Update: Tod am Titlis: Arbeiter stirbt bei Revision von Seilbahn


Ladina Meyer
Regional / 05.06.19 16:13

Beim Versuch, das Förderseil der Gondelbahn von Engelberg nach Trübsee zu kürzen, ist ein langjähriger Mitarbeiter der Titlis Bahnen heute Mittwoch tödlich verunglückt. Sechs weitere Arbeiter verletzten sich, als sich ein Entlastungsseil löste und sie von den Seilen getroffen wurden.

Update: Tod am Titlis: Arbeiter stirbt bei Revision von Seilbahn (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Update: Tod am Titlis: Arbeiter stirbt bei Revision von Seilbahn (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Um 2,8 Meter wollten die Arbeiter das Förderseil der Bahn kürzen, das 2015 installiert worden war. Am Anfang und insbesondere in der warmen Jahreszeit dehne sich dieses nämlich aus, erläuterte der Obwaldner Staatsanwalt Bernhard Schöni vor den Medien in Engelberg die Hintergründe der Revision. Diese fing am Montag an und sollte vier Tage dauern.

Im Abschnitt auf der Gerschnialp waren am Mittwochmorgen rund 20 Arbeiter am Werk, 16 davon waren Mitarbeiter der Titlis Bahnen, wie deren Chef Norbert Patt, sagte. Dazu kamen Arbeiter des Bahnherstellers Garaventa und des Seilherstellers.

Sie zogen das Förderseil der Bahn mit einer temporären Abspannung zusammen, um dann am entspannten Teil des Förderseils zu arbeiten. Das Förderseil werde mit zwei bis drei Tonnen abgespannt, erläuterte Hans Wicki, Verwaltungsratspräsident der Titlis Bahnen.


Hans Wicki spricht über
Hans Wicki spricht über "den schwärzesten Tag in der Unternehmungsgeschichte" (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Diese Abspannung löste sich im Seilspleissbereich aus ungeklärten Gründen, das Förderseil schnellte ruckartig nach oben. Von diesem sowie dem Abspannseil wurden mehrere Arbeiter getroffen, einer von ihnen starb.

Er sei seit über 20 Jahren beim Bergbahnunternehmen tätig gewesen, habe langjährige Erfahrung mit Revisionsarbeiten gehabt und die Arbeit geliebt. Doch solche Arbeiten seien immer gefährlich, sagte Wicki.

Heute habe man mit grossem Schrecken erfahren müssen, was Gefahr bedeute. "Es ist der schwärzeste Tag in der Unternehmensgeschichte." Sämtliche Beteiligten seien sich gewöhnt, Revisionsarbeiten auszuführen. Ein Mitarbeiter sei dabei gewesen, der noch nicht so viele Revisionen mitgemacht habe.

Zwei Arbeiter wurden schwer und einer mittelschwer verletzt. Sie seien in ausserkantonale Spitäler geflogen worden und ansprechbar gewesen. Drei Personen wurden leicht verletzt und konnten vor Ort behandelt werden.

Der sichtlich bewegte Seilbahnchef Patt sprach von einem ganz schlimmen Unfall. "Es tut uns für die betroffenen Mitarbeitenden und Familien ausserordentlich leid." Er hielt fest, dass die Bahn stets mit professionellen Partnern zusammenarbeite, das seien "keine Hauruck-Übungen".

Auch Arno Inauen, Chef des Bahnherstellers Garaventa, der sich an keinen ähnlichen Unfall in seiner Karriere erinnern konnte, sagte, es seien qualifizierte Mitarbeitende mit kompetentem Werkzeug im Einsatz gestanden.

Da sich der Arbeitsunfall im Rahmen der ordentlichen, geplanten Revision ereignete, war der touristische Verkehr auf den Titlis nicht betroffen. Gondeln hingen keine am Seil. Die Revision verzögere sich nun, man hoffe aber, den Betrieb am Wochenende wieder aufnehmen zu können.

"Wir werden alles unternehmen, um zu wissen, wieso das passiert ist", sagte Wicki. Es sei für das Unternehmen enorm wichtig, damit man auch in Zukunft wieder mit Sicherheit Revisionsarbeiten durchführen könne.

Für die Abklärung der Unfallursache wurde das Forensische Institut Zürich (FOR) und die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) beigezogen. Die Untersuchungen führt die Staatsanwaltschaft Obwalden.

Die vom Unfall betroffene Achter-Gondelbahn Engelberg-Trübsee ("Titlis-Express") wurde 2015 in Betrieb genommen. Sie bewältigt auf einer Länge von 2,7 Kilometern knapp 800 Höhenmeter und kann pro Stunde 2400 Personen transportieren.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Über die Masse zum Erfolg? CVP stellt markant mehr Kandidaten auf als 2015
Schweiz

Über die Masse zum Erfolg? CVP stellt markant mehr Kandidaten auf als 2015

Mit grossem Abstand hat die CVP die meisten Kandidaturen für die Nationalratswahlen aufgestellt. Die 702 Personen, die in den Proporzkantonen für die CVP in den Nationalrat einziehen wollen, machen über 15 Prozent aller Kandidaturen aus.

Boris Johnson hält Einigung bis zum EU-Gipfel für möglich
International

Boris Johnson hält Einigung bis zum EU-Gipfel für möglich

Im Brexit-Streit betont der britische Premierminister Boris Johnson die Chancen für einen neuen Deal mit der Europäischen Union. "Ich glaube leidenschaftlich, dass wir das schaffen können."

Valser
Schweiz

Valser "Chästeilet": Ein sehr gutes Käse-Jahr

Am Montagmorgen holten die Bauern auf der Alp Selva in Vals bei der "Chästeilet" den ihnen zustehenden Käse auf der Alp ab. 68 Kühe haben diesen Sommer 54'900 Liter Milch produziert. Daraus entstanden 780 Käse und 100 Mutschli, gesamthaft gut 4'700 Kilogramm Käse - ein sehr gutes Jahr.

One Year OANA
Events

One Year OANA

LET'S CELEBRATE! Am 14. September 2018 hat das OANA das erste Mal seine Türen geöffnet und seither läuft die Citywave auf Hochtouren und sorgt für jede Menge Surf Spass! Das soll nun gefeiert werden.