsichtigt, in nicht allzu ferner Zukunft wieder einmal eine Strassen-WM auszutragen. Wie ist der Stand dieses Projekts?

"Wir diskutieren mit dem Weltverband UCI, welches Austragungsjahr sich anbieten würde. Wir sprechen dabei von 2023 oder 2024. Das wäre auch ein guter Zeithorizont, um nicht einfach nur den Event gut über die Bühne zu bringen, sondern parallel dazu Massnahmen zur Sport- und Teamförderung aufbauen zu können. Aktuell haben wir Interessenten aus Zürich, Bern und Martigny, die drei Städte würden die WM gerne durchführen."

(sda / Central Redaktion)


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