Verteidiger fordert Freispruch für angeklagten Schweizer Reeder


News Redaktion
Schweiz / 03.07.20 13:22

Am Prozess um mutmasslichen Betrug rund um die Schweizer Hochseeflotte hat der Verteidiger des angeklagten Reeders einen Freispruch in sämtlichen Anklagepunkten gefordert. Alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den Reeder seien unbegründet.

Verteidiger Raffael Ramel (l.) und sein Mandant, der angeklagte Reeder, vor dem Wirtschaftsstrafgericht des Kantons Bern. (FOTO: KEYSTONE/KARIN WIDMER)
Verteidiger Raffael Ramel (l.) und sein Mandant, der angeklagte Reeder, vor dem Wirtschaftsstrafgericht des Kantons Bern. (FOTO: KEYSTONE/KARIN WIDMER)

Ausgelöst worden seien die Schwierigkeiten in der Reederei des 66-jährigen Berners durch einen missglückten Handel mit einem unredlichen Käufer und durch die weltweite Wirtschaftskrise im Jahr 2008. Das sagte Verteidiger Raffael Ramel am Freitag in seinem mehrstündigen Plädoyer vor dem Wirtschaftsstrafgericht des Kantons Bern.

Leider sei es in den Jahren nach 2008 nicht gelungen, das Unternehmen zu retten, sagte Ramel weiter. Die Reederei befindet sich heute in Liquidation und der Bund erlitt wegen der Bürgschaften, mit denen die Schiffe der Reederei gesichert waren, einen Schaden von 204 Millionen Franken.

Die Banken als Kreditgeber der Schiffe zogen die Bürgschaften, als die Reederei ihren Verpflichtungen ihnen gegenüber nicht mehr nachkommen konnte.

Der Berner Reeder habe versucht, das Unternehmen zu retten, sagte der Anwalt. Die Banken und das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) seien stets im Bild gewesen über die Vorgänge. Eine Bereicherungsabsicht habe es nicht gegeben, nur Bemühungen zur steuerlichen Optimierung innerhalb des umfangreichen Firmengeflechts.

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte des Kantons Bern sei unvollständig, ungenügend und einseitig auf den Reeder ausgerichtet. Weitere in den Fall verwickelte Personen seien unbehelligt geblieben.

Simulierte Schiffskaufsverträge mit dem Ziel, das BWL über den echten Verkaufspreis zu täuschen, habe es nie gegeben. Die in diesem Zusammenhang gemachten Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien ohnehin nicht nur in zwei Fällen, sondern in allen vier Fällen verjährt.

Auch habe es keine Täuschungen des Bunds anhand von angeblich falschen Geschäftsberichten gegeben, ebenso wenig wie Versuche, mit falschen Angaben zur Eigenkapitalbasis der einzelnen Schiffsgesellschaften in den Genuss von Bundesbürgschaften zu kommen.

Am Donnerstag hatte der Berner Staatsanwalt Roman Sigrist eine unbedingte Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren beantragt. Er forderte auch eine bedingte Geldstrafe von 54000 Franken. Zudem sei der Mann zur Zahlung einer sogenannten Ersatzforderung an den Staat in Höhe von 11,7 Millionen Franken zu verurteilen.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Töfffahrer in Linthal GL verunfallt und verletzt
Regional

Töfffahrer in Linthal GL verunfallt und verletzt

Ein Töfffahrer ist am Donnerstagabend in eine Leitplanke am Klausenpass geprallt. Mit einem Arm- und Beinbruch wurde er ins Luzerner Kantonsspital geflogen.

Olympiasieger Crouser stösst Weltrekord
Sport

Olympiasieger Crouser stösst Weltrekord

Der Amerikaner Ryan Crouser stellt an den Olympia-Trials in Eugene, Oregon, einen Weltrekord im Kugelstossen auf. Der Olympiasieger steigert die Bestmarke auf 23,37 Meter.

In Churwalden vermisste Frau tot aufgefunden
Schweiz

In Churwalden vermisste Frau tot aufgefunden

Eine seit Donnerstagabend in Churwalden GR vermisste 88-jährige Frau ist am Freitagmorgen tot aufgefunden worden. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, um die genauen Umstände des Todes zu klären.

Gegen Boots-Unfälle: Neue Sperrzone vor dem Höngger Wehr
Schweiz

Gegen Boots-Unfälle: Neue Sperrzone vor dem Höngger Wehr

Das Gummiböötlen auf der Limmat vor dem Höngger Wehr soll nicht mehr in brenzligen Situationen enden: Die Stadtpolizei hat eine neue Sperrzone definiert, in der Boote nichts zu suchen haben. Sie ist mit gelben Bojen markiert.