Verzweifelte Suche nach Überlebenden nach Beben in Albanien


Roman Spirig
International / 27.11.19 14:36

In einem Wettlauf gegen die Zeit haben Bergungskräfte einen Tag nach dem schweren Erdbeben in Albanien nach Überlebenden gesucht. Bis Mittwochvormittag konnten nach Angaben des Verteidigungsministeriums 45 Menschen gerettet werden.

Verzweifelte Suche nach Überlebenden nach Beben in Albanien (Foto: KEYSTONE / EPA / VALDRIN XHEMAJ)
Verzweifelte Suche nach Überlebenden nach Beben in Albanien (Foto: KEYSTONE / EPA / VALDRIN XHEMAJ)

Gleichzeitig stieg die Zahl der Toten auf mindestens 28. Mit der Unterstützung von Spürhunden und rund 200 Experten aus ganz Europa - darunter auch die Schweiz - suchten Bergungsteams in den Ruinen der am schwersten betroffenen Hafenstadt Durres und dem nahegelegenen Ort Thumana nach Verschütteten.

In Durres suchten sie in einem eingestürzten Gebäude nach einer 24-Jährigen, von der sie hofften, dass sie mehr als 24 Stunden nach dem Beben immer noch am Leben war. In einem nahegelegenen Haus konnten die Helfer hingegen nur noch die Leichen eines älteren Paars bergen.

In der Nacht hatten sie deren Sohn zunächst lebend aus den Trümmern holen können, doch erlag er wenig später im Spital seinen Verletzungen. Nach Angaben einer Nachbarin lebte und arbeitete der Sohn wie viele Albaner im Ausland und war nur zu Besuch bei seinen Eltern, als das Beben ihr Haus zum Einsturz brachte.

Das Beben der Stärke 6,4 hatte die Menschen am frühen Dienstagmorgen im Schlaf überrascht. Viele Gebäude stürzten ein, Dutzende weitere wurden schwer beschädigt. Das schwerste Beben in dem Land seit 1926 war in grossen Teilen der Balkanregion zu spüren, und auch in Bosnien bebte Stunden später die Erde. Seitdem wurden rund 300 Nachbeben gezählt.

Insgesamt 650 Menschen wurden nach albanischen Behördenangaben verletzt. Wie viele noch vermisst wurden, war zunächst unbekannt. Ministerpräsident Edi Rama ordnete für Mittwoch Staatstrauer an. Alle Feiern zum Unabhängigkeitstag am 28. und 29. November wurden abgesagt. Über Durres und Thumana verhängte Rama einen 30-tägigen Notstand.

In den beiden am schwersten betroffenen Ortschaften verbrachten tausende Menschen die Nacht in von den Rettungskräften aufgestellten Zelten. Viele dürfen erst in ihre Wohnungen zurückkehren, wenn die Untersuchungen zu deren Zustand abgeschlossen sind.

Andere trauen sich nicht in ihre Häuser zurück. Vor allem in den Touristenhochburgen wird seit Jahren wie wild gebaut, oftmals ohne Rücksicht auf die Sicherheit der Gebäude.

Aus Solidarität mit dem Nachbarland erklärte auch das Kosovo den Mittwoch zum Tag der Trauer. Die meisten Einwohner dort sind ebenfalls Albaner, und unter den Opfern in Durres befinden sich auch zwei kosovarische Brüder, die sich dort für ihre Arbeit aufgehalten hatten, wie Kosovos Botschafter in Tirana im Fernsehen berichtete.

Die Erderschütterung in Albanien mit ihren zahlreichen, unterschiedlich starken Nachbeben blieb kein isoliertes Phänomen in der östlichen Mittelmeerregion. Ein Seebeben der Stärke 6,1 erschütterte am Mittwoch die südliche Ägäis. Sein Zentrum lag im Mittelmeer in einer Tiefe von 70 Kilometern.

Zu spüren waren die Erdstösse auf der Halbinsel Peloponnes sowie in Athen und auf der Insel Kreta. Schäden richtete das Beben keine an, weil es sich in 60 Kilometer Tiefe unter dem Meer ereignete, erklärten griechische Seismologen.

(sda)

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