Wilson gewinnt Bronze mit Schweizer Rekord


Roman Spirig
Sport / 09.08.18 22:00

Alex Wilson gewann für die Schweiz die erste Medaille an den Europameisterschaften in Berlin. Der Basler lief im Final über 200 m hinter dem Weltmeister Ramil Guliyev aus der Türkei und zeitgleich mit dem Briten Nethaneel Mitchel-Blake als Dritter über die Ziellinie.

Wilson gewinnt Bronze mit Schweizer Rekord  (Foto: KEYSTONE / AP / Matthias Schrader)
Wilson gewinnt Bronze mit Schweizer Rekord (Foto: KEYSTONE / AP / Matthias Schrader)
(Foto: KEYSTONE / EPA / SRDJAN SUKI)
(Foto: KEYSTONE / EPA / SRDJAN SUKI)
(Foto: KEYSTONE / AP / Martin Meissner)
(Foto: KEYSTONE / AP / Martin Meissner)
(Foto: KEYSTONE / EPA / SRDJAN SUKI)
(Foto: KEYSTONE / EPA / SRDJAN SUKI)

Nachdem Wilson die Ziellinie passiert hatte, wusste er nicht, ob es für einen Podestplatz gereicht hatte, dermassen knapp ging es hinter dem in einer eigenen Liga laufenden türkischen Weltmeister Ramil Guliyev zu und her. Europameister wurde Guliyev mit 19,76 Sekunden. Wilson fehlten am Ende sechs Tausendstel zur Silbermedaille, die sich der Brite Nethaneel Mitchell-Blake sicherte. Allerdings lag Wilson auch nur eine Hundertstelsekunde vor dem Spanier Bruno Hortelano. Den eigenen, an den nationalen Meisterschaften in Zofingen erzielten Schweizer Rekord verbesserte er um einen Zehntel.

Wilson ist der erste männliche Schweizer seit Peter Muster im Jahr 1978, der im Sprint eine EM-Medaille geholt hat. Restlos zufrieden war er aber nicht. "Ich hatte auf eine Zeit unter 20 Sekunden gehofft", sagte der kürzlich Vater gewordene Wilson. "Ich versuchte alles, war aber nicht gut genug, um zu gewinnen." Als er sah, dass Mitchell-Blake die gleiche Zeit wie er hatte, dachte er "Sch...". Es sei ein grosser Unterschied, ob man Zweiter oder Dritter werde.

Wie fühlte sich der Lauf an? "Gut. Allerdings bin ich nicht so gut aus der Kurve gekommen wie im Halbfinal. Ich musste am Schluss alles geben." Druck verspürte er vor dem Rennen keinen. Wird nun gefeiert? "Es gibt nichts zu feiern. Ich muss am Sonntag noch mit der Staffel laufen". Dann will er abermals auf dem Podest stehen, wie auch im kommenden Jahr an den Weltmeisterschaften in Doha. "Ich muss mir nun ja neue Ziele setzen", so Wilson mit einem Schmunzeln.

Der Podestplatz in Berlin war eine Ansage - im wörtlichen Sinn. Allerdings hatte Wilson in der Vergangenheit schon öfters grossspurige Sätze von sich gegeben. Diesmal allerdings "lieferte" er auch. "Es ist egal, was die Menschen glauben. Das Wichtigste ist, dass ich selber an mich glaube."

Das entscheidende Puzzleteil für den Erfolg im Olympiastadion war der im Herbst 2016 vollzogene Wechsel in die Londoner Gruppe von Lloyd Cowan und Clarence Callender. In der englischen Hauptstadt lernte Wilson, an die Grenzen zu gehen. Er war es sich nicht gewohnt, dermassen hart zu arbeiten. Manchmal machte er an einem Tag mehr Sprints als zuvor in einer ganzen Woche. Das Trainingsprogramm beinhaltet auch Dauerläufe über fünf Kilometer oder Yoga. Ausserdem gehört ein Ernährungsberater zum Staff. Wilson, der das Leben gerne geniesst, musste einige Kilogramm abnehmen. Immer wieder fragte er sich, ob sich die ganze Quälerei lohnt.

Doch er blieb dran, auch weil sich die Erfolge rasch einstellten. Ende Mai 2017 gelang ihm in Weinheim mit 10,11 Sekunden der noch heute gültige Schweizer Rekord über 100 m. Am gleichen Tag erzielte er mit 20,37 Sekunden über 200 m ebenfalls eine nationale Bestmarke. Danach ging es aber bergab. Am wichtigsten Wettkampf der Saison, den Weltmeisterschaften in London, überzeugte er einmal mehr nicht.

Der Plan war aber ohnehin auf zwei Jahre ausgerichtet. Und tatsächlich ist in diesem Jahr ein anderer Alex Wilson zu sehen, insbesondere über 200 m, also jener Disziplin, auf die das Hauptaugenmerk gelegt wurde. Die 20,04 Sekunden waren Wilsons fünfter Schweizer Rekord über die halbe Bahnrunde 2018, das unterstreicht, mit welcher Konstanz er mittlerweile läuft.

Wilson, der seit 2010 den roten Pass besitzt, hat keinen einfachen Weg hinter sich. Mit 15 Jahren zog er aus Jamaika in die Schweiz, da seine Mutter einen Schweizer geheiratet hatte. Er sprach kein Wort Deutsch, hatte Mühe mit der hiesigen Kultur und verspürte grosses Heimweh. Als er damals im Dezember ankam, sah er zum ersten Mal Schnee. Sehr hilfreich war, dass eine Lehrerin sein grosses Sprinttalent erkannte und ihn zu den Old Boys Basel ins Training schickte. Die Leichtathletik gab Wilson Halt. Und nun hat sich die ganze Schinderei ausbezahlt.

Für mehr News - hier klicken

(sda / Central Redaktion)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

YB verlängert mit Seydoux bis 2021
Sport

YB verlängert mit Seydoux bis 2021

Die Young Boys haben den Vertrag mit Léo Seydoux bis Sommer 2021 verlängert. Der 20-jährige Aussenverteidiger gab Ende September beim 2:0-Heimsieg gegen St. Gallen sein Debüt in der Super League.

EVZ-Achtelfinalgegner in der Champions Hockey League steht fest
Sport

EVZ-Achtelfinalgegner in der Champions Hockey League steht fest

Der EV Zug trifft in den Achtelfinals der Champions Hockey League auf einen Landesnachbarn. Es geht in die Oktoberfest-Stadt München.

Schock in Brunnen -  Todesopfer ist Filial-Leiterin der Sparkassenbank
Regional

Schock in Brunnen - Todesopfer ist Filial-Leiterin der Sparkassenbank

In Brunnen ist der Schock gross, weil man gestern die Leiche einer Frau gefunden hat, die wahrscheinlich verbrannt wurde . Jetzt ist die Identität von der Leiche vermutlich geklärt. Wie Recherchen von Radio Central am Morgen zeigten, handelt es sich um die Filial-Leiterin von der Sparkassenbank im Dorf.

Tote Person in Brunnen SZ offenbar Opfer von Gewaltdelikt
Regional

Tote Person in Brunnen SZ offenbar Opfer von Gewaltdelikt

Die Polizei hat heute Donnerstagnachmittag in Brunnen SZ eine leblose Person gefunden. Sie geht von einem Gewaltdelikt aus und hat einen jungen Mann festgenommen.