Sorgen wegen neuer Corona-Variante im Süden Afrikas


News Redaktion
International / 26.11.21 08:39

Die Ausbreitung einer neuen möglicherweise gefährlicheren Variante des Coronavirus im südlichen Afrika hat international Besorgnis ausgelöst. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen hoch ansteckend sein könnte und zudem den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte. Grossbritannien und Israel schränkten deswegen vorsorglich den Flugverkehr in die Staaten der Region ein. Der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) rechnet damit, dass auch in Deutschland "in Kürze" der Flugverkehr ins südliche Afrika unterbrochen werden muss.

ARCHIV - Ein Covid-Patient wird in Pretoria mit Sauerstoff behandelt. Foto: Jerome Delay/AP/dpa (FOTO: Keystone/AP/Jerome Delay)
ARCHIV - Ein Covid-Patient wird in Pretoria mit Sauerstoff behandelt. Foto: Jerome Delay/AP/dpa (FOTO: Keystone/AP/Jerome Delay)

Das südafrikanische Institut für Ansteckende Krankheiten NICD teilte am Donnerstag mit, es seien in Südafrika 22 Fälle der neuen Variante B.1.1.529 nachgewiesen worden. Mit mehr Fällen sei im Zuge der laufenden Genomanalysen zu rechnen. Obwohl die Datenlage noch beschränkt ist, machen unsere Experten mit allen Überwachungssystemen Überstunden, um die neue Variante und die damit möglicherweise verbundenen Implikationen zu verstehen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO untersucht bereits, ob B.1.1.529 als besorgniserregend eingestuft werden muss. Das sagte WHO-Expertin Maria van Kerkhove in einem Briefing. Es werde dabei auch untersucht, inwieweit die Variante Folgen für die Diagnostik, Therapien und die Impfkampagnen habe.

Die WHO hat für die unterschiedlichen Corona-Variante mehrere Kategorien. Eine davon ist die Kategorie Variant of Concern, auf deutsch besorgniserregende Variante. Eine der Variants of Concern ist etwa die derzeit in Deutschland vorherrschende Delta-Variante des Coronavirus. Zu den Merkmalen einer solchen Variante kann etwa gehören, dass sie nachgewiesenermassen die Übertragbarkeit des Coronavirus erhöht hat.

Die Wissenschaftler sind alle hoch alarmiert, sagte Kanzleramtsminister Braun am Freitagmorgen im ARD-Morgenmagazin. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb auf Twitter: Wir müssen Zeit gewinnen. Nichts ist schlimmer als eine neue Variante in eine laufende Welle hinein. Wenn vorläufige Daten sich als korrekt herausstellten, müssen sofort Reisebeschränkungen erfolgen. Der designierte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) verwies bei Massnahmen gegen die neue Coronavirus-Variante auf die geschäftsführende Regierung von Angela Merkel (CDU). Er empfehle aber auch Massnahmen im Flugverkehr, sagte Wissing im Deutschlandfunk.

Südafrikas Gesundheitsminister Joe Phaahla erklärte, die neue Variante bestätige die Tatsache, dass dieser unsichtbare Feind sehr unvorhersehbar ist. Er rief die Südafrikaner auf, Masken zu tragen, Abstand zu halten und insbesondere sich impfen zu lassen. Wir haben auch das zusätzliche Mittel der Impfungen, das uns helfen wird, schwere Erkrankungen zu vermeiden, einschliesslich dass wir in Klinik enden oder sogar dem Virus zum Opfer fallen, sagte er.

Israel hat inzwischen die Länder Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini als rote Länder eingestuft. Ausländer dürften aus diesen Ländern nicht mehr nach Israel einreisen, teilte das Büro des Ministerpräsidenten Naftali Bennett mit. Israelis müssen bei einer Heimkehr aus diesen Ländern für bis zu 14 Tage in Quarantäne in ein Corona-Hotel, können sich aber nach einer Woche mit zwei negativen PCR-Tests freitesten. Man werde die neue Variante genau beobachten, um eine Ausbreitung in Israel zu verhindern, hiess es.

Die britische Regierung schränkt wegen der neuen Virusvariante den Flugverkehr aus Südafrika, Lesotho, Botsuana, Simbabwe, Eswatini und Namibia ein. Zudem gelte für Ankommende eine strenge Pflicht zur Hotelquarantäne, teilte Gesundheitsminister Sajid Javid mit. Es gebe Hinweise darauf, dass B.1.1.529 noch ansteckender sei als die Delta-Variante und dass die verfügbaren Impfstoffe weniger wirksam seien. Der Flugverkehr aus den sechs Ländern solle von Freitagmittag an eingestellt werden.

Bislang wurden in Grossbritannien keine Fälle mit der neuen Variante festgestellt, die etwa 30 Mutationen aufweisen soll. Doch täglich kommen laut der Nachrichtenagentur PA 500 bis 700 Menschen allein aus Südafrika in dem Land an. Über die Weihnachtszeit wird mit einer höheren Zahl gerechnet. PA zitierte einen Experten der britischen Behörde für Sicherheit im Gesundheitswesen mit der Einschätzung, bei B.1.1.529 handele es sich um die schlimmste Variante, die bisher gesehen wurde. Bislang gebe es nur bestätigte Fälle in Südafrika, Botsuana und Hongkong.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Unbekannte zünden in Frauenfeld Auto an
Schweiz

Unbekannte zünden in Frauenfeld Auto an

Unbekannte haben in der Nacht auf Mittwoch in Frauenfeld ein parkiertes Auto angezündet. Eine Passantin bemerkte den Brand kurz nach drei Uhr und verständigte den Besitzer des Wagens. Dieser konnte die Flammen mit einem Feuerlöscher löschen.

Wegen Missbrauchsskandals: Die Heimat wendet sich gegen Prinz Andrew
International

Wegen Missbrauchsskandals: Die Heimat wendet sich gegen Prinz Andrew

Selbst die Queen rückt von ihrem Lieblingssohn ab, die Stadt York will von ihrem Titelträger nichts mehr wissen: Prinz Andrew schlägt wegen der Missbrauchsvorwürfe in den USA auch in der Heimat immer mehr Kritik entgegen.

St. Galler Regierung will bei der Augarten-Kreuzung einen Neustart
Schweiz

St. Galler Regierung will bei der Augarten-Kreuzung einen Neustart

Im April 2021 hat der St. Galler Kantonsrat in einer Abstimmung ein fertiges Umbauprojekt für den Knoten Augarten in Uzwil beerdigt. Nun wird in einem Vorstoss der Mitte-EVP-Fraktion ein Neustart vorgeschlagen. Die Regierung ist dafür.

Zürich soll sich als Austragungsort für Frauen-EM bewerben
Schweiz

Zürich soll sich als Austragungsort für Frauen-EM bewerben

Gleich zwei Postulate aus dem Zürcher Gemeinderat wollen erreichen, dass sich die Stadt Zürich als Austragungsort für die Frauenfussball-Europameisterschaft 2025 bewirbt. Beide Postulate sind am Mittwoch ohne Diskussion an den Stadtrat überwiesen worden.