Volk entscheidet über "Ehe für alle" und "99-Prozent-Initiative"


News Redaktion
Schweiz / 26.09.21 04:34

In der Schweiz sollen auch gleichgeschlechtliche Paare zivil heiraten und Kinder adoptieren dürfen. Am Sonntag entscheidet das Stimmvolk über die "Ehe für alle" und die "99-Prozent-Initiative" der Jungsozialisten, die höhere Steuern auf Kapitaleinkommen fordert.

Heute ist Abstimmungssonntag: Das Stimmvolk entscheidet über die
Heute ist Abstimmungssonntag: Das Stimmvolk entscheidet über die "Ehe für alle" sowie die "99-Prozent-Initiative" der Jungsozialisten. (Archivbild) (FOTO: Archivbild)

Seit 14 Jahren können gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft registrieren lassen. Rund 700 Paare tun dies jährlich. Bundesrat und Parlament wollen die Rechte homosexueller Paare stärken und die zivile Heirat öffnen. Mit dem Gang zum Standesamt erhalten homosexuelle Paare das Recht, gemeinsam Kinder zu adoptieren und den Partner oder die Partnerin im vereinfachten Verfahren einzubürgern. Zudem erhalten lesbische Paare den rechtlichen Zugang zur Samendatenbank.

Gegen den Entscheid von Bundesrat und Parlament wurde von der EDU das Referendum ergriffen, deshalb kommt die Ehe für alle zur Abstimmung. SVP, EVP, einzelne Mitte-Kantonalsektionen und die Schweizerische Evangelische Allianz unterstützen das Referendum.

Laut Umfragewerten dürfte die Vorlage deutlich angenommen werden. Wäre bereits am 5. September abgestimmt worden, hätten gemäss der zweiten SRG-Umfrage durch das Forschungsinstitut gfs.bern 63 Prozent für die Vorlage gestimmt. Gemäss der Abstimmungsumfrage von 20 Minuten/Tamedia, die vom 9. und 10. September durchgeführt wurde, sagten sogar 67 Prozent der Befragten Ja zur Ehe für alle. Je näher das Abstimmungsdatum rückte, umso höher lag der Ja-Anteil.

Immer weniger Zustimmung in den Umfragen fand hingegen die Volksinitiative Löhne entlasten, Kapital gerecht besteuern (99-Prozent-Initiative) der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten. Ein Prozent der Schweizer Bevölkerung verfügt über rund 42 Prozent des gesamten Vermögens in der Schweiz. Mit der Initiative soll das reichste Prozent stärker besteuert werden zugunsten der 99 Prozent, die nicht zu den Reichsten zählen.

Deshalb soll Kapitaleinkommen, also etwa Einnahmen aus Kursgewinnen auf Aktien oder Dividenden, ab einem bestimmten Schwellenwert zu 150 Prozent besteuert werden, also 50 Prozent höher als Lohneinkommen. Die Mehreinnahmen sollen für die steuerliche Entlastung von mittleren und tiefen Einkommen eingesetzt werden oder etwa für Krankenkassenprämien oder die Bildung.

Wäre am 5. September über die Volksinitiative abgestimmt worden, hätten laut SRG-Umfrage 34 Prozent der Stimmberechtigten die Initiative abgelehnt. Bei der ersten Umfrage hatten sich noch 46 Prozent der Befragten für die Initiative ausgesprochen. Laut der jüngsten Umfrage von 20 Minuten/Tamedia wollten noch 34 Prozent der Befragten ein Ja in die Urne legen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Volksinitiative auch von einer Mehrheit der Stände angenommen werden muss.

Neben den eidgenössischen Abstimmungen wird in neun Kantonen über 15 Sachvorlagen abgestimmt. Dabei geht es unter anderem um einen Klimaschutzartikel in der Berner Kantonsverfassung, die Einführung des Stimmrechtsalters 16 im Kanton Uri, die Einführung des Ausländerstimmrechts im Kanton Solothurn und ein neues Religionsgesetz im Kanton Neuenburg, mit dem auch andere Glaubensgemeinschaften anerkannt werden können als die drei Landeskirchen.

Im Kanton Freiburg können die Stimmberechtigten auch über die Nachfolge des zurücktretenden SP-Ständerats Christian Levrat bestimmen. Zur Wahl stehen die frühere Staatsrätin Isabelle Chassot von der Mitte, die inzwischen das Bundesamt für Kultur leitet, sowie der Oberamtmann des Saanebezirks, Carl-Alex Ridoré (SP).

(sda)


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