Schweizerinnen bringen sich mit Penaltys an die EM


News Redaktion
Sport / 13.04.21 22:48

Das Schweizer Frauen-Nationalteam qualifiziert sich für die EM-Endrunde 2022 in England. Das Team gewinnt die Zitterpartie im Playoff-Rückspiel in Thun gegen Tschechien mit 3:2 im Penaltyschiessen.

Es ist geschafft: Die Schweizerinnen rennen im Glück los (FOTO: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)
Es ist geschafft: Die Schweizerinnen rennen im Glück los (FOTO: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Was für ein Spiel! Was für eine Dramatik! Was für ein Ende! Zur Schweizer Heldin avancierte Torhüterin Gaëlle Thalmann, die im Penaltyschiessen zwei Versuche der Tschechinnen abwehrte. Den letzten und entscheidenden Schuss setzte Katerina Svitkova an die Latte. Zuvor hatten auf Schweizer Seite Malin Gut und Coumba Sow die Nerven einen Streich gespielt.

Nach der regulären Spielzeit und der Verlängerung hatte es wie im Hinspiel 1:1 gestanden. Svitkova brachte den Aussenseiter aus Tschechien in der 51. Minute mit einem herrlichen Weitschuss unter die Latte in Führung. Sow rettete die Schweizerinnen mit dem Ausgleich nach knapp einer Stunde in die Verlängerung

Diese entwickelte sich zu einem Abnützungskampf, in der beide Teams je einen Matchball auf dem Fuss hatten. Eine Freistossflanke Svitkovas streifte die Lattenoberkante (114.), im Gegenzug schoss Sow aus aussichtsreicher Situation über das Tor.

Die Schweizerinnen waren erneut erst spät, aber nicht zu spät aufgewacht. Wie bereits im Hinspiel wirkte für sie erst der Gegentreffer wie ein Weckruf. Angetrieben von Captain Lia Wälti, die ein überragendes Spiel zeigte, legten sie mit dem Rücken zur Wand ihre Nervosität ab und begannen, dem Spiel den Stempel aufzudrücken.

Der erste Lohn erhielten sie bald, Wältis Traumpass spitzelte die kurz zuvor eingewechselte Sow ins Tor (59.). Die Schweizerinnen spielten auch danach mit mehr Drive und standen in der regulären Spielzeit einem zweiten Treffer wesentlich näher. Malin Gut testete die gute tschechischen Torhüterin Barbora Votikova (83.), der Abschluss von Fabienne Humm landete über dem Tor (86.).

Vor der Partie hatte Trainer Nils Nielsen keinen Hehl aus der Bedeutung des Spiels gemacht und eine gewisse Nervosität nicht in Abrede gestellt. Seit ich in die Schweiz gekommen bin, heisst es, diese Mannschaft könne nicht gut spielen, wenn es wirklich zählt. Nun sei der Moment gekommen, das Gegenteil zu beweisen, so der Däne. Die Antwort der Spielerinnen auf dem Platz fiel zwar nicht restlos überzeugend aus, sie kämpften aber mit Leidenschaft und verdienten sich mit grossem Willen und viel Kampfgeist das späte Glück.

Wie bereits im Hinspiel erwiesen sich die Tschechinnen auch auf dem Kunstrasen in Thun als sehr unbequemer Gegner, der teilweise die Grenze der Fairness überschritt. Opfer davon wurden unter anderen Ramona Bachmann und Noelle Maritz, die noch vor der Verlängerung angeschlagen ausgewechselt werden mussten. Später verletzte sich auch noch Lara Marti.

Im Gegensatz zum Hinspiel, als die Osteuropäerinnen das Spielgeschehen fast ausschliesslich der SFV-Auswahl überlassen hatten, versuchten nun im Rückspiel, in dem sie zwingend einen Treffer brauchten, den Favoriten phasenweise unter Druck zu setzen.

