Temenos-CEO Max Chuard tritt zurück


News Redaktion
Wirtschaft / 16.01.23 06:58

Beim Bankensoftwarehersteller Temenos ist im vergangenen Jahr der operative Betriebsgewinn um fast ein Viertel eingebrochen. Jetzt kommt es zum abrupten Abgang des Konzernchefs Max Chuard.

Temenos-CEO Max Chuard verlässt das Unternehmen überraschend. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI)
Temenos-CEO Max Chuard verlässt das Unternehmen überraschend. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI)

Dieser habe sich entschieden, das Unternehmen nach 20 Jahren zu verlassen, teilte die Gesellschaft am Montag mit. Chuard war vor seiner Zeit als CEO auch Finanzchef und Chief Operations Officer von Temenos gewesen.

Für ihn sei es eine Priorität gewesen, als CEO ein starkes Top-Management aufzubauen, liess sich Chuard in der Mitteilung zitieren. Jetzt wäre der natürliche Zeitpunkt für ihn gekommen, zurückzutreten und das nächste Level der Führungskräfte zum Zug kommen zu lassen.

Einen Nachfolger gibt es allerdings noch nicht. Die Suche sei eingeleitet, sowohl interne als auch externe Kandidaten kämen in Frage, hiess es. Bis spätestens Ende 2023 soll der Posten neu besetzt werden.

Interimistisch übernimmt bis dann Verwaltungsratspräsident Andreas Andreades die CEO-Aufgaben. Chuard werde in beratender Funktion bleiben, um einen reibungslosen Übergang zu sichern.

Andreades werde derweil an der nächsten Generalversammlung, die für Anfang Juni geplant ist - nach 24 Jahren bei Temenos - aus dem Verwaltungsrat ausscheiden. Sein Vize Thibault de Tersant soll dann zum neuen VRP gewählt werden.

Es sei an der Zeit, mit der nächsten Führungsgeneration die Weichen für die Zukunft zu stellen, liess sich Andreades zitieren. 2023 stünde "viel harte Arbeit vor uns", um die Strategie umzusetzen und nachhaltiges Wachstum zu erzielen.

Der künftige VRP Tersant sagte derweil zum anstehenden Ausscheiden seines Vorgängers: Andreades sei die treibende Kraft hinter der Entwicklung bei Temenos gewesen vom kleinen privaten Unternehmen mit weniger als 150 Leuten bis hin zu einem führenden Anbieter für Bankplattformen und einer der grössten Softwarefirmen in Europa.

Der aktivistische Aktionär Petrus Advisers fordert bereits seit einiger Zeit den Rücktritt von CEO und Präsident sowie eine umfassende strategische Überprüfung.

Gleichzeitig kommunizierte Temenos am Morgen auch vorläufige Jahreszahlen zum vierten Quartal und Gesamtjahr 2022. Im vierten Quartal 2022 ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent auf 277,9 Millionen US-Dollar zurück. Die Lizenzeinnahmen für Software sanken um 6 Prozent auf 143,9 Millionen.

Der bereinigte Betriebsgewinn EBIT brach um 27 Prozent auf 93,9 Millionen Dollar ein. Die entsprechende Marge sank auf 33,8 Prozent von 44,3 Prozent im Vorjahr. Die hohe Inflation habe sich erheblich auf die Kosten ausgewirkt, kommentierte Temenos.

Bei den bereinigten Zahlen werden unter anderem Kosten für aktienbasierte Vergütungsprogramme herausgerechnet.

Im Gesamtjahr gingen die Einnahmen um 2 Prozent auf 949,6 Millionen Dollar zurück. Der EBIT sank um 24 Prozent auf 272,3 Millionen. Mitte Oktober 2022 hatte Temenos bereits einen EBIT-Rückgang um 25 Prozent in Aussicht gestellt, nachdem das Unternehmen zuvor mit einem Plus von 9 bis 11 Prozent gerechnet hatte.

Das Reinergebnis sowie eine Prognose für 2023 will Temenos am 20. Februar kommunizieren. Ausserdem werde Andreades am 21. Februar an einem Investorentag in London ein Strategie-Update geben.

Massnahmen im vierten Quartal, um den Vertrieb zu stärken und die Vorhersehbarkeit von Geschäftsabschlüssen wiederherzustellen, hätten derweil Wirkung gezeigt, hiess es. Die Verkaufszyklen hätten sich im Vergleich zum dritten Quartal nicht mehr weiter verlängert. Allerdings blieben die Banken in ihren Entscheidungen vorsichtig - angesichts der unsicheren künftigen Konjunkturlage.

Derweil geht die laufende Transformation weiter. Bei Temenos gibt es die "On-Premise"-Lizenzen (Software kann beim Kunden vor Ort auf den Computern gespeichert werden) und die Abos in der Cloud (im Fachjargon: "Software as a Service SaaS"; SaaS). Bei den "On-Premise"-Lizenzen wird seit Anfang 2022 standardmässig auf ein Abo-Modell umgestellt. Dabei zahlen Kunden dann nicht mehr einen grossen Betrag im Voraus, sondern eine regelmässige "Miete" wie die Cloud-Kunden.

Im vierten Quartal seien mittlerweile 48 Prozent der Lizenzeinnahmen als fünfjährige Aboverträge abgeschlossen worden, so Temenos am Montag. Bis 2023 soll die Umstellung weitestgehend abgeschlossen sein.

(sda)


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