Schwere Gefechte in Berg-Karabach - Armenien ruft Kriegszustand aus


News Redaktion
International / 27.09.20 11:31

Armenien hat nach Kämpfen mit dem Nachbarland Aserbaidschan in der Konfliktregion Berg-Karabach den Kriegszustand ausgerufen. Das teilte Regierungschef Nikol Paschinjan am Sonntag in Eriwan mit. Zuvor hatte Aserbaidschan eine Militäroperation gegen Berg-Karabach angekündigt.

HANDOUT - Das Standbild aus dem vom armenischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Filmmaterial zeigt nach Angaben des Ministeriums, wie armenische Streitkräfte ein aserbaidschanisches Militärfahrzeug an der Kontaktlinie der Republik Berg-Karabach in Aserbaidschan zerstören. Foto: Uncredited/AP/Armenian Defense Ministry/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits (FOTO: Keystone/AP/Armenian Defense Ministry/Uncredited)
HANDOUT - Das Standbild aus dem vom armenischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Filmmaterial zeigt nach Angaben des Ministeriums, wie armenische Streitkräfte ein aserbaidschanisches Militärfahrzeug an der Kontaktlinie der Republik Berg-Karabach in Aserbaidschan zerstören. Foto: Uncredited/AP/Armenian Defense Ministry/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits (FOTO: Keystone/AP/Armenian Defense Ministry/Uncredited)

Es soll zahlreiche Verletzte und rund zehn Tote unter den Soldaten in dem Südkaukasus-Gebiet geben. Es handelt sich um die schwerste Eskalation seit Jahrzehnten.

Zwischen den verfeindeten Nachbarländern kam es nach Angaben beider Seiten am Sonntagmorgen zu schweren Gefechten. Die Hauptstadt Stepanakert sei beschossen worden, die Menschen sollten sich in Sicherheit bringen, teilten die Behörden in Berg-Karabach mit. Zahlreiche Häuser in Dörfern seien zerstört worden. Nach Darstellung aus Baku und Eriwan dauerten die Kämpfe an.

Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für die Gefechte. Der Beschuss habe am frühen Morgen von aserbaidschanischer Seite begonnen, schrieb Paschinjan auf Facebook. Die gesamte Verantwortung dafür hat die militär-politische Führung Aserbaidschans, teilte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums von Armenien mit. Eriwan habe Hubschrauber und Kampfdrohnen abgeschossen. Drei gegnerische Panzer seien getroffen worden. Baku dementierte dies und betonte, es handele sich bei den Gefechten um eine Gegenoffensive an der Frontlinie. Armenien habe die Kämpfe provoziert.

Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Baku hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Kontrolle über das von christlichen Karabach-Armeniern bewohnte Gebiet verloren. Seit 1994 gilt in der Region eine Waffenruhe, die aber immer wieder gebrochen wurde. Zuletzt flammte der Konflikt 2016 stark auf. Dabei starben mehr als 120 Menschen.

Im Juli kam es an der Grenze zwischen den verfeindeten Republiken zu schweren Gefechten; die Kämpfe lagen jedoch Hunderte Kilometer nördlich von Berg-Karabach. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat.

Das russische Aussenministerium rief beide Seiten auf, das Feuer sofort einzustellen. Zudem sollten Baku und Eriwan Gespräche aufnehmen, um die Situation zu stabilisieren. Die benachbarte Türkei warf Armenien vor, internationales Recht zu verletzen. Das Aussenministerium in Ankara teilte mit, es verurteile den armenischen Angriff scharf. Die Türkei stehe an Aserbaidschans Seite.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Software hilft Architekten, alte Materialien wiederzuverwerten
Schweiz

Software hilft Architekten, alte Materialien wiederzuverwerten

Die Bauindustrie gilt laut der ETH Lausanne als grosse Umweltsünderin. Eine konsequente Kreislaufwirtschaft könnte ihren ökologischen Fussabdruck erheblich verkleinern. Als virtueller Berater könnte eine von einem Lausanner Doktoranden entwickelte Software fungieren.

Ermittler suchen mögliche Komplizen des Angreifers von Nizza
International

Ermittler suchen mögliche Komplizen des Angreifers von Nizza

Nach der brutalen Messerattacke in der Mittelmeer- Metropole Nizza mit drei Toten wollen Anti-Terror-Ermittler herausfinden, ob der Tatverdächtige möglicherweise von Komplizen unterstützt wurde.

Zuger Regierung spricht von
Regional

Zuger Regierung spricht von "bedrohlicher Lage"

Erstmals in der Zeit der Coronapandemie haben die Zuger Behörden am Freitag von einer "bedrohlichen Lage" gesprochen. Ob die Massnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung verschärft werden sollen, entscheidet der Regierungsrat am Dienstag.

Geberit profitiert vom Nachholbedarf nach Coronakrise
Wirtschaft

Geberit profitiert vom Nachholbedarf nach Coronakrise

Der Sanitärtechnikkonzern Geberit hat im Sommer davon profitiert, dass es nach den corona-bedingten Nachfragerückgängen vom Frühling zu Nachholeffekten gekommen ist.