Raeto Raffainer: "Ein bisschen stolz auf die Schweizer Nati"


News Redaktion
Sport / 19.05.23 05:33

Raeto Raffainer ist an der Eishockey-WM in Riga als Vertreter des internationalen Verbandes IIHF unterwegs. Der ehemalige CEO des SC Bern freut sich aber auch über die Schweizer Auftritte.

Hoch hinaus: Raeto Raffainer, Mitglied des 14-köpfigen IIHF-Councils, freut sich über die starken Auftritte der Schweizer Nationalmannschaft an der WM in Riga (FOTO: KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI)
Hoch hinaus: Raeto Raffainer, Mitglied des 14-köpfigen IIHF-Councils, freut sich über die starken Auftritte der Schweizer Nationalmannschaft an der WM in Riga (FOTO: KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI)

Möglicherweise ist es Raeto Raffainer zu verdanken, dass die grossen NHL-Stars in diesem Jahr vor allem in der Schweizer Nationalmannschaft zu finden sind. Der heute 41-jährige Bündner war als damaliger Sportdirektor des Schweizer Verbandes massgeblich daran beteiligt, Patrick Fischer 2015 als Trainer zu installieren. Neben dem Gewinn der WM-Silbermedaille ist das grösste Verdienst Fischers, eine Atmosphäre zu schaffen, in der der Einsatz für das Schweizer Kreuz für fast alle Spieler zur Selbstverständlichkeit geworden.

"Ein bisschen stolz bin ich schon, wie sich die Schweizer Nationalmannschaft entwickelt hat", sagt Raffainer im Gespräch mit Keystone-SDA. "Als wir damals Patrick Fischer als Nationaltrainer holten, weil wir bewusst einen Schweizer Ansatz wählen wollten, gab es auch viel Kritik. Jetzt habe ich viel Freude, wie sich das Team entwickelt hat."

Die Schweizer Brille legt der Engadiner auch nicht ab, wenn er in offizieller, internationaler Mission an der WM ist. Raffainer gehört seit zwei Jahren dem sogenannten IIHF Council, dem 14-köpfigen Führungsgremium des Internationalen Eishockey-Verbandes, an. Während die Mehrheit des Councils am Haupt-Spielort in Tampere weilt, meldete sich Raffainer gerne für die Aufgabe in Riga. "Weil ich hier Schweizer Matches schauen kann." Seine Hauptaufgabe ist allerdings die Kontaktpflege mit den internationalen Partnern, Sponsoren und Rechteinhabern.

Raffainer ist in der Spitze des Verbandes nach dem Rücktritt des langjährigen Präsidenten René Fasel der höchste Schweizer. "Für den Schweizer Verband und die Klubs ist es wichtig, dass es eine Schweizer Stimme gibt im Council", betont der ehemalige Spieler und Sportchef des HC Davos, der vor knapp einem Monat auch zur eigenen Überraschung als CEO des SC Bern entlassen wurde. Er hätte nun also Zeit, für ein noch grösseres Engagement beim Weltverband.

Dereinst vielleicht gar als Präsident? Der bestens vernetzte und ambitionierte Bündner wehrt ab: "Im Moment habe ich keine Ambitionen, IIHF-Präsident zu werden." Nach dem Rücktritt von Fasel sei es wichtig gewesen, dass wieder ein Schweizer ins Council gewählt wurde. Bei den nächsten Wahlen im September 2026 müsse man schauen, ob jemand anderes Ambitionen habe und wer die Interessen des Schweizer Eishockeys am besten vertreten könne. "Das Amt des Präsidenten ist im Moment und in nächster Zeit kein Thema für mich."

Es warten auch durchaus grosse Aufgaben auf den internationalen Verband. Der Ausschluss Russlands (und von Belarus) nach dem Angriff auf die Ukraine hat das Eishockey hart getroffen - finanziell, aber auch organisatorisch und spielerisch. Die aktuell laufende WM wäre in St. Petersburg vorgesehen gewesen - nun sprangen mit wenig Vorlauf Tampere und Riga ein. Das hat wenig erfreuliche Konsequenzen wie sehr tiefe Zuschauerzahlen in Riga. Bei den drei ersten Schweizer Matches verloren sich zwischen 2800 und 3200 Fans in der gut 10'000 Besucher fassenden Arena.

Ein Kritikpunkt sind die hohen Ticketpreise mit Sitzplätzen ab 80 Euro. "Zu den Preisen kann ich mich nicht gross äussern, weil mir da die Erfahrung fehlt", sagt Raffainer. "Ich war aber in den letzten paar Wochen mit einem Schweizer Fanklub in Kontakt, und sie sagten, sogar für sie seien die Preise zu hoch. Es werden aber am zweiten Wochenende sicher doppelt so viele Schweizer Fans kommen."

Der Schweizer Funktionär betont die schwierige Ausgangslage: "Eine WM in 52 Wochen zu organisieren, ist extrem sportlich. Mit mehr Zeit hätte man zum Beispiel mit Kindern, Schulen oder Gratiseintritten einen besseren Job machen können, um die Stadien einigermassen zu füllen."

Auch im nächsten Jahr in Tschechien wird die WM noch einmal ohne Russen und Belarussen stattfindet. Für die Wiedereingliederung, "wenn der Krieg hoffentlich in einem Jahr vorbei ist", gibt es einen mit den Verbänden klar definierten Zeitplan. Jeweils bis zum Mittwoch vor den Viertelfinals muss entschieden werden, ob die beiden Nationen für das folgende Jahr wieder zugelassen werden. Das würde dann bedeuten, dass es in dem Jahr zwar zwei Absteiger, aber keine Aufsteiger geben wird.

Noch ist die Realität aber eine andere, und das macht die Arbeit von Raeto Raffainer nicht einfacher. Sollte es kommende Woche in Tampere eine Schweizer Medaille geben, dürften Stolz und Freude aber dennoch gross sein.

(sda)


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