Viel mehr als nur Surrealistin: Meret Oppenheim im Kunstmuseum Bern


News Redaktion
Schweiz / 20.10.21 10:33

Ihre Pelztasse ist weltbekannt und hat die Künstlerin Meret Oppenheim in den 1930-er Jahren zu einer wichtigen Vertreterin des Surrealismus gemacht. In einer grossen Retrospektive zeigt das Kunstmuseum Bern, dass Oppenheim weit mehr war als das.

Zwei Mitarbeitende bringen das Werk
Zwei Mitarbeitende bringen das Werk "Neue Sterne" von Meret Oppenheim in die Ausstellungsräume des Kunstmuseums Bern. (FOTO: Keystone/PETER KLAUNZER)

Die Wahlbernerin liess sich zeitlebens nie in Schubladen stecken und hat unablässig zeitgenössische Einflüsse verarbeitet. In Bern werden nun erstmals Oppenheims wenig aufgearbeitete Werke der Nachkriegsjahre reflektiert und Affinitäten zu zeitgenössischen Kunstströmungen wie Pop Art, Nouveau Réalisme, Arte Povera oder postmodernem Design aufgezeigt.

In Zusammenarbeit mit der Menil Collection in Houston und dem Museum of Modern Art in New York ist die erste grosse transatlantische Retrospektive zu Meret Oppenheim entstanden, in der ihr Werk aus fünf Jahrzehnten zu sehen ist. Das teilte das Kunstmuseum Bern am Mittwoch mit.

Oppenheims radikal offenes Kunstkonzept, ihre Verbundenheit mit den lebendigen Kunstszenen in Paris, Basel und Bern sowie deren Bedeutung für ihre künstlerischen Schaffensphasen werden in dieser Ausstellung deutlich.

Die Retrospektive umfasst rund 150 Schlüsselwerke auf Papier, Objekte, Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde und gibt Einblick in das weltweit grösste Museumskonvolut der Künstlerin im Kunstmuseum Bern. Bern ist die erste Station der Ausstellung und die einzige in Europa.

Die Ausstellung öffnet am 22. Oktober ihre Tore und dauert bis Mitte Februar 2022.

Meret Oppenheim wurde 1913 in Berlin geboren. Nach der Schulzeit fällte sie den Entschluss, Künstlerin zu werden. Mit nur 18 Jahren fuhr sie 1932 erstmals für einige Monate nach Paris. Dort lernte sie Künstler wie Jean Arp, Alberto Giacometti, Max Ernst und Sophie Taeuber-Arp kennen.

In den 1930-er Jahren emigrierte die Familie in die Schweiz, da sie aufgrund ihres jüdischen Namens in Deutschland diskriminiert wurde. In Basel fühlte sich Oppenheim isoliert von ihren Pariser Künstlerfreunden, von denen viele ebenfalls vor den Nationalsozialisten geflohen waren.

1949 heiratete Oppenheim Wolfgang La Roche und zog mit ihm nach Bern. Dort endete schliesslich 1954 die seit 1937 anhaltende und von Oppenheim selbst als Krise bezeichnete Phase. Sie bezog ein Atelier und wurde Teil der sehr lebendigen Berner Kunstszene, die sich regelmässig im Café du Commerce traf.

1972 bezog sie wieder ein Atelier in Paris und pendelte von da an zwischen Bern, Paris und Carona im Tessin. 1984 zeigte die Kunsthalle Bern erstmals eine grosse Oppenheim-Retrospektive.

Unweit des Kunstmuseums Bern steht seit 1983 ein von Oppenheim geschaffener Brunnen. An dem Kunstwerk schieden und scheiden sich die Geister bis heute.

Der Brunnen besteht aus einer Betonsäule, an der spiralförmig Wasser herunterfliesst. In den Wasserrinnen haben sich über die Jahre, von der Künstlerin so gewollt, Pflanzen angesiedelt. Im Winter bilden sich Eiszapfen. Das kalkhaltige Wasser bildet Tuffsteinauswüchse.

www.kunstmuseumbern.ch

(sda)


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