Schweizer Handballer beenden WM mit Sieg


News Redaktion
Sport / 24.01.21 17:08

Die Schweizer Handballer setzen sich an der WM in Ägypten im letzten Spiel gegen Algerien 27:24 durch und schliessen das Turnier in der ersten Ranglistenhälfte (Top 16) ab.

Andy Schmid weiter in Form. Gegen Algerien warf er neun Tore (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Andy Schmid weiter in Form. Gegen Algerien warf er neun Tore (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Damit schrieben die Schweizer eine verrückte Geschichte erfolgreich zu Ende. Weniger als 48 Stunden vor dem ersten Auftritt gegen Österreich hatten sie erfahren, dass sie als Ersatz für die coronageplagten USA an die WM nachrücken. Weil danach erst noch alle Teammitglieder einen PCR-Test machen mussten, erfolgte die Anreise nach Ägypten erst am Spieltag. Dem nicht genug verzögerte sich der Abflug wegen des heftigen Schneefalls in Zürich um zwei Stunden, sodass die Schweizer erst viereinhalb Stunden vor dem Anpfiff landeten.

Dennoch entschieden sie das wegweisende Spiel gegen Österreich 28:25 zu ihren Gunsten - dieser Sieg war gleichbedeutend mit dem Einzug in die Hauptrunde. In dieser bezwangen sie nebst Algerien auch Island (20:18). Gegen den sechsfachen Weltmeister Frankreich (24:25) verpassten sie einen Coup nur hauchdünn, und auch die Leistungen gegen Norwegen (25:31), den WM-Zweiten von 2017 und 2019, und den EM-Sechsten Portugal (29:33) waren mehr als solid.

Den Sieg gegen Algerien, dank dem die Schweizer den Sprung in die Top 16 schafften, stufte Nationaltrainer Michael Suter als eminent wichtig ein. Kompliment an die Mannschaft, wie sie die letzten Kräfte mobilisiert hat. Von den gelungenen Auftritten in Ägypten erhofft er sich einen Push für den Handball in der Schweiz. Wir sind eine der grossen Überraschungen des Turniers. In der Westschweiz wurden wir in der Presse wahrgenommen wie noch nie. Das sind wichtige Schritte für die Zukunft.

Es darf nicht vergessen werden, dass die Schweizer erstmals seit 1995 an einer WM teilnahmen. Im vergangenen Jahr waren sie auch an der EM-Endrunde dabei gewesen - zum ersten Mal seit 2006. Suter, der seit 2016 im Amt ist, hat eine Mannschaft mit Spielern aufgebaut, die langfristig auf den Handball setzen. Mit einigen arbeitet er schon lange zusammen, da sie bereits in Nachwuchsauswahlen unter ihm spielten.

All dies führte dazu, dass Topstar Andy Schmid wieder Feuer und Flamme für das Nationalteam ist und 2018 Kreisläufer Alen Milosevic zurückkehrte. Die beiden Routiniers leisteten in Ägypten ein unglaubliches Pensum. Schmid stand in den sechs Partien nur etwas mehr als sieben Minuten nicht auf dem Feld, Milosevic kam während knapp fünfeinhalb Stunden zum Einsatz.

Schmid war im Angriff der Dreh- und Angelpunkt im Schweizer Team, schoss in fünf der sechs Begegnungen am meisten Tore. Insgesamt gelangen ihm 44 Treffer, dazu kommen 27 Assists. Kurz nach Turnierende auf seine Gefühlslage angesprochen, sagte der fünffache MVP der Bundesliga: Ich kann es noch nicht so richtig einschätzen.Wir merken aber schon, dass wir etwas Wunderbares für unsere Sportart, für uns selber gemacht haben. Was in den letzten Tagen abgelaufen ist, darüber könntest du ein Buch schreiben, es war eine fantastische Reise.

Klar ist, dass die Schweizer auf diesem Niveau nur erfolgreich sein können, wenn die Defensive um Abwehrchef Samuel Röthlisberger funktioniert. Und dies war über weite Strecken der Fall. Viel besser als gegen Frankreich und vor allem Island kann nicht verteidigt werden. Dies ist umso bemerkenswerter, als mit dem verletzten Lucas Meister eine wichtige Säule im Innenblock fehlte. Dahinter zeigte Goalie Nikola Portner trotz eines Fehlstarts - gegen Österreich liess er sämtliche elf Schüsse auf sein Tor passieren -, was in ihm steckt. In den darauffolgenden fünf Partien verzeichnete er eine Abwehrquote von gerundet 35 Prozent.

Die Schweizer mussten neben Meister mit dem an Krebs erkranken Linkshänder Dimitrij Küttel und dem am Tag vor dem Abflug positiv auf Corona getesteten Luka Maros auf zwei weitere Teamstützen verzichten. Letztere beiden wären im Rückraum willkommene Optionen gewesen. All dem trotzte das Team. Jeder akzeptierte seine Rolle, auch diejenigen, die kaum zum Einsatz kamen. Eine solche Opferbereitschaft habe ich noch nie erlebt. Jeder stellte sein Ego massiv zurück, so Schmid. Dies führte zu einem Spirit, der es erst ermöglichte, dass es nicht nur eine verrückte, sondern auch eine erfolgreiche Geschichte war.

Algerien - Schweiz 24:27 (13:15)

Madinat Sittah Uktubar. - keine Zuschauer. - SR Grillo Lopez/Lenci (ARG). - Torfolge: 5:4, 5:6, 6:6, 6:8, 8:9, 8:13 (24.), 9:14, 13:14, 13:15; 14:15, 14:18, 16:19 (38.), 16:22 (41.), 19:22, 22:26, 24:26, 24:27. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Algerien, 2mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Algerien: Ghedbane (1 Parade)/Zemouchi (9); Naim, Hellal (1 Tor), Berkous (2), Hichem (3), Saker (3), Kaabeche, Ensaad, Boudjenah (1), Abderahim (1), Bendjilali (1), Abdelkader (1), Hadj Sadok (5/1), Ayoub (6).

Schweiz: Portner (14 Paraden); Schmid (9 Tore/3), Rubin (2), Tynowski (6), Svajlen, Lier (4), Sidorowicz (1), Raemy (2), Röthlisberger, Tominec, Milosevic (3), Ben Romdhane.

Bemerkungen: Schweiz ohne Meister (verletzt), Küttel (krank), Maros (positiv auf Corona getestet), Gerbl, Grazioli (beide überzählig), Bringolf, Schelker, Zehnder und Novak (alle nicht eingesetzt). Portner hält Penalty von Hadj Sadok (15./7:9), Hadj Sadok verwandelt den Nachschuss.

Hauptrunden-Gruppe 3. Sonntag: Algerien - Schweiz 24:27 (13:15). Island - Norwegen 33:35 (18:18). Portugal - Frankreich 23:32 (12:16). - Rangliste: 1. Frankreich 5/10 (142:123). 2. Norwegen 5/8 (155:137). 3. Portugal 5/6 (135:132). 4. Schweiz 5/4 (125:131). 5. Island 5/2 (139:132). 6. Algerien 5/0 (116:157).

(sda)


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