Das temporäre tschechische Pressing zeigte durchaus seine Wirkung. Der Führungstreffer kurz nach der Pause war jedenfalls nicht unverdient, auch wenn Svitkova, wie im Hinspiel die auffälligste Tschechin, kurz vor ihrem herrlichen Tor den Ball im eigenen Strafraum mit der Hand gespielt hatte.

Schweiz - Tschechien 1:1 (0:0, 1:1) n.V. - Schweiz 3:2-Sieger im Penaltyschiessen.

Thun. - Monsul (UKR). - Tore: 51. Svitkova 0:1. 59. Sow (Wälti) 1:1. - Penaltyschiessen: Gut - (Votikova hält), Bartonova - (Thalmann hält; Sow - (über das Tor), Krejcirikova 0:1; Lehmann 1:1, Bertholdova 1:2; Wälti 2:2, Martinkova - (Thalmann lenkt Ball an den Pfosten); Crnogorcevic 3:2, Svitkova - (Latte).

Schweiz: Thalmann; Maritz (87. Marti/104. Xhemaili), Bühler, Stierli, Aigbogun; Gut, Wälti; Crnogorcevic, Maendly (56. Sow), Fölmli (56. Lehmann); Bachmann (71. Humm).

Bemerkungen: Schweiz ohne Calligaris, Kiwic und Reuteler (alle verletzt). 101. Marti verletzt ausgeschieden. 114. Lattenschuss Svitkova. Verwarnungen: 40. Martinkova (Foul). 66. Szewieczkova (Foul). 67. Sow (Foul). 91. Cahynova (Foul).

Frauen. EM-Playoffs. Hinspiele.

In Thun: Schweiz - Tschechien 1:1 (0:0, 1:1) n.V. - Schweiz siegt 3:2 nach Penaltyschiessen. - Hinspiel: 1:1.

In Belfast: Nordirland - Ukraine 2:0 (0:0). - Hinspiel: 2:1.

In Moskau: Russland - Portugal 0:0. - Hinspiel: 1:0.

Die für die EM in England (6. bis 31. Juli 2022) qualifizierten Teams: England, Niederlande, Dänemark, Norwegen, Spanien, Finnland, Schweden, Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien, Island, Österreich, Russland, Schweiz, Nordirland.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Feuerwehr rettet Katze aus Lärmschutzgallerie
Regional

Feuerwehr rettet Katze aus Lärmschutzgallerie

Die Feuerwehr hat am Samstagmorgen auf der Autobahn A2 in Hergiswil NW eine Katze aus einer im Umbau stehenden Lärmschutzgallerie gerettet. Jemand hatte von der Autobahn her lautes Miauen gehört und die Polizei gerufen.

Luzerner Kantonsrat fordert Anpassungen bei Baugesuchen
Regional

Luzerner Kantonsrat fordert Anpassungen bei Baugesuchen

Sensible Daten sollen in Baugesuchen von den Luzerner Gemeinden nach einheitlichen Prinzipien öffentlich gemacht werden. Der Kantonsrat hat am Montag eine Motion von Barbara Lang (SVP) mit 84 zu 30 Stimmen als Postulat überwiesen.

SP-Co-Präsident Wermuth: Rahmenabkommen in dieser Form inakzeptabel
Schweiz

SP-Co-Präsident Wermuth: Rahmenabkommen in dieser Form inakzeptabel

Partei-Co-Präsident Cédric Wermuth hat an der SP-Delegiertenversammlung ein Plädoyer für ein einiges Europa gehalten, das Rahmenabkommen Schweiz-EU aber in der aktuellen Form abgelehnt. Es gebe den Lohnschutz zum Abschuss frei, sagte er am Samstag vor den Delegierten.

Motorradbauer Harley-Davidson lanciert eigenständige Elektromarke
Wirtschaft

Motorradbauer Harley-Davidson lanciert eigenständige Elektromarke

Das US-Traditionsunternehmen Harley-Davidson will künftig stärker auf Elektromotorräder setzen. Der Konzern kündigte an, dafür unter der Marke LiveWire eine eigene und unabhängige Sparte an den Start zu bringen.