SC Bern glaubt Siegesrezept gefunden zu haben: Zug hat nicht gerne, wenn wir hart spielen


Roman Spirig
Sport / 16.04.21 16:40

Vor fünf Jahren wird Bern in den Playoffs von Platz 8 aus Meister. Nach dem 6:2 über Zug im zweiten Viertelfinal träumen die Berner auch von Platz 9 aus wieder gross. Die Zuger haben trotz Niederlage nur ein Schmunzeln für die Thesen der Mutzen übrig.

SC Bern glaubt Siegesrezept gefunden zu haben: Zug hat nicht gerne, wenn wir hart spielen (Foto: KEYSTONE / MARCEL BIERI)
SC Bern glaubt Siegesrezept gefunden zu haben: Zug hat nicht gerne, wenn wir hart spielen (Foto: KEYSTONE / MARCEL BIERI)

Denn im ersten Viertelfinal-Heimspiel präsentierte sich der Schlittschuhclub Bern bärenstark. Der EV Zug wurde regelrecht vom Eis gearbeitet. Die grandiose Leistung wurde sogar als meisterlich bezeichnet. Nein, meisterlich war das noch nicht, so Headcoach Mario Kogler, davon sind wir doch noch ein grosses Stück entfernt. Aber es ist ein Fingerzeig, dass noch sehr viel möglich ist.

Und was ist möglich? Kogler: Alles ist möglich, wenn wir so weiterfahren, einige Dinge noch verfeinern, weiterhin mit sehr viel Biss auftreten und weiter permanenten Druck ausüben.

Die Berner Spieler sagen es noch einfacher: Wir wollen sehr hart und sehr physisch spielen. Denn die Zuger haben das nicht gern, meinte Ramon Untersander, der mit zwei Goals, drei Punkten und viel Einsatzzeit Berns Matchwinner war. Ähnlich wie der Routinier sah es auch Mika Henauer, einer der jüngsten Berner. Henauer: Wir müssen weiter hart spielen, denn sie haben das nicht gern. Sie schlagen den Puck weg, nur um keine weiteren Bodychecks mehr zu kassieren.

Über solche Aussagen lachen die Zuger vorerst nur. Sie nehmen die erste Playoff-Niederlage zur Kenntnis und versprechen Besserung. Dieses Spiel war nicht gut, das ist uns klar, sagt Jérôme Bachofner. Wir müssen diese Partie im Kopf löschen, sie gut analysieren, und am Samstag müssen wir es wieder besser machen.

Aber einige Zuger haben die verlorenen Playoff-Finals gegen Bern von 2017 und 2019 noch im Kopf. Vor vier Jahren stand es 2:2, als ein 1:6 in Bern den EV Zug in Richtung Vizemeister statt in Richtung Titel schickte. Und vor zwei Jahren führte Zug mit einem Break mit 1:0, ehe Bern viermal hintereinander gewann.

Bern kann Playoff. Dass Zug das auch kann, muss der EVZ immer noch beweisen. (sda / Redaktion / Alfons Spirig)



  • EVZ-Sportchef Reto Kläy zur Aussage der Berner, dass Zug nicht gerne hätte, wenn diese "hart" spielen würden. Dies soll nicht die Erklärung für die Zuger Niederlage sein.


  • Warum ging Spiel 2 aus Sicht des EV Zug verloren? Alfons Spirig hat beim EVZ-Stürmer Lino Martschini nachgefragt.

     


  • In der Analyse mit EVZ-Verteidiger Santeri Alatalo geht Alfons Spirig auch auf die glücklichen Tore des SC Bern ein. Zug hatte auch in Spiel 2 mehr Schüsse, der Puck fiel aber diesmal zugunsten der Berner rein.

Das Viertelfinal-Spiel 2 - so lief der Match in Bern...

Auf das 2:4 vom Dienstag in Zug folgte aus Berner Sicht ein 6:2 in der heimischen Arena. Bern gewann diese Partie nicht glückhaft oder unverdient. Bern spielte solid und war gut. Und der EV Zug war nicht gut. Von den Innerschweizern kam in diesem zweiten Spiel viel zu wenig. Captain Raphael Diaz fehlte enorm.

Bern dominierte von Anfang an. Zwar glich Zug durch Dario Simion nach zehn Minuten zum 1:1 aus, allerdings entsprang dieser Treffer im Prinzip aus der ersten gefährlichen Abschlusschance der Gäste. Bern liess sich von diesem Ausgleichstreffer nicht beirren, sondern ging schon vor der ersten Pause dank Goals von Jesper Olofsson und Ramon Untersander innerhalb von 152 Sekunden 3:1 in Führung.

Zug erwies sich zu keiner Reaktion mehr in der Lage. André Heim gelang in Überzahl das 4:1 schon in der 27. Minute. Danach fielen die Zuger Schlüsselspieler fast nur noch negativ auf. Jan Kovar und Justin Abdelkader leisteten sich Undiszipliniertheiten. Für Abdelkader ging die Partie vor der zweiten Pause zu Ende (Restausschluss). Und Jan Kovar droht im Nachgang noch eine Spieldauerdisziplinarstrafe wegen eines noch ungeahndeten Fouls (Slew Footing) im ersten Abschnitt.

Schon den Playoff-Final 2019 verlor Zug gegen Bern nach einem Sieg in Spiel 1. Die Berner steigerten sich zuletzt insbesondere in der Offensive. In vier der letzten acht Partien gelangen Bern in einem Abschnitt drei Tore.

Bern - Zug 6:2 (3:1, 1:0, 2:1)

0 Zuschauer. - SR Wiegand/Tscherrig, Kehrli/Duarte. - Tore: 8. Conacher (Zryd, Jeffrey) 1:0. 11. Simion (Klingberg, Kovar) 1:1. 16. Olofsson 2:1. 19. Untersander (Olofsson, Heim) 3:1. 27. Heim (Scherwey, Conacher/Powerplaytor) 4:1. 44. Untersander (Zryd, Pestoni/Powerplaytor) 5:1. 52. Hofmann (Alatalo, Kovar/bei 5 gegen 3) 5:2. 58. Andersson 6:2 (ins leere Tor). - Strafen: 9mal 2 Minuten gegen Bern, 6mal 2 plus 5 Minuten (Abdelkader) plus 10 Minuten (Zgraggen) plus Spieldauer (Abdelkader) gegen Zug. - PostFinance-Topskorer: Colin Gerber; Klingberg.

Bern: Karhunen; Untersander, Henauer; Andersson, Zryd; Thiry, Beat Gerber; Colin Gerber; Conacher, Jeffrey, Moser; Pestoni, Praplan, Scherwey; Bader, Heim, Olofsson; Berger, Neuenschwander, Sopa; Sterchi.

Zug: Genoni; Zgraggen; Schlumpf, Geisser; Gross, Stadler; Cadonau, Alatalo; Simion, Kovar, Hofmann; Klingberg, Senteler, Zehnder; Martschini, Shore, Abdelkader; Langenegger, Leuenberger, Bachofner; Allenspach.

Bemerkungen: Bern ohne Blum, Ruefenacht und Sciaroni (alle verletzt), Zug ohne Albrecht, Diaz, Thürkauf (alle verletzt) und Thorell (überzähliger Ausländer). Zug von 55:35 bis 57:20 ohne Torhüter.

(sda / Redaktion / Alfons Spirig)


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