USA kommen nicht zur Ruhe - Proteste wegen Floyds Tod dauern an


News Redaktion
International / 01.06.20 05:30

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis kommen die USA nicht zur Ruhe. In mehreren US-Metropolen kam es in der sechsten Nacht in Folge zu Protesten, die teils in Gewalt ausarteten.

In den USA eskaliert vielerorts - wie hier in Washington im Bild - die Situation bei Protesten gegen Polizeigewalt. (FOTO: KEYSTONE/AP/Alex Brandon)
In den USA eskaliert vielerorts - wie hier in Washington im Bild - die Situation bei Protesten gegen Polizeigewalt. (FOTO: KEYSTONE/AP/Alex Brandon)

Der Sender CNN berichtete in der Nacht auf Montag, in New York seien tausende Menschen auf die Strasse gegangen. Auf Fernsehbildern waren allerdings auch brennende Fahrzeuge in Boston und Plünderungen in Philadelphia zu sehen.

In der US-Hauptstadt Washington zogen Demonstranten am Sonntagabend (Ortszeit) erneut vor das Weisse Haus. Es kam zu Zusammenstössen mit der Polizei. Demonstranten skandierten Kein Frieden ohne Gerechtigkeit. CNN meldete zudem, bereits am Freitag sei US-Präsident Donald Trump wegen der Proteste vor dem Weissen Haus für knapp eine Stunde in einen Bunker gebracht worden.

Nach CNN-Angaben verhängten obendrein mindestens 40 Städte nächtliche Ausgangssperren, darunter auch Washington. Von den Massnahmen waren demnach insgesamt zehn Millionen Menschen betroffen. Der Gouverneur des Bundesstaats Arizona, Doug Ducey, erliess sogar für die gesamte Woche bis zum 8. Juni eine nächtliche Ausgangssperre. Mindestens 15 der 50 US-Bundesstaaten und der Hauptstadtbezirk Washington mobilisierten die Nationalgarde, wie CNN weiter berichtete. Die Nationalgarde gehört zur Reserve der US-Streitkräfte und kann in Bundesstaaten in Ausnahmesituationen zu Hilfe gerufen werden.

Trump machte am Sonntag linksradikale Gruppen für die Ausschreitungen verantwortlich. Er kündigte umgehend an, die Antifa solle in den USA als Terrororganisation eingestuft werden. Details liess er aber zunächst offen. Zum Antifaschismus bekennen sich zahlreiche unterschiedliche linke oder auch linksradikale Gruppen in den USA. Die Antifa hat aber keine zentrale Führungs- oder Organisationsstruktur. Trump hatte bereits im vergangenen August mitgeteilt, man erwäge ein Verbot der Gruppierung.

Floyd war am Montagabend nach einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota verstorben. Einer von vier beteiligten Beamten sass dem 46-Jährigen minutenlang mit dem Knie im Nacken. Die Bitten des Afroamerikaners, ihn atmen zu lassen, ignorierte er.

Bereits in den vergangenen Nächten war es bei Protesten in Minneapolis und zahlreichen anderen Städten zu Gewalt gekommen - von New York an der Ostküste bis Los Angeles an der Westküste. Auf Fernsehbildern waren vielerorts brennende Autos und Geschäfte zu sehen. Die Nationalgarde von Minnesota teilte am Sonntag mit, mehr als 5000 von insgesamt bis zu 10000 mobilisierten Soldaten seien bereits im Einsatz. Weitere Soldaten stünden bereit.

Musiker, Sportler und Hollywoodstars in den USA fordern derweil ein Ende von Rassismus und Polizeigewalt. Das muss aufhören, schrieb die Sängerin Madonna auf Instagram. Die Musikerin Beyoncé wandte sich in einer Videobotschaft an ihre Fans auf Instagram und forderte Gerechtigkeit für George Floyd. Lady Gaga schrieb am Sonntag (Ortszeit) in einem langen Post auf Twitter, sie sei von Floyds Tod schockiert. Wie viele andere Stars auch kritisierte sie US-Präsident Donald Trump. Lady Gaga warf Trump vor, in seinem Land Rassismus zu fördern.

Nur ein Bild und eine Frage postete der NBA-Star LeBron James. Das Foto zeigt, wie der Football-Spieler Colin Kaepernick im Jahr 2016 während der Nationalhymne auf die Knie ging. Damit hatte der Quarterback eine Protestwelle gegen die Diskriminierung von Schwarzen in den USA gestartet. LeBron James schrieb dazu: Versteht ihr jetzt?

Aber nicht nur im Internet, auch auf der Strasse machten die Berühmtheiten ihrem Ärger Luft. Die Schauspieler Jamie Foxx und Nick Cannon nahmen an Protesten in Minneapolis teil. Der Rapper Killer Mike sprach vor Demonstranten in Atlanta. Ich bin höllisch sauer, sagte er, ich habe es satt, Schwarze sterben zu sehen. Zugleich rief er die Menschen auf, nicht zu randalieren, sondern ihren Zorn friedlich auszudrücken.

(sda)


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