Schwyzer Strafgericht befasst sich mit tödlicher Drogenparty


News Redaktion
Regional / 15.12.22 11:32

Eine 16-Jährige ist im Sommer 2020 nach dem Konsum von Drogen an einer Party in Ausserschwyz gestorben. Fünf Teilnehmer der Party haben sich deswegen am Donnerstag vor dem Schwyzer Strafgericht verantworten müssen. Ihnen drohen Freiheitsstrafen.

Eine Drogenparty endete im Kanton Schwyz mit dem Tod einer jungen Frau. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)
Eine Drogenparty endete im Kanton Schwyz mit dem Tod einer jungen Frau. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Der Hauptbeschuldigte ist ein heute 25-jähriger Mann, der unter anderem ein Morphin-Gemisch an die Party mitgebracht hatte. Mindestens 15 Personen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren waren am Fest, das am 1. August 2020 in einem Wohnhaus in Lachen stattfand. Dabei wurden laut Anklage reichlich Drogen, Medikamente und Alkohol konsumiert.

Es war der Morphin-Konsum, der der 16-Jährigen zum Verhängnis werden sollte. Die junge Frau hatte bereits Alkohol und Xanax konsumiert, bevor sie einen Schluck aus einer Pet-Flasche des Hauptbeschuldigten getrunken hatte. Darin war eine morphinhaltige Wasserlösung. Die 16-Jährige starb an einer Atemlähmung infolge Morphinüberdosis.

Die Anklage warf dem Hauptbeschuldigten vor, dass er nicht verhindert habe, dass die junge Frau sein Morphin-Gemisch konsumierte, obwohl er über die Gefahren für den Teenager habe wissen müssen. Und dass er, wie auch andere Party-Teilnehmer, keinen Rettungsdienst alarmiert habe, nachdem die schlechte Verfassung der 16-Jährigen festgestellt worden sei.

Nach dem Morphin-Konsum war die junge Frau zunächst bleich im Gesicht und wacklig auf den Beinen. Sie atmete stossweise tief ein und länger wieder nicht. Aus ihrem Mund lief Speichel. Es war am frühen Abend des 1. August, als sie sich in einer Gartenlaube hinlegte und einschlief. Laut Anklage atmete die 16-Jährige röchelnd und panikartig, sie war weder ansprech- noch weckbar. In der Nacht auf den 2. August verstarb sie.

Alle fünf Beschuldigten hätten den stundenlangen Todeskampf der 16-Jährigen wahrgenommen, sagte der Staatsanwalt vor dem Strafgericht. Man habe die Jugendliche in Seitenlage versetzt, Atmung und Puls kontrolliert. Aber niemand habe das Nötige getan und die Sanität organisiert.

Laut Anklage wollten die Jugendlichen verhindern, dass Angehörige, andere Leute oder gar die Polizei vom Drogenkonsum an dem Fest erfahren. Umso tragischer sei der Todesfall, wenn man bedenke, dass das Haus, wo das Fest stattfand, nur vier Gehminuten vom Spital Lachen entfernt sei, erklärte der Staatsanwalt.

Bei der Befragung durch das Schwyzer Strafgericht sagte der 25-jährige Mann aus der March, dass er das Morphin-Gemisch in der Pet-Flasche für seinen eigenen Konsum mitgenommen habe. Die später verstorbene junge Frau habe diese Droge ohne seine Erlaubnis eingenommen.

Als es ihr immer schlechter gegangen sei, habe man an der Party schon darüber geredet, ob man sie ins Spital bringen solle. Man sei aber unterschiedlicher Meinung gewesen, sagte der Hauptbeschuldigte. Aus heutiger Sicht sei es falsch gewesen, keine Hilfe organisiert zu haben. Niemand habe damit gerechnet, dass die 16-Jährige sterben könnte.

Gemäss Anklage hat sich der 25-Jährige schuldig gemacht der vorsätzlichen Tötung durch Unterlassen, eventuell fahrlässiger Tötung durch Unterlassen, Aussetzung und eventuell Unterlassung der Nothilfe. Angeklagt ist er auch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, eventuell versuchter schwerer Körperverletzung, weil er sein Morphin-Gemisch in der Pet-Flasche zwei weiteren Partyteilnehmern zum Konsum übergab. Dazu kommt eine Reihe anderer Delikte, die nichts mit der Party zu tun haben.

Vor Gericht forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von 9,5 Jahren, wobei der Vollzug ausgesetzt werden soll zu Gunsten einer Massnahme für junge Erwachsene in einer psychiatrischen Klinik. Der Hauptbeschuldigte befindet sich bereits dort, wo er gerade eine Winzerausbildung macht. Es gehe ihm nun gut, sagte er vor Gericht.

Für die anderen vier Beschuldigten forderte der Ankläger Freiheitsstrafen von 12 bis 36 Monaten, wobei diese teilweise bedingt ausgesprochen werden sollen. Die Vorwürfe gegen diese Personen im Alter zwischen 21 und 46 Jahren lauten Aussetzung und Unterlassung der Nothilfe.

Der Prozess am Strafgericht wird am Freitag mit den Plädoyers der Verteidiger fortgesetzt. Die Urteile erfolgen zu einem späteren Zeitpunkt.

(sda)


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