Solviva AG steigt aus - Alternative für Spital Wattwil in Sicht


News Redaktion
Schweiz / 20.07.21 10:04

Die von der St. Galler Regierung unterstützten Pläne der Solviva AG für das Spital in Wattwil werden nicht realisiert. Der Grund sei der Widerstand der Gemeinde, teilte der Kanton mit. Dort sieht man dies anders und hat mit der Berit Klinik eine Nachfolgelösung im Blick.

Am Dienstag wurde bekannt, dass sich die Solviva AG mit ihrem Projekt für das Spital Wattwil zurückziehen wird. Laut Gemeinde Wattwil steht aber bereits eine Alternativlösung bereit. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)
Am Dienstag wurde bekannt, dass sich die Solviva AG mit ihrem Projekt für das Spital Wattwil zurückziehen wird. Laut Gemeinde Wattwil steht aber bereits eine Alternativlösung bereit. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)

Nach der kantonalen Abstimmung am 13. Juni war klar, dass in Wattwil kein öffentliches Spital mehr betrieben werden kann. Damit schien die Zukunft für das Spitalgebäude vorgezeichnet: Die Solviva AG würde die Liegenschaft für rund 10 Millionen Franken übernehmen und sie zu einem Zentrum für spezialisierte Pflege umbauen.

Nicht geklärt war dabei allerdings die Frage nach dem vertraglich abgemachten Rückkaufsrecht des Spitals durch die Gemeinde Wattwil. Dazu liefen in den letzten Wochen Gespräche.

Nun liegt dazu ein überraschendes Ergebnis vor: Am Dienstag teilten der Kanton St. Gallen und die Solviva AG in einem gemeinsamen Communiqué mit, dass die Pläne aufgegeben würden und sich die Solviva AG zurückziehe. Der Grund sei die fehlende politische Unterstützung der Standortgemeinde.

In den Gesprächen sei Wattwil unter anderem angeboten worden, das Grundstück zu kaufen, informierte der Kanton. Danach hätte es die Gemeinde der Solviva AG im Baurecht übergeben müssen. Damit sei der Gemeinderat nicht einverstanden gewesen. Bedingung der Solviva AG sei aber, dass sie Eigentümerin der Liegenschaft sei. Nach dem Scheitern der Pläne könne nun Wattwil die Liegenschaft übernehmen. Es sei nun am Gemeinderat, eine Nachfolgelösung zu präsentieren.

Kurz nach dem Communiqué des Kantons reagierte am Dienstagvormittag die Gemeinde Wattwil mit einer Mitteilung und einer anderen Schilderung des Ablaufs. Der Gemeinderat habe am letzten Freitag der Regierung seine zustimmende Haltung zum Nachfolgekonzept und explizit auch zur Solviva AG schriftlich bestätigt, heisst es darin. Der plötzliche Rückzug der Solviva AG und die Einstellung des Projekts sind für den Gemeinderat unverständlich.

Man habe erwartet, dass es nach den Sommerferien auf der Basis des Schreibens nochmals Gespräche geben werde, sagte der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner. Die Idee des Gemeinderats sei es gewesen, das Projekt mit zusätzlichen Parteien zu stärken und die Inhalte der Angebote zu klären.

Gesundheitschef Bruno Damann (CVP) zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA verwundert, wie man ein Einverständnis der Gemeinde aus dem Schreiben herauslesen könne. Und ich kann Deutsch, sagte er. Erstaunt sei er auch, dass die Gemeinde Wattwil hinter dem Rücken der Beteiligten mit der Berit Klinik verhandelt habe. Davon wussten wir nichts.

Dies ist nämlich die andere Neuigkeit aus Wattwil: Der Gemeinderat hat laut Mitteilung mit der Berit Klinik Gruppe eine Absichtserklärung abgeschlossen. Das Unternehmen wolle in Wattwil ein medizinisches Zentrum mit ambulanter Tagesklinik sowie allenfalls weiteren Leistungselementen für die regionale Bevölkerung anbieten.

Die private Berit Gruppe führt Kliniken in Speicher AR und Niederteufen AR sowie ein Ärztezentrum in Arbon TG und ist spezialisiert auf die Fachgebiete Orthopädie, Wirbelsäulenchirurgie und Rehabilitation. 2020 übernahm sie die Klinik St. Georg in Goldach SG.

Er sei nicht gegen das Engagement der Berit Klinik, versicherte Damann. Zuerst müssten nun aber die gegenseitigen Vorstellungen geklärt werden. Nach den Sommerferien werde deshalb möglichst rasch ein Gespräch mit allen Beteiligten stattfinden. Ein zentrales Thema sei dabei die Notfallversorgung im Toggenburg. Es wäre für ihn auch eine Lösung, wenn dies die Berit Klinik übernehmen würde, erklärte der Gesundheitschef.

(sda)


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