Werner Schlegel könnte der Adrian Käser von 2022 sein


Eliane Schelbert
Schwingen / 23.08.22 07:35

Nicht nur als Co-Kommentator bei SRF ist Adrian Käser, der Schwingerkönig 1989, heute sehr nahe am Geschehen. Für Keystone-SDA macht er sich vor dem Eidgenössischen in Pratteln ein paar Gedanken.

Werner Schlegel könnte der Adrian Käser von 2022 sein (Foto: KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI)
Werner Schlegel könnte der Adrian Käser von 2022 sein (Foto: KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI)

Mit 18 Jahren wurde Adrian Käser der bis heute jüngste Schwingerkönig. Der hohe Favorit hiess damals Eugen Hasler. Käser erinnert sich an jenes Schönwetter-Wochenende in Stans: "Ich war nach dem ersten Tag etwas niedergeschlagen, weil ich zwei Gänge nicht gewonnen hatte. Drei Siege hätte ich haben wollen. Am Abend ging ich früh schlafen, am Sonntag war ich gut erholt und sehr motiviert. Danach ging es von Gang zu Gang besser."

Der Aussenseiter war er im Schlussgang dennoch, denn "Geni" Hasler war der dominierende Schwinger jener Zeit. Nach Käsers Sieg erzählte man sich sogar - und es wird noch heute immer wieder herumgeboten -, der hochfavorisierte "Geni" Hasler habe den grossen Berner Bub Käser nicht nur besiegen, sondern möglichst schön und spektakulär besiegen wollen. Adrian Käser räumt mit dieser Geschichte auf. "In dieser Situation im Schlussgang macht ein Schwinger dies niemals, auch Hasler machte es nicht. Er siegte damals fast immer aus dem Stand. Es kamen viele Angriffe von ihm. Ich konnte mich immer ausdrehen, auch über meine Brücke. Mit der Brücke konnte ich viele Niederlagen abwenden. Dies war vielleicht auch ein Grund dafür, dass meine Karriere etwas weniger lang gedauert hat. Ich hatte mit der Zeit Abnützungserscheinungen an der Halswirbelsäule. Im Schlussgang hatte ich nie das Gefühl, dass ich nahe am Verlieren war." Eine Sensation war Käsers Triumph allemal.

Adrian Käser sieht vor dem Eidgenössischen in Pratteln den St. Galler Werner Schlegel in einer ähnlichen Rolle und mit ähnlichen Chancen. "Ich war 18, er ist heute 19. Werner hat zahlreiche Spitzenränge, und er konnte viele gute Gegner schlagen. Ja, einfach wie ich damals."

Adrian Käser wusste seinerzeit ein starkes Team im Rücken. Bis heute ist der geschlossene Verbund eine Stärke der Berner. Eine Rivalität gibt es auch unter den sechs Bernern Gauverbänden, zwischen Oberaargauern und Emmentalern, zwischen Mittelländern und Oberländern beispielsweise. "Aber sobald Berner Delegationen an Bergkranzfeste gehen, treten die Berner als Team auf." Erst recht an einem Eidgenössischen. Adrian Käser ist ebenfalls der Meinung, dass die Berner Schwinger gegenüber den Schwingern der anderen Teilverbände einen gewissen Vorteil dadurch haben, dass sie aus einem einzigen Kanton kommen. 1989 in Stans präsentierten sich die Berner erstmals und als erster Teilverband in einem einheitlichen Tenü. Heute tun es alle, aber eine Einheitstenü macht noch keine Einheit.

Adrian Käser beobachtet seit Jahren die für ihn erfreulichen Wellenbewegungen im Berner Verband. Es liefern immer wieder andere Gauverbände die Spitzenschwinger. War früher eher der Oberaargau der Lieferant, so kommen heute viele der Besten wie Adrian Walther, Fabian Staudenmann, Michael Ledermann und Michael Wiget vom Mittelland, vor allem vom Schwingklub Schwarzenburg. Im Emmental tut sich derzeit der Schwingklub Sumiswald mit starken Leuten wie Matthias Aeschbacher hervor.

Schwingerkönig Stucki, ein Seeländer, ist für Schwingerkönig Käser in jeder Beziehung ein Phänomen. Dennoch weiss Käser, dass es ein Schwinger im höheren Alter immer schwerer hat, weil er anfälliger auf Verletzungen wird. Zudem könne auch ein älterer Schwinger nicht einfach über der Sache stehen. "Ein Schwinger muss in seiner ganzen Karriere auch mit der Nervosität umgehen. Kein Schwinger wird jemals sagen können, er werde nie nervös."

Adrian Käser hätte ohne Zweifel eine Karriere als Funktionär aufnehmen können, vielleicht hätte er es bis zum Eidgenössischen Technischen Leiter gebracht. Aber heute beschränkt er sich darauf, der Technische Leiter des Schwingklubs Kirchberg zu sein. Den Grund dafür findet man in der Familie: Remo Käser, seit 2016 ein Eidgenosse. Adrian Käser sah die Gefahr, dass es immer wieder heissen könnte, er bevorzuge in den höheren Chargen seinen Filius.

(sda)


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