Wer kann Überflieger Pogacar aufhalten?


News Redaktion
Sport / 29.06.22 11:18

Tadej Pogacar strebt an der Tour de France seinen 3. Gesamtsieg in Folge an. Die grösste Konkurrenz erwartet den Slowenen aus dem Lager von Jumbo-Visma, mit den beiden Co-Leadern Roglic/Vingegaard.

Strebt seinen dritten Tour-Sieg in Folge an: Tadej Pogacar (FOTO: KEYSTONE/AP/CHRISTOPHE ENA)
Strebt seinen dritten Tour-Sieg in Folge an: Tadej Pogacar (FOTO: KEYSTONE/AP/CHRISTOPHE ENA)

Tadej Pogacar ist zwar erst 23 Jahre alt, und doch ist er schon ein ganz Grosser im Radsport. Vergleiche mit Legenden wie Eddy Merckx oder Bernard Hinault kommen nicht von ungefähr, wird dem Slowenen doch zugetraut, die Tour de France wie einst der belgische "Kannibale" und Frankreichs Nationalheld (wie auch Jacques Anquetil und Miguel Indurain) fünf Mal gewinnen zu können.

Aktuell steht Pogacars Siegquote nach zwei Teilnahmen bei 100 Prozent. An seiner makellosen Bilanz dürfte sich auch in diesem Sommer nichts ändern, nimmt man die erste Saisonhälfte als Massstab: Bereits zehn Siege stehen auf seinem Konto. Zuletzt triumphierte der Ausnahmekönner aus Komenda überlegen an der Slowenien-Rundfahrt, während andere sich an der Tour de Suisse oder bei der Dauphiné-Rundfahrt versuchten, in Form zu bringen.

Die fünftägige Tour durch seine Heimat ist zwar kein endgültiger Gradmesser, dafür fehlten die grössten Konkurrenten. Ein Fingerzeig auf die Form des Topfavoriten war sie aber allemal. Und diese zeigt: Pogacar befindet sich schon wieder in einer blendenden Verfassung. Der kletterstarke Allrounder, der auch bei den Klassikern im Frühjahr ganz vorne mitmischen konnte, fuhr der Konkurrenz in den entscheidenden Momenten spielend leicht davon.

Praktisch nicht von seiner Seite wich sein Teamkollege Rafal Majka. Der erfahrene und vielseitig befähigte Pole dürfte an der Tour de France so etwas wie Pogacars Edelhelfer in allen Lagen sein. Allgemein hat UAE Emirates das Aufgebot voll auf seinen grossen Star ausgerichtet.

Kletterstarke Fahrer wie Brandon McNulty, Marc Soler oder George Bennett stehen dem jungen Slowenen in der dreiwöchigen Rundfahrt ebenso zur Seite, wie die Klassiker-Spezialisten Mikkel Bjerg und Marc Hirschi. Der Berner rückte kurzfristig für den an Corona erkrankten Matteo Trentin ins achtköpfige Aufgebot.

Pogacar ist zweifelsohne jener Fahrer, den es auf den knapp 3350 Kilometern bis nach Paris zu schlagen gilt. Auch, weil er der wohl kompletteste Fahrer im Feld ist. Er kann Zeitfahren, Klettern und Kopfsteinpflaster fahren wie die besten Spezialisten in jedem Feld.

Im Duell Mann gegen Mann reicht ihm aktuell keiner das Wasser, das ist man sich auch bei Jumbo-Visma bewusst. Deshalb schickt die niederländische Equipe mit Pogacars Landsmann Primoz Roglic und dem Dänen Jonas Vingegaard gleich eine Doppelspitze ins Rennen, die aktuell im Peloton ihresgleichen sucht. Nach dem Motto: Zwei sind mehr als ein Pogacar.

Zuletzt dominierten Roglic, der Gesamtzweite von 2020, und der Vorjahreszweite Vingegaard das Geschehen an der Dauphiné-Rundfahrt, die sie auf den Rängen 1 und 2 abschlossen. Allerdings fährt man bei Jumbo-Visma zweigleisig: Neben dem gelben Leadertrikot haben sich die Niederländer auch das grüne Punktetrikot zum Ziel gesetzt und den sechsfachen Tour-Etappensieger Wout van Aert mit dieser Aufgabe betraut.

Sogar mit einer Dreierspitze tritt Ineos Grenadiers zur 109. Ausgabe der "Grande Boucle" an: Geraint Thomas, jüngst Gewinner der Tour de Suisse und 2018 Sieger der Tour de France, Daniel Martinez und der zuletzt an Corona erkrankte Adam Yates fahren auf die Gesamtwertung. Derweil peilt ihr Teamkollege Filippo Ganna, der zweifache Weltmeister im Zeitfahren, bei seinem Tour-Debüt in seiner Spezialdisziplin das erste Maillot jaune an.

Das gut 13 km lange Auftaktzeitfahren in Kopenhagen markiert den Beginn einer happigen Startwoche, vor der sich viele Fahrer fürchten. "Die erste Woche macht mir Angst", erzählte etwa Pogacar gegenüber der "Gazzetta dello Sport". Der fiese Wind entlang der dänischen Küste, extrem profiliertes Gelände, enge Strassen und sogar Kopfsteinpflasterpassagen werden den Favoriten und ihren Helfern alles abverlangen. "Es wird ums Überleben gehen", so Pogacar, der weiss, dass man die Tour in der ersten Woche nicht gewinnen, aber sehr wohl verlieren kann."

Seine Herausforderer werden versuchen, ihm das Leben in der ersten Woche so schwer wie möglich zu machen. Und sollte dem Topfavoriten ein grösseres Missgeschick unterlaufen, werden seine Gegner bereit sein.

(sda)


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