Syphilis grassierte wohl schon vor Kolumbus in Europa


News Redaktion
Schweiz / 13.08.20 17:00

Menschen in Europa könnten sich bereits im frühen 15. Jahrhundert mit Syphilis infiziert haben. Das würde gemäss einer Mitteilung der Universität Zürich (UZH) die gängige These widerlegen, dass Christoph Kolumbus die Krankheit aus Amerika eingeschleppt hat.

Der untersuchte Kieferknochen aus Finnland zeigte Anzeichen einer Treponematose. (FOTO: Kati Salo / Finnish Heritage Agency)
Der untersuchte Kieferknochen aus Finnland zeigte Anzeichen einer Treponematose. (FOTO: Kati Salo / Finnish Heritage Agency)

Forschende der UZH fanden verschiedenen Unterarten des Bakteriums Treponema pallidum in DNA-Proben bei vier menschlichen Skeletten aus Finnland, Estland und den Niederlanden. Eine Subspezies dieses Bakteriums verursacht die Krankheit Syphilis. Mit molekularen Datierungen des alten Erbguts und Radiokarbondatierungen der Knochen und Grabüberreste fanden sie heraus, dass die ältesten Bakterien aus dem frühen 15. Jahrhundert stammen könnten. Darüber berichten die Forschenden um die Paläogenetikerin Verena Schünemann im Fachmagazin Current Biology.

Die ersten gemeldeten europäischen Syphilisausbrüche im späten 15. Jahrhundert fallen mit den Seefahrten von Christoph Kolumbus nach Amerika zusammen. Deshalb nahmen viele Forscher an, dass die Krankheit von dort nach Europa gelangt ist. Andere vermuten, dass Syphilis über Handelsbeziehungen aus Westafrika eingeschleppt wurde.

Neben der Syphilis fand das Team in den Knochen der menschlichen Überreste auch den Erreger der Frambösie. Diese Infektionskrankheit, die ebenfalls von einer Unterart des Bakteriums Treponema pallidum verursacht wird, kommt heute nur noch in den Tropen und Subtropen vor. Unsere Daten zeigen jedoch, dass die Frambösie damals in Europa verbreitet war, liess sich Schünemann in der Mitteilung von Donnerstag zitieren.

Zudem entdeckten die Forschenden im Skelett aus den Niederlanden eine weitere, bisher unbekannte Treponema-Linie. Diese heute nicht mehr existierende Krankheit entwickelte sich offenbar neben der Syphilis und der Frambösie.

Indem die Forschenden das Erbgut der verschiedenen Treponematosen analysierten, konnten sie darauf schliessen, dass sich der Vorgänger aller Arten vor mindestens 2500 Jahren entwickelt haben muss. Der letzte gemeinsame Vorfahre aller Stämme datiert auf das 12. bis 16. Jahrhundert.

Die Erkenntnisse des gesamten Treponema-Stammbaums sowie die entdeckte Diversität der Treponematosen in der frühen Neuzeit machen einen Ursprung von Syphilis in der alten Welt, unter Umständen sogar in Europa, möglich. Demnach brach die Syphilis kaum einzig durch Christoph Kolumbus Amerika-Reisen aus sagte Schünemann. Vielleicht müssen wir unsere bestehenden Thesen zu Syphilis und anderen treponemalen Krankheiten revidieren.

In einem vom Schweizer Nationalfonds geförderten Projekt wollen sie und ihr Team die Verbreitungsgeschichte der Syphilis in Europa nun genauer zu untersuchen.

(sda)


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