Studie: Online löst TV als meinungsmächtigste Mediengattung ab


News Redaktion
Schweiz / 06.12.22 10:45

Online-Medien haben 2021 laut einer Studie in der Schweiz erstmals das TV als meinungsmächtigste Mediengattung abgelöst. Print rutschte in der Bedeutung ab. An Einfluss verloren grosse Marken wie "20 Minuten" und Radio und Fernsehen SRF zugunsten von kleinen Titeln.

Das Handy zeigt die App des Internetportals Watson in der Redaktion der Westschweizer Ausgabe in Lausanne. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)
Das Handy zeigt die App des Internetportals Watson in der Redaktion der Westschweizer Ausgabe in Lausanne. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

Bei der Bedeutung für die Meinungsbildung rutschten Print-Titel noch hinter Radio und Social Media ans Ende des Gattungsrankings ab, wie wie es in dem am Dienstag veröffentlichten Medienmonitor Schweiz 2021 hiess. Die Untersuchung von Publicom im Auftrag des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) soll messen, wie es in der Schweiz um die Medienvielfalt und die Möglichkeit für eine freie Meinungsbildung steht.

Die jüngste Ausgabe kommt zum Schluss, dass Online im Vergleich zum Vorjahr hinsichtlich Meinungsmacht deutlich profitieren konnte. Neben einem Ausbau der Berechnungsgrundlage machten die Studienautorinnen und -autoren aber Zunahmen auf Kosten traditioneller Verbreitungskanäle aus. Einerseits geschehe dies innerhalb ein und derselben Medienmarke, indem diese stärker online statt in Print genutzt werde. Dies sei vor allem bei regionalen Medienmarken zu beobachten.

Andererseits gehörten reine Onlinemarken zu den grössten Profiteuren, hiess es in dem 204-seitigen Bericht. Insbesondere Watson.ch aber auch die untersuchten Newsangebote der SRG, während deren TV- und Radio-Marken meist rückläufig waren.

Im Zuge dieser Entwicklungen musste die Mehrzahl der national oder sprachregional grössten Reichweitenmarken 2021 Einbussen bei der Meinungsmacht hinnehmen. Dazu zählten etwa "20 Minuten" (national -4 Prozent), SRF 1 (-9 Prozent), Radio SRF 1 (-7 Prozent), Blick (-21 Prozent), RTS 1 (-8 Prozent) oder La 1ère (-8 Prozent).

Die Studie im Auftrag des Bundes wertete dies als "grundsätzlich erfreulich" für die Meinungsvielfalt. Die grössten Angebote würden zugunsten von kleineren an Bedeutung verlieren. Unter dem Strich bilanzierte die Studie, dass die Voraussetzungen für eine ausgewogene Meinungsbildung in der Bevölkerung gegeben seien.

Neben dem Online-Boom zeigte die Untersuchung auch eine anhaltende überdurchschnittliche Mediennutzung insgesamt. Zwar ging im letzten Jahr ein kleiner Teil des Anstiegs an Reichweite und Meinungsmacht aus dem Corona-Jahr 2020 wieder verloren. Verglichen mit den Jahren vor der Pandemie nahmen die beiden Werte aber nach wie vor zu.

Der Medienmonitor beobachtete eine weitere Zunahme des Alters im Publikum vieler etablierter Medienmarken. Besonders stark davon betroffen sind das Fernsehen und die SRG. Social Media und vor allem Instagram genoss wieder vermehrt die Gunst des jungen Publikums in der lateinischen Schweiz. Online legte vor allem in den mittleren und älteren Segmenten der Deutschschweiz zu.

Der Medienmonitor untersuchte zum fünften Mal die Leistungen der Medien für die Meinungsbildung in der Schweiz. Laut dem Bund ist für das Funktionieren von Demokratien eine ausgewogene Meinungsbildung der Bevölkerung essenziell. Dabei erfüllen die Medien als Plattform für Inhalte und Meinungen eine wesentliche Rolle.

Die Studie dokumentierte Kräfteverhältnisse und unternehmerische Verflechtungen im Medienmarkt und berücksichtigte unter anderem 172 Schweizer Medienmarken und 10 Konzerne. Eingeflossen sind auch eine Online-Befragung mit 4700 Personen sowie Branchenstudien.

(sda)


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