USA: Nationalgarde nach brutalem Tod eines Schwarzen mobilisiert


News Redaktion
International / 29.05.20 09:28

Nach gewaltsamen Protesten wegen des Todes eines Schwarzen bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis hat der Gouverneur des US-Bundesstaats Minnesota die Nationalgarde mobilisiert.

Ein Demonstrant vor einem brennenden Gebäude mit einer eine US-Flagge. Foto: Julio Cortez/AP/dpa (FOTO: Keystone/AP/Julio Cortez)
Ein Demonstrant vor einem brennenden Gebäude mit einer eine US-Flagge. Foto: Julio Cortez/AP/dpa (FOTO: Keystone/AP/Julio Cortez)

Gouverneur Tim Walz erklärte am Donnerstag (Ortszeit) einen Notstand für Minneapolis und umliegende Gebiete, wie aus seiner Verfügung hervorging. Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd (46) war es in Minneapolis in der Nacht zu Donnerstag zu schweren Ausschreitungen gekommen. In der Anordnung des Gouverneurs hiess es, friedliche Demonstrationen seien weiterhin erlaubt. Ausschreitungen bedrohten aber auch die Sicherheit friedlicher Demonstranten.

Auslöser für die Wut und Empörung der Demonstranten war ein rund zehn Minuten langes Video von Floyds Tod, das sich wie ein Lauffeuer auf sozialen Medien verbreitete: Ein weisser Polizist drückte sein Knie mehrere Minuten lang an den Hals des 46-Jährigen, der wiederholt um Hilfe flehte, bevor er das Bewusstsein verlor. Wiederholt sagte der Afroamerikaner: Ich kann nicht atmen. Er starb kurz danach in einem nahen Krankenhaus. Die insgesamt vier involvierten Polizisten wurden entlassen, aber bislang weder festgenommen noch angeklagt.

Die Bundespolizei FBI und die örtliche Staatsanwaltschaft erklärten am Donnerstag in einer gemeinsamen Stellungnahme, den Ermittlungen und einer möglichen Anklage werde höchste Priorität gegeben. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump eine beschleunigte Untersuchung des Vorfalls versprochen. Trump sagte am Donnerstag im Weissen Haus, er habe sich das Video angeschaut. Das war eine sehr schlechte Sache, die ich gesehen habe. Auf Nachfrage sagte der Präsident, mit Floyds Familie habe er bislang noch nicht gesprochen.

Die Nationalgarde zählt zur Reserve der US-Armee. In der Anordnung von Walz hiess es, die Bürgermeister der benachbarten Städte Minneapolis und St. Paul hätten nach den Ausschreitungen um die Mobilisierung gebeten, um Sicherheit zu gewährleisten. Bei friedlichen Protesten hatten zuvor viele Demonstranten Gerechtigkeit für Floyd und eine Verurteilung der involvierten Polizisten gefordert. Lokale Medien berichteten allerdings auch, einige Demonstranten hätten Feuer in Geschäften gelegt. Auf Fernsehbildern waren Plünderungen zu sehen. Die Polizei ging mit Tränengas, Pfefferspray und Schlagstöcken gegen Demonstranten vor.

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend (Ortszeit) rief die Bezirksstaatsanwältin von Minnesota, Erica MacDonald, Demonstranten dazu auf, friedlich zu bleiben. Ich bitte die Menschen, Ruhe zu bewahren und uns diese Untersuchung durchführen zu lassen, sagte MacDonald. Es bricht mir das Herz zu sehen, was auf unseren Strassen in Minneapolis und St. Paul und einigen unserer Vororte passiert. Der örtliche FBI-Vertreter Rainer Drolshagen äusserte Verständnis für die extreme Frustration, Wut und Traurigkeit über den Vorfall und sicherte eine umfassende Aufklärung zu.

In den USA kommt es immer wieder zu aufsehenerregenden Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze. Zuletzt hatte in den USA ein Clip aus dem Bundesstaat Georgia für Aufsehen gesorgt - ein verstörendes Handyvideo zeigte, wie der schwarze Jogger Ahmaud Arbery (25) von weissen Männern offenbar angegriffen und dann erschossen wurde. Nach der Tat im Februar hatte es zwei Monate gedauert - bis zur Veröffentlichung des Videos - bis es in dem Fall erste Festnahmen gab. Einer der Verdächtigen soll früher Polizist gewesen sein.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Tausende Israelis demonstrieren gegen Corona-Politik der Regierung
Wirtschaft

Tausende Israelis demonstrieren gegen Corona-Politik der Regierung

Tausende von Israelis haben am Samstagabend in Tel Aviv gegen die Finanzpolitik der Regierung von Benjamin Netanjahu in der Corona-Krise demonstriert. Mehr als 10'000 Menschen nahmen an einer Grosskundgebung auf dem zentralen Rabin-Platz teil.

UN-Bericht: Unterernährung ist gefährlich auf dem Vormarsch
International

UN-Bericht: Unterernährung ist gefährlich auf dem Vormarsch

Die Vereinten Nationen warnen vor einem sprunghaften Anstieg bei der Zahl der unterernährten Menschen durch die Corona-Krise. Derzeit ist mindestens jeder elfte Mensch unterernährt, wie aus dem aktuellen Welternährungsbericht der UN hervorgeht. Dazu gehören auch Millionen Kinder, die nicht genug zu essen bekommen, um gesund aufzuwachsen.

Regierungsparteien gewinnen bei Regionalwahlen in Spanien
International

Regierungsparteien gewinnen bei Regionalwahlen in Spanien

Trotz der einschneidenden Folgen der in Spanien besonders heftig verlaufenen Coronavirus-Krise haben die ersten Regionalwahlen keine grossen Veränderungen gebracht. Separatistische Parteien konnten zwar Gewinne verzeichnen.

Zwei Männer überfallen in Wattwil 76-Jährigen in der Wohnung
Schweiz

Zwei Männer überfallen in Wattwil 76-Jährigen in der Wohnung

Zwei Männer haben am Montagnachmittag in Wattwil SG einen 76-Jährigen in dessen Wohnung bedroht und beraubt. Die Täter konnten mit einer Uhr entkommen.