Verschiebung der Olympischen Spiele - was dafür und dagegen spricht


News Redaktion
Sport / 22.03.20 07:43

Das IOC könnte eine Absage oder Verschiebung der Spiele 2020 verkraften. Weshalb hält es derzeit an den Spielen in diesem Sommer fest? Was für und gegen die Haltung des IOC spricht.

Thomas Bach will von einer Verschiebung oder Absage noch nichts wissen (FOTO: KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)
Thomas Bach will von einer Verschiebung oder Absage noch nichts wissen (FOTO: KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

Die Rufe nach einer Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio werden lauter. Thomas Bach verweist aber darauf, dass zum jetzigen Zeitpunkt drastische Massnahmen noch nicht notwendig seien. Bis zur Eröffnungsfeier bleiben dem Internationalen Olympischen Komitee noch gut vier Monate. Das Zeitfenster für einen derart historischen Entscheid ist trotzdem begrenzt. Es gibt viele Gründe für eine sofortige Verschiebung der Sommerspiele, aber auch für ein Festhalten an den Olympia-Plänen.

WAS FÜR EINE SOFORTIGE VERSCHIEBUNG SPRICHT:

GESUNDHEIT: Die Pandemie wird bis zur Eröffnungsfeier am 24. Juli kaum weltweit unter Kontrolle sein. Bei den Spielen kommen aber rund 11000 Athleten und auch viele Tausend Fans, Betreuer und Journalisten aus der ganzen Welt zusammen - viele von ihnen im olympischen Dorf. Es drohen neue Infektionen und womöglich neue Ansteckungswellen bei der Rückkehr aus Tokio.

TRAINING: Viele Athleten, vor allem in Westeuropa und den USA, sind beim Training stark eingeschränkt. Sporthallen und Schwimmbäder sind zum Teil geschlossen, es gibt in vielen Ländern Ausgangssperren. Training in den eigenen vier Wänden, wie etwa auf Hometrainern oder Laufbändern ist alles andere als optimal. Dabei beginnt gerade jetzt für viele Athleten die entscheidende Vorbereitungsphase auf Olympia. Dagegen kehren andere Länder wie China nach Abklingen der Epidemie wieder in den geregelten Alltag zurück. Gleiche Wettbewerbsbedingungen sind kaum mehr gegeben.

DOPINGKONTROLLEN: In vielen Ländern herrscht ein Einreisestopp. Die Welt-Anti-Doping-Agentur kann kaum mehr für regelmässige Kontrollen sorgen. Was ist etwa mit Russland, das in der Vergangenheit schon in zahlreiche Dopingskandale verstrickt war und seine Grenzen für Ausländer dicht gemacht hat? Oder China, das bei einer Einreise eine 14-tägige Quarantäne vorsieht?

OLYMPIA-QUALIFIKATION: Erst etwas mehr als die Hälfte der Sportler haben sich für Olympia qualifiziert. Viele Qualifikationsturniere sind bereits abgesagt worden oder sollen kurz vor den Olympischen Spielen nachgeholt werden. Thomas Bach hat zwar grosszügige Härtefall-Regelungen angekündigt, aber was ist mit Mannschaftssportarten wie Handball? Bei den Männern haben erst sechs von zwölf Mannschaften ihre Teilnahme sicher. Im Juni sollen nun im Hauruck-Verfahren die Qualifikationsturniere nachgeholt werden. Mit grösstenteils Mannschaften aus Europa, bei denen aktuell alles still steht.

WAS GEGEN EINE SOFORTIGE VERSCHIEBUNG SPRICHT:

ZEITRAHMEN: In China ist um die Jahreswende herum das Virus ausgebrochen. Inzwischen zählt das Land - auch dank der sehr strikten Massnahmen - kaum mehr Neuinfektionen, also gut drei Monate nach Ausbruch der Epidemie. Wäre der Zeitrahmen auch auf andere Länder wie in Europa übertragbar, wäre ein geregelter Sportbetrieb tatsächlich denkbar.

TERMINPROBLEME: Olympische Spiele wären nicht so einfach um ein Jahr zu verschieben wie eine Fussball-EM. Grosse Terminkollisionen gab es für die UEFA nicht. Mit Ausnahme der Klub-WM sind es eigene Veranstaltungen, die neu terminiert werden müssen. In Sachen Olympia sind dagegen viele Welt- und Europameisterschaften, ganz zu schweigen von Weltcups oder sonstigen Qualifikationsturnieren, auf den olympischen Zeitplan abgestimmt.

SYMBOLISCHER WERT: Olympia setzte schon immer auf die Kraft der Symbole. Olympische Spiele nach Überstehen der Pandemie könnten auch ein Zeichen des Aufbruchs sein.

BEDEUTUNG: Für Verbände und Sportler spielen die Olympische Spiele eine entscheidende Rolle. Sie sind sportlich aber auch finanzielle von grosser Bedeutung. Eine Absage wäre die am wenigsten faire Lösung. Sie würde den olympischen Traum von 11000 Athleten aus 206 Nationalen Olympischen Komitees und dem IOC-Flüchtlingsteam zerstören, sagte Bach in einem Interview mit dem Südwestrundfunk SWR.

(sda)


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