Traum von der Medaille platzte erst zum Schluss


News Redaktion
Sport / 13.02.20 16:09

Die Schweizer Mixed-Staffel belegt zum Auftakt der Weltmeisterschaften in Antholz Platz 10 mit 1:50 Minuten Rückstand. Der Traum von der Medaille platzt erst auf der letzten Ablösung.

Die Mixed-Staffel ging vor toller Kulisse und tausenden von Zuschauern über die Bühne. (FOTO: KEYSTONE/AP/Matthias Schrader)
Die Mixed-Staffel ging vor toller Kulisse und tausenden von Zuschauern über die Bühne. (FOTO: KEYSTONE/AP/Matthias Schrader)

Im Ziel wurde Serafin Wiestner von seinen Teamkolleginnen und -kollegen in die Arme genommen. Es war keine Umarmung der Freude, sondern des Trosts. An 4. Stelle hatte der Bündner von Benjamin Weger übernommen, als Sechster ging er ins abschliessende Stehendschiessen. Inklusive drei Nachladern schoss er fünfmal daneben, musste deshalb zweimal in die Strafrunde und vergab damit das mögliche Spitzenresultat.

Für die erste Schweizer Medaille bei einer Biathlon-WM hätte in der Mixed-Staffel alles zusammen passen müssen: ein perfektes eigenes Rennen und Gegner, die patzen. Dafür hätte es auch ohne Wiestners Einbruch nicht gereicht. Die Favoriten aus Norwegen und Italien gaben sich keine Blösse, die Überraschungsmannschaft, welche die Schweiz gerne gewesen wäre, waren die Tschechen. Mit nur zwei Fehlern aus 40 Schüssen nützten diese die Schwächen Frankreichs und Deutschlands.

Im Ziel nützten alle Aufmunterungen für Wiestner wenig. Ich bin sehr enttäuscht, sagte der 29-Jährige aus Trin Mulin traurig. Die Kollegen machten alle ein super Rennen, und ich vergab das gute Resultat. Nach dem dritten Fehlschuss habe es im Kopf angefangen zu studieren, dann sei nichts mehr gegangen. Ich war halt noch nicht so oft in dieser Situation, fand er eine Erklärung. Und das kann man auch schlecht trainieren. Er werde daraus aber sicher lernen können.

Damit ging auch die Taktik, den Wackelkandidaten am Schluss aufzustellen, um möglichst lange vorne dabei zu sein, nicht auf. Die stärkste Leistung aus Schweizer Sicht zeigte Selina Gasparin. Die 35-jährige Engadinerin absolviert im Südtirol ihre zehnte WM - die erste war 2007 ebenfalls in Antholz - und war dennoch sehr nervös. Ich habe die Verantwortung als Startläuferin gespürt, gab die Olympia-Zweite von 2014 zu. Dann lief es aber in der Loipe super. Ich hatte extrem schnelle Ski, und auch das Schiessen war mit je einem Fehler liegend und stehend okay.

Gasparin übergab mit nur 12 Sekunden Rückstand auf die führenden Norwegerinnen als Dritte an Lena Häcki. Auch diese war angefeuert von vielen Schweizer Fans läuferisch sehr schnell unterwegs - wohl etwas zu schnell, wie sie selber zugab. Sie leistete sich insgesamt fünf Schiessfehler, vermied aber eine Strafrunde. Läuferisch war es unglaublich cool, schwärmte die Aufsteigerin des Jahres. Ich musste fast mit Eckhoff und Herrmann mitlaufen, sonst verliert man zu viel Zeit. Dafür nahm ich halt einen Nachlader in Kauf. Gasparin und Häcki darf in den Einzelrennen einiges zugetraut werden, wenn sie im Schiessstand ihre Leistung bringen. Die Form scheint zu stimmen.

Auch Benjamin Weger lief nach einem schwierigen Winter sehr solide und verteidigte nach je einem Fehlschuss liegend und stehend den 4. Platz, den er von Lena Häcki übernommen hatte. Das gibt Zuversicht für die weiteren Rennen, freute sich der Oberwalliser.

Am Freitag und Samstag stehen im Antholzer Tal auf 1600 Metern über Meer die Sprints, am Sonntag die Verfolgung an.

(sda)


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