Schweizer Händler zunehmend durch branchenfremde Firmen bedroht


Roman Spirig
Wirtschaft / 07.11.19 14:38

Die Digitalisierung hat Folgen für den Schweizer Handel. Die Konkurrenz durch branchenfremde Firmen nimmt zu, wie aus einer Umfrage des Dachverbandes Handel Schweiz hervorgeht.

Im Bild zu sehen - Ein Verteilzentrum des Online-Händler-Giganten Amazon (Foto: KEYSTONE / AP / PATRICK SEMANSKY)
Im Bild zu sehen - Ein Verteilzentrum des Online-Händler-Giganten Amazon (Foto: KEYSTONE / AP / PATRICK SEMANSKY)

"Die Hälfte der Händler fühlt sich durch Unternehmen ausserhalb des Handels bedroht", sagte Handel Schweiz-Direktor Kaspar Engeli am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Mittlerweile fühlen sich knapp 51 Prozent der Händler bedroht, wie aus einer Umfrage unter 4'000 Händlern hervorgeht. Das seien 11 Prozentpunkte mehr als vor drei Jahren, sagte Engeli.

Auf der anderen Seite ist aber auch die Zahl der Händler gestiegen, die sich durch Unternehmen ausserhalb des Handels nicht bedroht fühlen. Sie stieg um knapp 2 Prozentpunkte auf gut 48 Prozent. Die Zunahme in beide Richtungen ist durch die Abnahme der Händler zu erklären, die keine Antwort gegeben haben.

Nur ganz leicht gestiegen ist indes die Furcht vor der Onlinekonkurrenz Amazon, Galaxus oder Alibaba. Auch hier fühlen sich knapp 51 Prozent der Händler ihr klassisches Geschäftsmodell durch die digitale Plattformen bedroht. Gut 48 Prozent verneint dies. "Die Mehrheit der Händler meidet diese digitalen Plattformen. Nur ein Fünftel nutzt sie für das eigene Unternehmen", sagte Engeli.

Die Digitalisierung beeinflusst auch den Umsatz. Bei fast einem Drittel der Händler habe sich der Umsatz durch die Digitalisierung positiv entwickelt. Bei der letzten Umfrage vor drei Jahr waren es erst ein Viertel der Händler gewesen. Negative Einflüsse auf den Umsatz sahen gut 10 Prozent der Befragten.

Während die Digitalisierung sich noch vor drei Jahren bei rund der Hälfte der Unternehmen nicht auf den Umsatz ausgewirkt habe, sei dies heute nur bei etwas über 10 Prozent der Fall, sagte Engeli: Der hohe Anteil der Unternehmen, die diese Frage in diesem Jahr nicht beantwortet hätten, lasse jedoch auf eine grosse Unsicherheit bei Umsatz und Digitalisierung vermuten.

Die Digitalisierung drückt auch auf die Preise: 91 Prozent der befragten Firmen finden die Preisentwicklung in ihrer Branche als negativ. Allerdings halten fast drei Viertel der Händler einen globalen Einheitspreis für ihre Produkte für unwahrscheinlich.

Die Hochpreisinsel Schweiz lebt weiter: 83 Prozent der Handelsunternehmen gehen davon aus, dass ihre Preise höher sind als bei der internationalen Konkurrenz. Nur 11 Prozent halten ihre Preise für niedriger als im Ausland.

Die Konsumenten sehen das ähnlich: Über 80 Prozent findet, dass Schweizer Händler im internationalen Vergleich teilweise oder erheblich zu teuer sind, wie aus einer Parallelumfrage auf sozialen Medien hervorging. Lediglich 16 Prozent der Befragten verneinten dies.

(sda)


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