Schweizer Wirtschaft im vierten Quartal nur noch leicht gewachsen


News Redaktion
Wirtschaft / 26.02.21 09:16

Die Schweizer Wirtschaft ist im vierten Quartal wegen der zweiten Coronawelle nur noch ganz leicht gewachsen. Die starke Erholung vom Coronaabsturz im Sommer ist damit zum Stehen gekommen. Im Gesamtjahr 2020 sank das BIP so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Die Coronapandemie hat der Schweizer Wirtschaft Im Gesamtjahr 2020 den stärksten Einbruch seit Jahrzehnten eingebrockt. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/FABIAN BIMMER)
Die Coronapandemie hat der Schweizer Wirtschaft Im Gesamtjahr 2020 den stärksten Einbruch seit Jahrzehnten eingebrockt. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/FABIAN BIMMER)

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg in der Periode von Oktober bis Dezember 2020 gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal sank es um 1,6 Prozent.

Grosse Einbussen hätten im vierten Quartal jene Dienstleistungsbranchen erlebt, welche direkt durch die verschärften Eindämmungsmassnahmen gegen Corona betroffen gewesen seien, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Freitag mit. Zudem habe die internationale Reisetätigkeit wieder deutlich nachgelassen, was den Tourismus belastet habe.

Die Wertschöpfung etwa im Gastgewerbe (-20,8%) und im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (-7,7%) ging entsprechend stark zurück nach der zwischenzeitlichen Entspannung der Sommermonate. Im Einklang mit der nachlassenden Mobilität der Bevölkerung war auch die Wertschöpfung im Bereich Transport und Kommunikation (-0,5 %) rückläufig. Schliesslich entwickelte sich auch das Gesundheits- und Sozialwesen (-0,7%) negativ.

In anderen Bereichen hat sich die Erholung dagegen fortgesetzt. Im Baugewerbe (+0,4%) zum Beispiel legte die Wertschöpfung im Einklang mit den Bauinvestitionen (+0,1%) leicht zu. Und auch die Investitionen in Ausrüstungen (+1,9%) setzten ihre Erholung fort und trugen damit laut Seco ebenfalls zur Stabilisierung der Binnenkonjunktur bei. Viele Unternehmen hätten wieder vermehrt investiert, nachdem sie im vergangenen Frühling Investitionen aufgeschoben hätten, heisst es dazu.

Auch der Staatskonsum (+2,3%) erhöhte sich im Zuge von coronabedingten Mehrausgaben stark. In der Summe gab die inländische Endnachfrage (-0,2%) im vierten Quartal jedenfalls nur geringfügig nach. Im Unterschied zum ersten Halbjahr 2020 waren im vierten Quartal die internationalen Lieferketten kaum unterbrochen. Gestützt von der stark anziehenden Nachfrage in wichtigen Volkswirtschaften Asiens, konnte das verarbeitende Gewerbe (+1,4 %) so erneut wachsen.

Insgesamt wirkte sich die zweite Corona-Welle bis Ende 2020 jedenfalls deutlich weniger auf die Wirtschaft aus als die erste im vergangenen Frühjahr, fasst das Seco die Entwicklung zusammen.

Die Verlangsamung gegenüber dem hohen Wachstum im dritten Quartal (leicht nach oben revidiert auf +7,6%) kommt in dieser Dimension nicht ganz überraschend und war gar leicht geringer als erwartet. Von AWP befragte Ökonomen hatten die Entwicklung zum Vorquartal nämlich bei -0,7 bis +0,2 Prozent gesehen.

Erstmals hat das Seco auch eine Einschätzung zum Gesamtjahr 2020 gegeben. Demnach schrumpfte die hiesige Wirtschaft im Corona-Jahr um 2,9 Prozent und damit deutlich weniger stark als anfänglich befürchtet.

Trotzdem ist es laut Seco der stärkste Rückgang seit Mitte der 70er Jahre im Zuge der damaligen Ölkrise. Besonders stark von der Krise betroffen war der Dienstleistungssektor. Der private Konsum (-4,4%) sank gar in historischem Ausmass. Die Rückgänge beim verarbeitenden Gewerbe und bei den Exporten waren dagegen weniger stark als in der Finanzkrise.

(sda)


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