Run the Jewels: Relevanter Rap aus gegebenem Anlass


News Redaktion
International / 04.06.20 10:36

Auf dem Track "Walking In The Snow" - noch vor dem Tod des Afroamerikaners George Floyd - heisst es: "Und jeden Tag flössen sie dir in den Abendnachrichten gratis Angst ein / Und du bist so abgestumpft, dass du dem Polizisten dabei zuguckst / Wie er einen Mann wie mich erdrosselt / Bis meine Stimme von einem Schrei zu einem geflüsterten "Ich kann nicht atmen" wird."

ARCHIV - Die Musiker der Hip-Hop-Band Run The Jewels, El-P (Jaime Meline, l) und Killer Mike (Michael Render) im Orpheum Theater. Foto: Daniel Deslover/ZUMA Wire/dpa (FOTO: Keystone/ZUMA Wire/Daniel Deslover)
ARCHIV - Die Musiker der Hip-Hop-Band Run The Jewels, El-P (Jaime Meline, l) und Killer Mike (Michael Render) im Orpheum Theater. Foto: Daniel Deslover/ZUMA Wire/dpa (FOTO: Keystone/ZUMA Wire/Daniel Deslover)

Killer Mike beschreibt auf dem Album RTJ4 von Run The Jewels vorweg die Szene, die sich in Minneapolis dann abspielte. Spontan zogen Run The Jewels - das sind die Rapper Killer Mike und EL-P - die ursprünglich für Freitag geplante Veröffentlichung ihres vierten Studioalbums vor.

Es sei ab sofort verfügbar, schrieben sie auf ihrer Webseite und bei Twitter. Das Album kann auf der Webseite kostenlos oder gegen Spenden heruntergeladen werden. Alle Einnahmen sollen denjenigen zugute kommen, die in den USA gegen Rassismus und für sozialen Wandel demonstrieren. Scheiss drauf, warum warten. Die Welt ist verseucht mit Schwachsinn, deshalb hier etwas Rauhes zum Zuhören, während ihr euch mit all dem beschäftigt, schrieben die Musiker. Wir hoffen, es bringt euch etwas Freude.

Run the Jewels machen seit ihrem Erstlingswerk von 2013 Hip-Hop mit intensiven Beats und Texten, die teils düster sind, aber auch Humor haben. Sie schrecken nicht vor den genretypischen Provokationen und Übertreibungen zurück. Killer Mike und EL-P nehmen sich dabei zwar selbst nicht immer bierernst, liefern aber meist ernsthafte Texte, die sich gegen Rassismus, Polizeigewalt und hohlen Kommerz richten.

Killer Mike war prominenter Unterstützer des linksgerichteten ehemaligen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Bernie Sanders. Es wundert nicht, dass er nach dem Vorfall, als sich die Proteste von Minneapolis im Norden der USA bis in seine Heimatstadt Atlanta in den Südstaaten ausgebreitet hatten, vor die Kameras trat.

In einer emotionalen Ansprache, teils mit tränenerstickter Stimme, sagte er: Ich bin rasend vor Wut! Ich wachte gestern auf und wollte die Welt niederbrennen sehen. Ich bin es leid, schwarze Männer sterben zu sehen.

Aber der Sohn eines Polizisten aus Atlanta sagte auch an die wütenden Demonstranten gerichtet: Es ist meine Pflicht hier zu sein, einfach um zu sagen, dass es eure Pflicht ist, nicht euer eigenes Haus niederzubrennen, aus Wut gegenüber einem Feind. Das Video, in dem Killer Mike wie eine wortgewaltige Galionsfigur einer neuentfachten Bürgerrechtsbewegung wirkt, ging viral - war zeitweilig sogar das meistgesehene Video auf BBC News.

Auf RTJ4 hat passenderweise auch Zack de la Rocha einen Gastauftritt auf dem Titel Ju$t. Er ist der Frontman der Rap-Metal-Band Rage Against the Machine. Deren erste Single Killing in the Name von 1992 ist von einem Vorfall inspiriert, bei dem mehrere weisse Polizisten den Schwarzen Rodney King mit Schlagstöcken auf offener Strasse zusammenschlugen. Der Vorfall wurde gefilmt und führte später zu schweren Unruhen.

Das musikalische Erfolgsrezept von Run the Juwels sind treibende Bässe. Bestes Beispiel ist die vorab veröffentlichte Album-Auskopplung Ooh LA LA. Für die Single wurde auch ein aufwendiges Video gedreht, in dem auch de la Rocha zu sehen ist. Killer Mike und EL-P rappen auf einer Strasse, die an die Wall Street erinnert, auf der Chaos herrscht. Sie sind von einer Menge umringt, die um Haufen brennender Dollar-Scheine tanzt.

Angesichts der Lage in den USA tweetete EL-P, er habe dem, was Killer Mike und er bereits auf dem Album ausdrückten, nichts mehr hinzuzufügen. Darauf sei all unser Glück, Humor, unsere Freundschaft und Wut.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Tigerweibchen attackiert und tötet Pflegerin im Zoo Zürich
Schweiz

Tigerweibchen attackiert und tötet Pflegerin im Zoo Zürich

Tragisches Unglück im Zoo Zürich: Eine 55-jährige Tierpflegerin ist am Samstagnachmittag von einem Tiger angefallen und getötet worden. Weshalb Tigerweibchen Irina auf die Pflegerin losging, ist noch unklar.

China will Verkauf von lebendem Geflügel auf Märkten verbieten
International

China will Verkauf von lebendem Geflügel auf Märkten verbieten

Als Konsequenz aus der Corona-Pandemie will China den Verkauf von lebendem Geflügel und das Schlachten der Tiere auf Märkten schrittweise verbieten. Das sagte Chen Xu von der Behörde für Marktregulierung am Freitag an einer Pressekonferenz.

Autolenker fährt wegen überhitzter Bremsen in einen Baum
Schweiz

Autolenker fährt wegen überhitzter Bremsen in einen Baum

Ein Autolenker aus den Niederlanden ist am Freitagnachmittag auf der Umbrailpassstrasse bei Sta. Maria Val Müstair GR wegen überhitzten Bremsen in einen Baum geprallt und hat sich dabei verletzt. Er wurde durch ein Ambulanzteam medizinisch versorgt. Am Auto entstand Totalschaden.

In Nidwalden beendet der kantonale Führungsstab Corona-Einsatz
Regional

In Nidwalden beendet der kantonale Führungsstab Corona-Einsatz

Im Kanton Nidwalden ist die Lage seit Wochen stabil. Der Regierungsrat hat deshalb mit den Verantwortlichen des kantonalen Führungsstabs entschieden, dessen Einsatz zu beenden.