Was dieses Podest bedeutet: Meillards Premiere als nächste Bestätigung


Roman Spirig
Sport / 19.12.18 17:11

Loïc Meillard steht im Weltcup zum ersten Mal auf dem Podest. Der Walliser wird im Riesenslalom in Saalbach bei der Siegpremiere des Slowenen Zan Kranjec Zweiter.

Was dieses Podest bedeutet: Meillards Premiere als nächste Bestätigung  (Foto: KEYSTONE / AP / Marco Tacca)
Was dieses Podest bedeutet: Meillards Premiere als nächste Bestätigung (Foto: KEYSTONE / AP / Marco Tacca)

War der 3. Platz von Thomas Tumler Anfang Dezember im Riesenslalom in Beaver Creek aus heiterem Himmel gekommen, war das Staunen über den 2. Rang von Loïc Meillard im Zielraum in Saalbach weniger gross. Der erste Podiumsrang des gebürtigen Neuenburgers, der im Alter von 14 Jahren mit seiner Familie ins Wallis gezogen war, war vielmehr die Bestätigung für ein Talent, dessen Vormarsch nur eine Frage der Zeit schien.

Gemeinsam ist Tumler und Meillard, dass sie als Erste aus der Schweizer Equipe das umzusetzen vermochten, was Trainer und Fahrer vor Saisonbeginn angedeutet hatten. Sie alle hatten Hoffnungen geschürt und waren in ihren Prognosen sehr zuversichtlich gewesen - ohne überheblich zu wirken. Die Ankündigungen, eine Mischung aus Optimismus und Realismus, tönten glaubhaft. Schon nach vier Weltcup-Riesenslaloms in diesem Winter besteht Gewissheit: Die Protagonisten von Swiss-Ski hatten nicht zuviel versprochen. Riesenslalom als Sorgendisziplin war einmal. Die Schweizer Fahrer sind in der alpinen Basissparte wieder wer.

Meillard ist Sinnbild für die Entwicklung der Schweizer Riesenslalom-Fahrer. Seine ersten sechs Starts im Weltcup endeten ausnahmslos mit der Nicht-Qualifikation für den zweiten Durchgang. Das war im Winter 2015/2016. Es war die Zeit, als schon der Vorstoss eines Schweizers in die ersten zehn Beachtung gefunden hatte. Meillard fand danach zwar den Tritt besser und schaffte am Ende jenes Winters als Achter in Kranjska Gora seine erste einstellige Klassierung. Noch fehlte ihm aber die Konstanz, um regelmässig mit den Besten mitzuhalten.

Meillard tat Schritt für Schritt, unaufgeregt, geduldig und im Wissen, von den Trainern die Zeit zu bekommen, um sich ohne Druck weiterentwickeln zu können. Am Ende des vergangenen Winters war er schon nahe dran am Podium; beim Finale im WM-Ort Are wurde er im Riesenslalom Vierter. Es war mehr als die knapp verpasste Premiere unter den ersten drei. Mit jener Leistung hatte er sich und den Trainern endgültig bewiesen, dass die eingeschlagene Richtung stimmt und dass der nächste Schritt mit Überzeugung angegangen werden kann.

Meillard tat nun diesen Schritt. Nach den Rängen 5 in Beaver Creek und Val d'Isère sowie Platz 8 in Alta Badia erklomm er die nächste Stufe. Nicht viel hätte gefehlt, und Meillard hätte am Ende sogar als Gewinner dagestanden. Wie nahe dran er am ganz grossen Coup war, zeigt nicht nur sein Rückstand von 19 Hundertsteln, sondern vielmehr der Vergleich mit Kranjec bei der letzten Zwischenzeitnahme. Beim Messpunkt rund 20 Fahrsekunden vor dem Ziel hatte Meillard noch 45 Hundertstel vor dem Slowenen gelegen.

Im Schlussabschnitt des zweiten Durchgangs vergab auch Gino Caviezel eine bessere Klassierung. Ohne den ärgerlichen Fehler wäre mehr als Rang 12 möglich gewesen. Drittbester Schweizer war Cédric Noger auf Platz 18. Der St. Galler aus Wil war schon bei seinem zweiten Start im Weltcup im zweiten Durchgang dabei. Noger hatte im ersten Lauf zwar nur Rang 31 eingenommen, profitierte aber von der nachträglichen Disqualifikation von Marco Odermatt wegen eines Torfehlers.

Kranjec feierte nicht nur eine persönliche Premiere. Er sorgte auch für den ersten Sieg in einem Weltcup-Riesenslalom eines Slowenen seit der Abspaltung des Landes im Jahr 1991 von Jugoslawien. Unter der Flagge des einstigen Vielvölkerstaates hatte lediglich einmal ein Fahrer in dieser Disziplin gewonnen, nämlich Boris Strel vor 37 Jahren in Cortina d'Ampezzo. Kranjec selber hatte es zuvor einmal unter die ersten drei geschafft, vor einem Jahr als Dritter in Alta Badia.

Und Marcel Hirscher? Der Dominator der Szene musste sich ausgerechnet vor Heimpublikum, rund anderthalb Fahrstunden von seinem Wohnort Annaberg entfernt, wieder einmal geschlagen geben. Hirscher wurde Sechster, womit eine lange Serie zu Ende ging. Zum ersten Mal seit Beginn der vorletzten Saison und 18 Weltcup-Riesenslaloms verfehlte er eine Klassierung unter den ersten drei.

(sda)


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