Schwedischer Nobody schnappt McIlroy den Sieg weg


Roman Spirig
Sport / 01.09.19 19:12

Nordirlands Superstar Rory McIlroy verpasste seinen besten Auftritt am Omega European Masters in Crans-Montana ganz knapp. Er verlor ein Stechen, in das fünf Golfprofis involviert waren. Der glückliche Sieger ist der wenig bekannte Schwede Sebastian Söderberg.

Schwedischer Nobody schnappt McIlroy den Sieg weg (Foto: KEYSTONE / ALEXANDRA WEY)
Schwedischer Nobody schnappt McIlroy den Sieg weg (Foto: KEYSTONE / ALEXANDRA WEY)

Für die Organisatoren des grossen Schweizer Golfturniers um Turnierdirektor Yves Mittaz wäre die Rechnung beinahe zu hundert Prozent aufgegangen. Die gross angekündigten Koryphäen Rory McIlroy, Sergio Garcia und Tommy Fleetwood waren alle in guter Verfassung von überall her ins Wallis gereist und zeigten den Fans erstklassiges Golf. Das tadellose Wetter - Mittaz bezeichnet die Sonne jeweils als den wichtigste Spieler - und die erstklassige Affiche liessen den Zuschauerrekord purzeln. 64'800 verfolgten die Professionals vor Ort - fast 10'000 mehr als beim bisherigen Rekord aus dem Jahr 2015.

Aus der Sicht der Organisatoren hätte nur der Name des Siegers anders lauten sollen. Jedes Turnier wünscht sich im Palmarès Golfer mit klangvollen Namen. McIlroy, Nummer 2 der Weltrangliste und vierfacher Gewinner von Turnieren auf Grand-Slam-Niveau, hätte das Profil des Wunschsiegers mehr als nur erfüllt. Schon vor elf Jahren, zu Beginn seiner grossartigen Profikarriere, hatte er den Sieg am grossen Schweizer Turnier im Stechen verpasst, damals gegen den unbekannten, heute längst aus allen grösseren Profitours relegierten Franzosen Jean-François Lucquin.

Auf derart dramatische Weise ist die Entscheidung am traditionsreichen Turnier - es ist das europäische Turnier, das am längsten (seit 1939!) alljährlich am gleichen Ort stattfindet - noch nie gefallen. Nach den regulären 18 Löchern der Schlussrunde waren fünf Profis schlaggleich; nebst Söderberg und McIlroy waren es der Argentinier Andres Romero, der Italiener Lorenzo Gagli und der Finne Kalle Samooja. Die fünf mussten im Stechen im Pulk das 18. Loch spielen. Schon im ersten Anlauf wurde die Sache entschieden, weil Söderberg als einzigem ein Birdie gelang.

McIlroy hätte das mit 2,5 Millionen Euro dotierte Turnier der grossen europäischen Tour mit Vorsprung gewinnen können. Die Chance hierfür verpasste der 30-Jährige auf dem ersten Teil der Schlussrunde. Auf den ersten zehn Löchern musste er - bei zwei Birdies - vier Schlagverluste hinnehmen. Er lag zeitweise sieben Schläge hinter der Spitze und schien längst aus der Entscheidung gefallen zu sein. Am zwölften Loch zündete er ein Feuerwerk, das anhielt. McIlroy zeigte vier Birdies am Stück und ein weiteres am 17. Loch. Die tolle Aufholjagd brachte ihn ins Stechen.

Es war nicht selbstverständlich, dass McIlroy auf dem Walliser Hochplateau derart grossartig auftrumpfte. Er war letzten Montag aus Atlanta angereist. Dort hatte er die Tour Championship des amerikanischen Circuits gewonnen und - inklusive Bonus für den Gesamtsieg im FedEx-Cup - auf einen Schlag 16,66 Millionen Dollar eingenommen.

Auch die übrigen namhaften Spieler an diesem denkwürdigen Turnier blieben nichts schuldig. Der Spanier Sergio Garcia büsste fünf Schläge auf die Spitze ein und klassierte sich als 23. - schlaggleich mit seinem Landsmann Miguel Angel Jimenez, dem Liebling des Schweizer Golfpublikums. Nur einen Schlag mehr benötigte der Engländer Lee Westwood. Dessen Landsmann Tommy Fleetwood wurde Achter.

Sieger Söderberg wechselte 2013, mit 22 Jahren, zu den Profis. Die zuvor einzigen zwei Siege errang er 2016 und 2018 auf der zweitklassigen Challenge Tour. In der laufenden Saison auf dem grossen Circuit verpasste er an zwei Dritteln der Turniere die Qualifikation für die Finalrunden. Der 5. Platz an der "Scandinavian Invitation" am Wohnort Göteborg war Söderbergs mit Abstand bestes Ergebnis.

(sda)


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