Streit wegen Verkürzung des WM-Rhythmus spitzt sich zu


News Redaktion
Sport / 20.10.21 17:45

Der Streit um eine Verkürzung des WM-Rhythmus auf zwei Jahre nimmt zu. Sogar ein Austritt aus der FIFA liegt auf dem Tisch.

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat noch viel Überzeugungsarbeit vor sich, wenn er seine Pläne einer WM im Zweijahres-Rhythmus durchbringen will (FOTO: KEYSTONE/EPA/Miguel Gutierrez)
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat noch viel Überzeugungsarbeit vor sich, wenn er seine Pläne einer WM im Zweijahres-Rhythmus durchbringen will (FOTO: KEYSTONE/EPA/Miguel Gutierrez)

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino am Dienstag bei zahlreichen europäischen Verbandschefs für die Reform des internationalen Spielkalenders der Männer ab 2024 geworben - und war dabei auf vehementen Widerstand gestossen.

Wie Infantino am Mittwoch nach einer Sitzung des FIFA-Councils bekanntgab, wird es am 20. Dezember ein ausserordentliches Treffen der Mitgliedsverbände geben. Ich bin überzeugt, dass wir etwas erarbeiten können, was sinnvoll erscheint und mit dem alle leben können. Wir müssen einen gemeinsamen Nenner finden, sagte er. Ob an dem Tag weitere Beratungen anstehen oder es zu einer Abstimmung kommt, ist laut Infantino noch offen.

Eine mögliche Weltmeisterschaft im Zwei-Jahres-Rhythmus wird derzeit kontrovers diskutiert, die Kontinentalverbände Europas und Südamerikas lehnen dies kategorisch ab. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin drohte mit Boykott aus Europa.

Insgesamt haben die europäischen Verbände sehr deutlich gemacht, dass sie geschlossen gegen die FIFA-Pläne stehen. Der FIFA wurden zahlreiche Argumente gegen die Pläne vorgelegt, teilte der Deutsche Fussball-Bund (DFB) auf dpa-Anfrage mit. Unser Eindruck war, dass der FIFA-Präsident sehr nachdenklich wirkte und verstanden hat, warum es keinen Sinn macht, so vorzugehen.

Ungeachtet dessen wollte das FIFA-Council bei seiner Sitzung am Mittwoch die nächsten Schritte für die von Infantino angestrebte Reform mit einer Verkürzung des WM-Rhythmus von vier auf zwei Jahre festlegen. Die FIFA und ihr Präsident hatten angekündigt, bis zum Jahresende Klarheit dafür haben zu wollen. Dazu könnte es ein ausserordentliches Treffen der FIFA-Mitgliedsverbände im Dezember geben.

Eine Abstimmung über die Pläne noch in diesem Jahr solle unbedingt verhindert werden, erklärte der DFB, dessen Interimspräsident Peter Peters im FIFA-Council sitzt. In dem erbittert geführten Streit setzt der deutsche Verband auf eine gemeinsame von FIFA und UEFA erarbeitete einvernehmliche Lösung beim internationalen Spielkalender. Der DFB antwortete auf die Frage, ob der Austritt aus dem Weltverband FIFA eine Option sei: Der DFB ist in enger Abstimmung mit der UEFA und den anderen Verbänden.

Im schlimmsten Fall und als letzte Option kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Verbände aus Protest und mangelndem Verlangen nach dem neuen Aufbau aus der FIFA austreten, sagte der dänische Verbandschef Jesper Möller, der auch Mitglied der UEFA-Exekutive ist.

Der Schweizerische Fussballverband will sich erst zur Situation äussern, sobald sowohl von Seiten der FIFA als auch der UEFA alle Fakten auf dem Tisch liegen.

Bei dem Treffen mit europäischen Vertretern habe Infantino die Idee für eine WM alle zwei Jahre auch damit begründet, dass die Aufmerksamkeit junger Menschen durch andere Aktivitäten vom Fussball abgelenkt werde, hiess es bei AP. Der Walliser habe appelliert, gemeinsam Wege zur weiteren Entwicklung des Fussballs zu finden. Angesichts des grossen Widerstandes gegen die Pläne vor allem aus Europa habe Infantino gemahnt, alle Meinungen zu respektieren.

(sda)


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