Engelberg über Strasse wieder erreichbar - Zahlreiche Evakuationen


News Redaktion
Regional / 10.07.21 23:27

Nach den heftigen Niederschlägen am späten Samstagabend ist Engelberg seit Sonntagmorgen um 9 Uhr wieder auf der Strasse erreichbar. In Wolfenschiessen NW kam es zu zahlreichen Evakuationen wegen des Unwetters. Die Bahnlinie bleibt den ganzen Sonntag unterbrochen.

Vorerst kein Durchkommen mehr mit der Bahn: die verschüttete Eisenbahnlinie der Zentralbahn zwischen Wolfenschiessen und Engelberg. (Bild: Urs Flüeler) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Vorerst kein Durchkommen mehr mit der Bahn: die verschüttete Eisenbahnlinie der Zentralbahn zwischen Wolfenschiessen und Engelberg. (Bild: Urs Flüeler) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Der Eltschenbach war im Bereich Parketterie in Wolfenschiessen über die Ufer getreten und deckte die Kantonsstrasse in Richtung Engelberg mit Geröll, Schutt und Kies zu, wie die Kantonspolizei Nidwalden am Sonntagmorgen mitteilte. Um 21 Uhr habe man die Kantonsstrasse zwischen Wolfenschiessen und Engelberg sowie die Kantonsstrasse zwischen Wolfenschiessen und Grafenort OW komplett schliessen müssen.

Am Sonntagmorgen um 9 Uhr konnte eine notfallmässige Verkehrsverbindung zwischen Wolfenschiessen und Engelberg geöffnet werden, sie der Kanton Nidwalden auf Twitter mitteilte. Die Verbindung erfolgt über eine Umfahrungsstrasse. Der Verkehr wird wechselseitig geführt und ist auf Fahrzeuge bis maximal 3,5 Tonnen beschränkt.

Die Strasse zwischen Wolfenschiessen und Oberrickenbach konnte laut Polizeiangaben bereits am Sonntagmorgen um 6.30 Uhr wieder geöffnet werden.

Die Zugverbindung blieb den ganzen Sonntag unterbrochen, wie es auf der Webseite der Zentralbahn hiess. Das Trassee der Zentralbahn war unterspült worden. Die Aufräumarbeiten dauerten an. Es verkehrten auch keine Ersatzbusse, solange die Strassenverbindung unterbrochen blieb.

Dutzende Personen mussten in der Nacht in Wolfenschiessen aus ihren Wohnungen in eine Zivilschutzanlage evakuiert werden. In Oberrickenbach musste auch ein Pfadilager mit 44 Personen für eine Nacht in eine Zivilschutzanlage untergebracht werden.

Feuerwehr, Zivilschutz und die Polizei standen im Dauereinsatz. Die Engelberger Aa trat glücklicherweise knapp nicht über die Ufer, wie die Kantonspolizei Nidwalden schrieb. In der Region Oberrickenbach seien noch verschiedene Wanderwege durch Erdrutsche verschüttet und nicht passierbar.

Der Pegelstand des Vierwaldstättersees ist laut Angaben der Kantonspolizei ebenfalls hoch. Die Seegemeinden beobachteten die Lage und hielten sich für geeignete Massnahmen bereit.

Auch die Kantone Schwyz und Glarus wurden durch das heftige Gewitter mit Starkregen in Mitleidenschaft gezogen. Bei der Kantonspolizei Schwyz gingen bis Mitternacht rund zwei Dutzend Meldungen wegen Wassereinbrüchen in Häuser und überfluteten Strassen ein, wie sie am Sonntagmorgen mitteilte.

Stark getroffen wurden die Gemeinden Lauerz, Steinen und Goldau. Die Strasse zwischen Lauerz und Seewen war bis am Sonntagmorgen um 7 Uhr gesperrt. In Steinerberg wurde ein Jungwachtlager in eine Zivilschutzanlage evakuiert, wie es in der Mitteilung hiess.

Im Kanton Glarus blieb es laut Angaben der Kantonspolizei insgesamt ruhig. In einem Fall habe die Feuerwehr einen Keller auspumpen müssen.

Heikel bleibt die Situation im Kanton Bern. Die heftigen Regenfälle im Berner Oberland dürfte den bereits randvollen Thunersee weiter gefüllt haben. Am Sonntagmorgen gegen 06.30 Uhr war die Situation unverändert gegenüber Mitternacht, wie die Sprecherin von Schutz und Rettung Bern, Carina Grossenbacher, auf Anfrage sagte.

Für eine gewisse Entspannung sorgte die Tatsache, dass die technischen Probleme beim Hochwasser-Entlastungsstollen in Thun behoben werden konnten. Die Regulierung funktioniere nun wieder. Die Wassermenge in der Aare in Kubikmeter pro Sekunde sank dadurch von 410 am Nachmittag auf 380. Dieser Stand galt auch am Sonntagmorgen.

Die Schifffahrt auf dem Thunersee wurde gemäss Angaben der Bahninformation der SBB und der BLS am Sonntag trotzdem wegen Hochwassers für den ganzen Tag eingestellt. Auf dem Brienzersee dagegen verkehren die Schiffe.

Laut SRF Meteo regnete es während der Nacht auf Sonntag in vielen Regionen der Schweiz ergiebig. So betrug die Niederschlagsmenge in Gersau SZ innerhalb eines Tages 70,3 Millimeter. In Salez SG waren es 43,2 Millimeter, in Sattel SZ 42,3 Millimeter, in Bellelay im Berner Jura 41,3 Millimeter, in Engelberg OW 37,4 Millimeter und in Meiringen BE 37,0 Millimeter.

Gemäss einer Aufstellung des Wetterdienstes Meteonews sind bis Mitternacht über 7500 Blitzentladungen registriert worden, die meisten davon im Kanton St. Gallen. Die stärksten Windböen im Flachland wurden in Mühleberg-Stockeren BE (86 km/h), Visp VS (82 km/h), Schaffhausen (75 km/h) und Sitten (74 km/h) gemessen.

(sda)


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