Studierende wehren sich gegen Disziplinarverordnung der Uni Zürich


News Redaktion
Schweiz / 13.07.20 14:00

Studierende laufen Sturm gegen die neue Disziplinarverordnung der Universität Zürich (UZH). Diese sieht unter anderem gemeinnützige Arbeit und Geldstrafen von bis zu 4000 Franken vor. Ein Bündnis verschiedener studentischer Organisationen hat am Montag Einsprache gegen die Verordnung eingelegt.

Studierende wehren sich gegen die neue Disziplinarverordnung der Universität Zürich. (FOTO: kriPo)
Studierende wehren sich gegen die neue Disziplinarverordnung der Universität Zürich. (FOTO: kriPo)

Vergehen wie das Herstellen eines Plagiats, die Störung des universitären Betriebs und allgemeine Verstösse gegen Vorschriften sollen neu auch mit gemeinnütziger Arbeit und Geldleistungen geahndet werden. Bislang gab es dafür nur schriftliche Verweise und Suspendierungen.

Der Verband der Studierenden der Universität Zürich (VSUZH) ist der Ansicht, dass die Einwände der studentischen Stimmen bei der Revision der Disziplinarverordnung in wesentlichen Punkten nicht berücksichtigt worden seien. Einer Disziplinarstrafe von bis zu 4000 Franken fehle es an einer hinreichenden gesetzlichen Grundlage, schreibt der Verband in einer Mitteilung.

Das monatliche Medianeinkommen von Studierenden betrage rund 2000 Franken, ein Viertel der Studierenden verfüge über ein Einkommen von höchstens 1500 Franken. Die vorgesehene Massnahme würde daher die wirtschaftliche Lage von Studierenden massiv bedrohen.

Die Studierenden wollen im Zuge der Einsprache eine breiter angelegte Debatte anstossen, nachdem bei der Ausarbeitung der Verordnung die Position der Studierenden kaum berücksichtigt wurde, wie das Bündnis gegen Disziplin mitteilte. Darin sind etwa das feministische Hochschulkollektiv, der Klimastreik an den Hochschulen und die kritischen Jurist*innen Zürich vertreten.

Das Bündnis fordert den Rückzug der neuen Verordnung, eine transparente Revision, welche die Stimme der Studierendenschaft umfassend miteinbezieht und das Ende von repressiven Massnahmen gegenüber Studierenden. Begleitet wurde die Einreichung des Rekurses durch eine Transparentaktion.

Auch die SP-Kantonsratsfraktion hat sich bereits mit der Revision der Disziplinarverordnung beschäftigt und einen offenen Brief an den Universitätsrat verfasst. Unter anderem kritisiert sie, dass wohlhabende Studierende sich freikaufen könnten, was überspitzt formuliert zu einer Zweiklassenjustiz führe, welche der Universität Zürich nicht würdig sei.

Der Universitätsrat hat die neue Verordnung am 25. Mai beschlossen. Sie soll am 1. September in Kraft treten.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Auf schmalem Pfad: 1300 Schafe auf Wanderung
Schweiz

Auf schmalem Pfad: 1300 Schafe auf Wanderung

In Graubünden hat sich am frühen Freitagmorgen eine der grössten traditionellen Schafwanderungen der Schweiz abgespielt. 1300 Tiere wechselten hoch über dem Rheintal die Weiden vom Guschasattel unter dem 2560 Meter hohen Falknis hindurch ins Fläschertal.

Kühne+Nagel baut in Schweden Logistikzentrum - angeblich für Amazon
Wirtschaft

Kühne+Nagel baut in Schweden Logistikzentrum - angeblich für Amazon

Der Logistiker Kühne+Nagel aus Schindellegi soll in Schweden für einen Kunden ein Logistikzentrum errichten, wie ein Sprecher gegenüber der Wirtschaftsagentur AWP bestätigte. Laut Reuters soll dieses rund 100 Kilometer westlich von Stockholm in Eskilstuna gelegene Zentrum dem Markteintritt von Amazon in Schweden dienen.

Schweiz

"Schweizer Drohne" bei Testflug in Israel abgestürzt

Während eines Testflugs ist eine für die Schweizer Armee vorgesehene Drohne vom Typ Hermes 900 HFE abgestürzt. Die Ursache für den Unfall ist unbekannt und wird derzeit untersucht.

Bund schliesst Impfstoff-Vertrag mit Biotech-Firma Moderna
Schweiz

Bund schliesst Impfstoff-Vertrag mit Biotech-Firma Moderna

Der Bund hat einen Vertrag über die Lieferung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus abgeschlossen. Demnach bezieht der Staat 4,5 Millionen Dosen des Impfstoffs von der US-Biotech-Firma Moderna.