Sechs Polizisten im "Fall Mike" wegen fahrlässiger Tötung angeklagt


News Redaktion
Schweiz / 20.01.23 16:40

Im Fall des bei einer Festnahme verstorbenen Drogendealers Mike müssen sich sechs Lausanner Polizisten im Juni vor der Waadtländer Justiz verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die Beamten wegen fahrlässigen Tötung eingereicht.

Eine Kundgebung gegen Polizeigewalt im Oktober 2020 in Lausanne forderte Gerechtigkeit für Mike. (Archivbild) (FOTO: Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)
Eine Kundgebung gegen Polizeigewalt im Oktober 2020 in Lausanne forderte Gerechtigkeit für Mike. (Archivbild) (FOTO: Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

Der Waadtländer Generalstaatsanwalt Eric Kaltenrieder bestätigte am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA eine Meldung der Zeitung "24 heures". Der 40-jährige Nigerianer war 2018 bei einer Aktion der Polizei gegen den Drogenhandel an einem Herzstillstand gestorben. Mike widersetzte sich den Polizeibeamten. Er wurde überwältigt, mit Handschellen gefesselt und brach daraufhin zusammen.

Er starb am nächsten Tag, nachdem er vor Ort notversorgt und anschliessend ins Universitätsspital Chuv in Lausanne gebracht worden war. Die Polizei gab an, dass sie nach seinem Zusammenbruch Kokainkügelchen neben seinem Gesicht und in seinem Mund gefunden habe.

Eine Autopsie ergab, dass er einen Herzstillstand erlitten hatte, weshalb eine Überdosis ausgeschlossen wurde. Die Obduktion ergab ausserdem, dass der Nigerianer kein Kokain in seinem Blut hatte.

Laut der Anwältin eines der sechs Polizisten werden die Angeklagten auf Freispruch plädieren. "Zwei gerichtsmedizinische Gutachten sind zu dem Schluss gekommen, dass es unmöglich ist zu beweisen, dass der Polizeieinsatz die Ursache für den Tod war", sagte die Verteidigerin Odile Pelet der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage.

Der Fall hatte in der Romandie für grosses Aufsehen gesorgt und Bestürzung ausgelöst. In den Strassen von Lausanne fanden mehrere Demonstrationen statt. Aktivisten forderten Gerechtigkeit für Mike und prangerten Rassismus und Polizeigewalt an.

(sda)


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