Studie: Chloroquin erhöht Sterblichkeitsrate bei Covid-19-Patienten


News Redaktion
Schweiz / 22.05.20 18:40

Erst kürzlich hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, dass er das Malariamittel Hydroxychloroquin zur Vorbeugung gegen Covid-19 einnehme. Nun zeigt eine weltweite Studie mit 96'000 Covid-19-Patienten, dass das Medikament die Sterblichkeitsrate deutlich erhöht.

Chloroquin - vom brasilianische Gesundheitsministerium (im Bild ein Spital in Marica) und US-Präsident Trump empfohlen. Eine Studie allerdings warnt nun vor erhöhter Sterblichkeit bei Covid-19-Ansteckung. (FOTO: KEYSTONE/AP/Leo Correa)
Chloroquin - vom brasilianische Gesundheitsministerium (im Bild ein Spital in Marica) und US-Präsident Trump empfohlen. Eine Studie allerdings warnt nun vor erhöhter Sterblichkeit bei Covid-19-Ansteckung. (FOTO: KEYSTONE/AP/Leo Correa)

Die beiden Malariamedikamente Hydroxychloroquin und Chloroquin hätten bei Patientinnen und Patienten, die mit Covid-19 hospitalisiert wurden, keinen Nutzen gezeigt, sagte Mandeep Mehra, der Chef des Center for Andvanced Heart Disease der Universität Harvard in Boston, gemäss einer Mitteilung des Universitätsspitals Zürich vom Freitag.

Im Gegenteil: Die Daten wiesen auf ein erhöhtes Sterberisiko hin. So verstarben 11,1 Prozent der Patienten, die mit einem der beiden Medikamente behandelt worden waren, im Spital. Bei einem Vergleich mit einer Kontrollgruppe unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Risikofaktoren lag die Sterblichkeitsrate bei 9,3 Prozent.

Ausserdem hätten sie ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen bei Covid-19-Patienten beobachtet, die mit einem der beiden Medikamente behandelt wurden, insbesondere bei Patienten mit Herzerkrankungen. So erfuhren zwischen vier und acht Prozent der mit den Malariamitteln behandelten Patienten eine neue Herzrhythmusstörung, verglichen mit 0,3 Prozent bei der Kontrollgruppe.

Für die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin und Chloroquin gebe es demnach keine wissenschaftlichen Belege, sagte Frank Ruschitzka, Leiter Kardiologie am Herzzentrum der Universität Zürich. Die beiden Mittel sollten deshalb bei Covid-19 nicht mehr eingesetzt werden, bevor Ergebnisse von weiteren Studien vorlägen.

Das Forschungsteam der Harvard Medical School wertete in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Kardiologie am Herzzentrum des Universitätsspitals Zürich die weltweite Beobachtungsstudie bei 96000 Covid-19-Patienten in 671 Spitälern auf der ganzen Welt aus. Knapp 15000 von ihnen waren mit einem der Malariamedikamente schon früh nach Ausbruch der Krankheit behandelt worden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht.

In der Schweiz nehmen zur Zeit 17 Spitäler an einer weltweiten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) teil, bei der unter anderem auch die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin getestet wird.

(sda)


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