Wieder mehr Stellenabbau und Restrukturierungen am Arbeitsmarkt


News Redaktion
Wirtschaft / 19.01.23 06:29

Der Schweizer Arbeitsmarkt könnte die Glanzzeiten hinter sich haben. "Es kommt in naher Zukunft wieder zu mehr Kündigungen", stellte eine Studie der Outplacementfirma Von Rundstedt fest, die Entlassene bei der Suche nach einer neuen Stelle unterstützt.

Der Schweizer Arbeitsmarkt könnte die Glanzzeiten hinter sich haben. Es kommt laut einer Studie in naher Zukunft wieder zu mehr Kündigungen. (Symbolbild, Gestellte Aufnahme: Eine Beratungssituation am Tablet im Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums RAV in Locarno) (FOTO: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)
Der Schweizer Arbeitsmarkt könnte die Glanzzeiten hinter sich haben. Es kommt laut einer Studie in naher Zukunft wieder zu mehr Kündigungen. (Symbolbild, Gestellte Aufnahme: Eine Beratungssituation am Tablet im Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums RAV in Locarno) (FOTO: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Denn "seit Mitte 2022 sind wieder vermehrt Kündigungen ausgesprochen und erste Abbauprojekte und Restrukturierungen angekündigt worden", hiess es in der am Donnerstag veröffentlichten Studie. Insgesamt wurden drei Viertel der Entlassungen mit einem Arbeitsplatzabbau oder einer Restrukturierung begründet. Im Vorjahr waren es lediglich zwei Drittel gewesen.

Die Unternehmen würden nicht nur neues Personal suchen, sondern gleichzeitig auch Personal freistellen, um die Organisation anzupassen. "Das deutet noch nicht auf eine Rezession, aber auf eine Art Normalisierung des Arbeitsmarktes hin", hiess es.

Die Studie basiert auf den Informationen von 1866 von einer Kündigung betroffenen Mitarbeitern und von 192 Unternehmen aus verschiedenen Branchen, welche im vergangenen Jahr in der Schweiz Kündigungen ausgesprochen haben.

Relativ am stärksten betroffen war die Pharma- & Biotechbranche inklusiv Zulieferern, auf die gut ein Viertel aller Kündigungen entfiel. Das ist deutlich mehr als vor einem Jahr (17 Prozent). Dagegen ist in der Industrie (von 18 auf 9 Prozent) und in der Branche Business Services & Dienstleistungen (24 auf 15 Prozent) der Anteil deutlich gesunken.

Besonders zu spüren bekommt dies die Älteren. 39 Prozent aller Kündigungen betrafen über 50-Jährige. Diese Quote liegt signifikant über dem Vorjahr (31 Prozent) und dem Anteil der Ü50 an den Beschäftigten (32 Prozent). In den letzten Jahren hat sich dieser Wert meistens in der Nähe der Beschäftigungsquote (30 bis 32 Prozent) bewegt. Im Jahr 2022 sind also relativ gesehen viel mehr Ü50 entlassen worden.

Offenbar führe die gute Marktlage für Stellensuchende und die vielen offenen Jobs dazu, dass Arbeitgeber sich keine grossen Sorgen mehr um Betroffene machen und sich auch nicht mehr vor negativer Presse und Reputationsschäden bei Kündigungen von Ü50 fürchten würden, hiess es.

"Diese Rechnung mag aktuell in der anhaltenden Phase der Hochkonjunktur aufgehen. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Praxis nach der Konjunkturabkühlung und der einhergehenden Marktnormalisierung wieder ändert", schrieb von Rundstedt.

Allerdings gibt es auch Lichtblicke für die älteren Entlassenen: Sie finden viel schneller wieder eine neue Stelle. Die Suchdauer für die Ü50 habe sich innert zwei Jahren von 8,3 Monaten (2020) auf 6,9 Monate (2021) und mittlerweile 6,1 Monate (2022) reduziert. "Das ist fantastisch", schrieb von Rundstedt. Über alle Alterskategorien hinweg ist die durchschnittliche Suchdauer nochmals leicht auf 5,2 Monate gesunken von 5,3 Monaten im Vorjahr.

Immer mehr Stellen werden öffentlich ausgeschrieben und immer mehr neue Jobs über Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen gefunden. Das sind mittlerweile etwas mehr als die Hälfte aller neuen Stellen, was signifikant über dem Vorjahr (gut ein Drittel) liegt.

Personalvermittler und Headhunter verloren dagegen bei der Stellensuche relativ an Bedeutung. 2022 haben nur noch 3 Prozent der Stellensuchenden ihre neuen Job über einen Personalvermittler gefunden. Dies ist im Vergleich zu den Vorjahren ein grosser Rückgang (2021: 9 Prozent), wie von Rundstedt schrieb. Auch der verdeckte Arbeitsmarkt und das persönliche Netzwerk sind bei der Jobsuche nicht mehr so bedeutungsvoll wie in den Vorjahren.

(sda)


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