Vandalenakte gegen ukrainisches Zentrum in Reussbühl LU


News Redaktion
Regional / 30.12.22 11:51

Gegen das ukrainischen Kultur- und Begegnungszentrum Prostir im Luzerner Stadtteil Reussbühl sind Vandalenakte verübt worden. Die Zentrumsleitung sieht vor allem Politik und Schulen in der Pflicht.

Prostir, hier an der Eröffnung vom 24. April 2022, will die Türen trotz der Vorfälle offen halten. (Archivaufnahme) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Prostir, hier an der Eröffnung vom 24. April 2022, will die Türen trotz der Vorfälle offen halten. (Archivaufnahme) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Das Zentrum hat gemäss "Zentralplus" bei der Luzerner Polizei Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. Das Onlineportal und Tele1 berichteten von Schmierereien auf Containern, dem Trottoir und an der Hauswand. Halbwüchsige haben demnach im Zentrum Knallkörper gezündet, zudem wurde eine Fensterscheibe eingeschlagen. Auf einem Pausenplatz sollen ukrainische Kinder verprügelt worden sein.

Die Schmierereien wurden in russischer Aussprache, aber in lateinischen Buchstaben geschrieben. Urban Frye, Kantonsrat der Grünen und Mitgründer von Prostir, vermutet hinter der Täterschaft Jugendliche aus der näheren Umgebung. Sie würden das machen, was der Stimmung in ihrem Elternhaus entspreche, sagte er am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die vom russischen Angriffskrieg aus der Ukraine geflüchteten Menschen reagieren auf die Vorfälle verängstigt. Frye verglich die Wirkung der pro-russischen Schmierereien beim ukrainischen Zentrum mit Hakenkreuzen bei jüdischen Einrichtungen. Im Gegensatz zu antisemitischen Vorfällen, reagiert die Politik nach Ansicht des Kantonsrats hier aber kaum.

Frye ortet im Bezug auf die ukrainischen Flüchtlingen einen versteckten Rassismus. Genährt werde dieser durch das falsche Narrativ, dass ukrainische Flüchtlinge besser gestellt und fordernd seien. Politik und Schulen müssten dem entgegenwirken, sagte Frye. Es müsse aktiv kommuniziert werden, wer Opfer sei.

Trotz dieser Vorfälle will Prostir das Zentrum als offenes Haus führen. "Wir wollen keinen Securitas vor der Türe", sagte Frye. Das Ziel der Einrichtung sei die Kommunikation mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Es wurde nun aber eine Überwachungskamera installiert.

Prostir war im April 2020, am Tag des orthodoxen Osterfests, eröffnet worden. Das Zentrum ist in einem ehemaligen Schwesternhaus beim Altersheim Staffelnhof untergebracht. Darin gibt es auch Wohn- und Atelierräume.

(sda)


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