Kunden schwer enttäuscht von Manor-Schliessung an der Bahnhofstrasse


Roman Spirig
Wirtschaft / 24.09.19 00:39

Manor zieht im Streit um den Verbleib in der Liegenschaft an der Zürcher Bahnhofstrasse einen Schlussstrich. Der Konzern schliesst sein Warenhaus an prominenter Lage per Ende Januar.

Nach jahrelangen erfolglosen Verhandlungen mit der Vermieterin und aufwändigen Gerichtsverfahren sehe es sich zu diesem Schritt gezwungen, schreibt das Unternehmen am Montagmorgen in einer Medienmitteilung. Von der Schliessung betroffen sind demnach 290 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Manor sowie rund 190 Angestellte eingemieteter Firmen.

Um den Standort an der Bahnhofstrasse in Zürich gab es einen langwierigen juristischen Streit. Swiss Life, die Besitzerin des Belle-Époque-Hauses, will das Haus anders nutzen. Mit Büros in den oberen Geschossen und Boutiquen im Parterre und im ersten Geschoss sollen höhere Mieteinnahmen generiert werden, als dies heute der Fall ist.

Manor dagegen wollte auf den 11'000 Quadratmetern Fläche weiterhin ein Warenhaus betreiben und hat mit juristischen Schritten den Auszug hinausgezögert. Ins Gebäude gezogen ist Manor vor 35 Jahren. Der Mietvertrag wäre eigentlich Ende Januar 2014 ausgelaufen. Der Fall hat mehrere Gerichte beschäftigt.

Nun hat Manor aber entschieden, von sich aus auszuziehen. "Ein Verbleib über dieses Datum hinaus wäre mit zu grossen juristischen Unsicherheiten behaftet", wird Manor-Chef Jérôme Gilg zitiert.

In der Medienmitteilung zum Schliessungsentscheid schreibt Manor von einem "schwarzen Tag" für das Unternehmen und seine Mitarbeitenden. Man habe über Jahre für den Erhalt des Warenhauses im Herzen der Stadt Zürich gekämpft und dabei grosse Sympathien der Zürcherinnen und Zürcher, der Politik und selbst der Konkurrenz erfahren, so Manor.

Der Versuch, trotz des juristischen Streits noch eine einvernehmliche Lösung zu erreichen, ist dabei offenbar gescheitert. Nach Angaben von Manor hat Swiss Life nämlich unlängst eine "faire, durch ein Gutachten einer international renommierten Immobilienexpertin gestützte Kaufofferte" des Warenhauskonzerns abgelehnt.

Den von der Schliessung betroffenen Mitarbeitern will Manor einen Sozialplan bieten. Die Personalkommission beginne nun mit der Konsultationsphase, schreibt das Unternehmen. Der Sozialplan sieht demnach neben Abfindungszahlungen auch frühzeitige Pensionierungen und Unterstützung bei der Stellensuche vor.

Um möglichst vielen Manor-Mitarbeitenden eine interne Weiterbeschäftigung zu ermöglichen, wird zudem für 16 Warenhäuser im weiteren Umfeld von Zürich bis auf Weiteres ein Einstellungsstopp erlassen.

Manor will aber auch in Zürich präsent bleiben: Die intensive Suche nach einem neuen Standort in der Stadt werde fortgesetzt.

(sda)

Kunden schwer enttäuscht von Manor-Schliessung an der Bahnhofstrasse (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)
Kunden schwer enttäuscht von Manor-Schliessung an der Bahnhofstrasse (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Disney-Konzern plant Wiedereröffnung der Vergnügungsparks
Wirtschaft

Disney-Konzern plant Wiedereröffnung der Vergnügungsparks

Der Unterhaltungskonzern Walt Disney will seine Vergnügungsparks wieder öffnen. Den Behörden in Orlando in Florida werde am Mittwoch ein Plan zur schrittweisen Aktivierung der dortigen Parks gemacht, kündigte der US-Konzern am Dienstag (Ortszeit) an.

Frau stiehlt Senioren Kreditkartedaten und kauft damit ein
Schweiz

Frau stiehlt Senioren Kreditkartedaten und kauft damit ein

Eine 32-Jährige hat verschiedene Senioren um insgesamt über 10'000 Franken betrogen. Die Kantonspolizei Zürich hat sie nun des Missbrauchs von Kreditkartendaten überführt.

Kriens rüstet seine Schulen mit Laptops und Wlan auf
Regional

Kriens rüstet seine Schulen mit Laptops und Wlan auf

Die Stadt Kriens schafft für die Schulkinder und den Lehrkörper rund 1600 Tablets und Notebooks an. Sie investiert dafür rund 1,1 Millionen Franken. Zudem werden die Schulhäuser, die noch nicht mit Wlan ausgestattet sind, für 1,6 Millionen Franken technisch aufgerüstet.

Israel registriert ungewöhnlichen Anstieg von Corona-Infektionen
International

Israel registriert ungewöhnlichen Anstieg von Corona-Infektionen

Die Behörden in Israel haben einen ungewöhnlichen Anstieg von Corona-Infektionen festgestellt. Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstagabend mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 64 Fälle bekannt - eine "vergleichsweise ungewöhnliche Zunahme".