Täter von Frankfurt hat in Wädenswil seine Familie eingesperrt und war in psychiatrischer Behandlung


Roman Spirig
Regional / 30.07.19 18:23

Der 40-jährige Eritreer, der in Frankfurt mehrere Personen vor einen einfahrenden Zug stiess, war in psychiatrischer Behandlung. Einen terroristischen Hintergrund schliesst die Polizei aus. Der Mann hatte am Donnerstag seine Familie eingesperrt.

Täter von Frankfurt hat in Wädenswil seine Familie eingesperrt und war in psychiatrischer Behandlung (Foto: KEYSTONE / dpa / FRANK RUMPENHORST)
Täter von Frankfurt hat in Wädenswil seine Familie eingesperrt und war in psychiatrischer Behandlung (Foto: KEYSTONE / dpa / FRANK RUMPENHORST)

Bis am vergangenen Donnerstag, dem 25. Juli, wohnte der Eritreer zurückgezogen mit Frau und Kindern in Wädenswil ZH. Er war Mitglied der christlich-orthodoxen Glaubensgemeinschaft und arbeitete bis Januar 2019 bei den Zürcher Verkehrsbetrieben (VBZ). Seit 2006 lebte er in der Schweiz, seit 2011 hatte er eine Niederlassung C.

Polizeilich bekannt war der 40-Jährige einzig wegen eines geringfügigen Verkehrsdeliktes. Am Donnerstag kam es dann zu einem ersten Gewaltausbruch: Er sperrte seine Ehefrau und die drei Kleinkinder in der Wohnung ein, wie Vertreter der Kantonspolizei Zürich und der Staatsanwaltschaft am Dienstag vor den Medien in Zürich erklärten. Seine Familie musste von der Polizei befreit werden.

Zudem bedrohte er eine Nachbarin mit einem Messer und würgte sie. Der Gewaltausbruch kam für die Familie und die Nachbarin überraschend. Sie hätten ihn noch nie so erlebt, sagten sie aus. Bevor die Polizei am Tatort eintraf, war er bereits geflüchtet.

Eine Öffentlichkeitsfahndung wurde am Donnerstag nicht eingeleitet. Das sei nicht angezeigt gewesen. Solche Vorfälle von häuslicher Gewalt gebe es im Kanton Zürich etwa ein Dutzend pro Tag, sagte Bruno Keller, stellvertretender Kommandant der Kantonspolizei. Es habe keine Hinweise auf eine besondere Gefährlichkeit gegeben. Man habe ihn national zur Fahndung ausgeschrieben.

Wie der Mann nach Deutschland kam und mit wem er seit Donnerstag Kontakt hatte, ist noch nicht geklärt. Eine Radikalisierung oder einen terroristischen Hintergrund schliesst die Polizei aus.

Vielmehr hat der Mann psychische Probleme. Seit Januar dieses Jahres war er deswegen auch krankgeschrieben. "Er war in psychiatrischer Behandlung", sagte Keller weiter. Woran er leidet, ist noch nicht geklärt. Die Justiz hat die Krankengeschichte des Mannes noch nicht analysiert. Ob er in einer Klinik war, ist ebenfalls noch unklar.

Was seinen ersten Gewaltausbruch in Wädenswil auslöste, weiss die Polizei noch nicht. Um diese Frage zu beantworten, brauche es weitere Ermittlungen. "Der Vorfall in Frankfurt löste auch im Kanton Zürich grosse Betroffenheit aus", sagte Keller. "In Gedanken sind wir bei den Angehörigen."

Der Eritreer muss sich in Deutschland nun einem Strafverfahren wegen des Tötungsdeliktes stellen. Im Kanton Zürich wird er sich danach auch noch wegen häuslicher Gewalt verantworten müssen.

(sda)


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