Vatikan öffnet Archiv mit Briefen verfolgter Juden aus Nazi-Zeit


News Redaktion
International / 23.06.22 16:45

Der Vatikan macht einen Teil seines Archivs mit Dokumenten zur Judenverfolgung aus der Zeit des Nationalsozialismus der Öffentlichkeit zugänglich.

ARCHIV - Der Vatikan macht nun einen Teil von Dokumenten zur Judenverfolgung aus der Zeit des Nationalsozialismus auch der Öffentlichkeit zugänglich. (Archivbild) Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa (FOTO: Keystone/AP/Gregorio Borgia)
ARCHIV - Der Vatikan macht nun einen Teil von Dokumenten zur Judenverfolgung aus der Zeit des Nationalsozialismus auch der Öffentlichkeit zugänglich. (Archivbild) Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa (FOTO: Keystone/AP/Gregorio Borgia)

Interessierte können ab sofort im Internet Briefe aus dem Pontifikat von Pius XII. einsehen, die Bitten jüdischer Menschen in Europa aus der Zeit der Verfolgung durch die Nazis enthalten. Das teilte der Heilige Stuhl am Donnerstag mit.

In den Schreiben baten die Menschen das damalige Oberhaupt der katholischen Kirche (1939 bis 1958) um Hilfe. Der Italiener - mit bürgerlichem Namen Eugenio Pacelli - steht seit langem in der Kritik für seinen zurückhaltenden Umgang mit Nazi-Deutschland. Ihm wurde zudem vorgeworfen, beim Thema Holocaust geschwiegen zu haben.

Die Sammlung stammt aus der Abteilung für Beziehungen zu den Staaten und internationalen Organisationen im vatikanischen Staatssekretariat. Sie heisst "Ebrei" (Italienisch für: Juden) und enthält laut Vatikan fast 40 000 Dokumente. Forscher hatten seit März 2020 Zugang zu den Unterlagen. Der deutsche Kirchenhistoriker Hubert Wolf untersuchte sie bereits. Aus ihnen geht hervor, wie die Menschen den Papst um Hilfe etwa bei der Flucht, bei Familienzusammenführungen oder um finanzielle Unterstützung baten. Er zeigt auch, wie der Vatikan reagierte.

Der Heilige Stuhl habe das Archiv auf Wunsch von Papst Franziskus geöffnet, schrieb Erzbischof Paul Richard Gallagher, quasi der Aussenminister des katholischen Kirchenstaates, in der Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano". Mehr als 2700 Fälle von Bitten seien darin aufbewahrt, um die sich das Staatssekretariat damals kümmerte. Zunächst sind 70 Prozent des gesamten Archiv-Teils online verfügbar.

(sda)


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