Winterthurer Stadtpolizei soll Führungskultur ändern


News Redaktion
Schweiz / 25.11.22 13:23

Der Winterthurer Stadtrat will bei der Stadtpolizei einen Kulturwandel einleiten. Ein Untersuchungsbericht, den die Stadt nach zwei Suiziden von Polizisten in Auftrag gab, hat Mängel in der Führungskultur der Stadtpolizei geortet.

Der Winterthurer Stadtrat informiert am Freitagnachmittag über die Ergebnisse einer Administrativuntersuchung bei der Stadtpolizei. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)
Der Winterthurer Stadtrat informiert am Freitagnachmittag über die Ergebnisse einer Administrativuntersuchung bei der Stadtpolizei. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

"Der Kulturwandel bei der Stadtpolizei ist von zentraler Bedeutung. Erste Schritte dazu wurden bereits eingeleitet", sagte die zuständige Stadträtin Katrin Cometta (GLP) am Freitag bei der Präsentation der Untersuchungsergebnisse.

Der von einer Anwaltskanzlei angefertigte Bericht kritisiert gravierende Mängel in der Führung der Stadtpolizei. Das Führungsverständnis habe auf Befehl und Gehorsam und einem rigiden Loyalitätsverständnis beruht. Kritik an Vorgesetzten oder der Gesamtorganisation sei unerwünscht gewesen.

Die Situation eskalierte gemäss Bericht, als das rigide Führungsverständnis auf die Quartierpolizei ausgedehnt werden sollte, bei der die Mitarbeitenden bislang relativ grosse Freiheiten hatten.

Der erste Suizid eines Angestellten der Stadtpolizei ereignete sich im Juli 2021. Der Angestellte der Quartierpolizei war laut Stadtpräsident Michael Künzle (Mitte) zuvor drei Monate krankgeschrieben, nachdem gegen ihn ein Personalverfahren eröffnet wurde.

Der zweite Polizist beging im Februar 2022 im Gebäude der Stadtpolizei Suizid. Er wurde wenige Wochen zuvor - mit seinem Einverständnis - von der Quartierpolizei in den Schalterdienst versetzt.

Im Februar 2022 gab der Stadtrat die Administrativuntersuchung in Auftrag, um herauszufinden, ob es bei der Polizei zu Verfehlungen kam. "Es ging nicht darum, herauszufinden, warum die beiden Polizisten Suizid begangen haben", sagte Künzle.

Die Untersuchung hat laut Künzle jedoch ergeben, dass es keine personalrechtlichen oder strafrechtlichen Verfehlungen gegeben habe.

Der frühere Kommandant trat per Ende März 2022 zurück - aus gesundheitlichen Gründen, wie der Stadtrat damals mitteilte. Sein Nachfolger wird die Stelle im Februar 2023 antreten. In der Zwischenzeit führt der stellvertretende Kommandant die Stadtpolizei. Der neue Kommandant soll laut Cometta eine tragende Rolle bei der Etablierung einer neuen Führungskultur spielen.

Der Untersuchungsbericht wird laut Künzle nicht herausgegeben. "Wir müssen die Leute schützen, die im Rahmen der Untersuchung Auskunft gegeben haben", sagte der Stadtpräsident. Auch die zuständige Kommission des Stadtparlaments erhält den Bericht nicht. Man habe die Mitglieder der Kommission jedoch informiert.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Swiss Re spaltet Rückversicherung in zwei Teile auf
Wirtschaft

Swiss Re spaltet Rückversicherung in zwei Teile auf

Die Swiss Re spaltet die grösste Sparte Rückversicherung in zwei Teile auf. Für das Sach- und Haftpflichtgeschäft bildet sie neu die Einheit Property & Casualty Reinsurance und für das Lebengeschäft die Einheit Life & Health Reinsurance.

Massenprotest und Streik gegen geplante Rentenreform in Frankreich
International

Massenprotest und Streik gegen geplante Rentenreform in Frankreich

In zahlreichen französischen Städten sind Menschen erneut gegen die Rentenreformpläne der Regierung von Präsident Emmanuel Macron auf die Strasse gegangen.

Apple, Amazon und Alphabet enttäuschen Börse mit Quartalszahlen
Wirtschaft

Apple, Amazon und Alphabet enttäuschen Börse mit Quartalszahlen

Die Tech-Riesen haben am Online-Boom in der Corona-Pandemie glänzend verdient. Doch inzwischen zeigen sich auch in ihrem Geschäft Schwächen. Das vergangene Quartal verlief für Apple, Amazon und die Google-Mutter Alphabet nicht optimal - aus verschiedenen Gründen.

Ausserrhoder Regierung schlägt drei bis fünf Gemeinden vor
Schweiz

Ausserrhoder Regierung schlägt drei bis fünf Gemeinden vor

Der Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden hat seinen Gegenvorschlag zur Volksinitiative "Starke Ausserrhoder Gemeinden" angepasst. Er will die bestehenden zwanzig Gemeinden durch Fusionen neu auf noch drei bis fünf reduzieren.