WM-Silber hat Fischers Hunger noch lange nicht gestillt: "Wir müssen noch härter arbeiten"


Roman Spirig
Sport / 07.11.18 14:23

Nationaltrainer Patrick Fischer hat sich mit dem Gewinn der WM-Silbermedaille viel Goodwill geholt. Am Deutschland Cup in Krefeld mit der Slowakei, Deutschland und Russland als Gegnern setzt er in erster Linie auf Perspektivspieler.

WM-Silber hat Fischers Hunger noch lange nicht gestillt: Wir müssen noch härter arbeiten  (Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
WM-Silber hat Fischers Hunger noch lange nicht gestillt: Wir müssen noch härter arbeiten (Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)

Der Exploit in Kopenhagen hat gezeigt, dass Fischers Vision, auch gegen die Topteams das Spiel zu prägen und etwas zu kreieren, mehr als nur ein Wunschgedanke ist. "Der Glaube der Spieler und des Umfelds diesbezüglich ist nun grösser", sagte Fischer. Nun soll der nächste Schritt folgen - der Sprung in die Top 6. Das ist ein ambitiöses Ziel, obwohl die Schweizer in der Weltrangliste auf dem 7. Platz klassiert sind.

"Wir sind uns am Herankämpfen", so Fischer. "Das Momentum ist nun auf unserer Seite. Wir dürfen uns aber sicher nicht ausruhen und denken, dass jetzt alles gut sei. Insofern ist konstant Druck vorhanden. Wir müssen noch härter arbeiten. Im Abschluss sind wir immer noch nicht dort, wo wir sein wollen. Wir müssen lernen, der Scheibe Sorge zu tragen, die richtigen Entscheide zu treffen, Tore zu schiessen. Dort haben wir immer noch Aufholbedarf."

Hilfreich in diesem Prozess ist, dass Fischer aktuell fest im Sattel sitzt, die kritischen Stimmen verstummt sind, die nach dem kläglichen Scheitern an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang aufgekommen waren. Daran würde auch ein schwaches Abschneiden am Deutschland Cup nichts ändern. Das Turnier bietet deshalb eine ideale Gelegenheit, um jungen Spielern mit Perspektiven wichtige Erfahrungen zu ermöglichen. Im Aufgebot figurieren zwölf Spieler, die im Sommer schon im "Prospect Camp" dabei waren. Dazu kommen solche, die Fischer aufgrund des guten Saisonstarts sehen möchte.

Mit Gilles Senn, Michael Fora, Lukas Frick, Damien Riat und Noah Rod sind in Krefeld fünf Silbermedaillengewinner der diesjährigen WM dabei. Diese sollen für die anderen einerseits Vorbilder sein, andererseits wurden sie aufgeboten, "weil sie noch nicht komplett ausgebildet sind" (Fischer). Mit Gauthier Descloux, Andrea Glauser, Roger Karrer, Jérôme Bachofner und Marco Miranda figurieren auch fünf Spieler im Kader, die zu ihren ersten Einsätzen im Nationalteam kommen werden. Keiner aus diesem Quintett ist älter als 22 Jahre.

"Ich arbeite gerne mit Jungen zusammen", sagte Fischer. "Für uns ist es wichtig, sie besser kennenzulernen und zu sehen, wie sie unter Druck funktionieren. Der Deutschland Cup ist für diese Spieler wichtig." So soll das Turnier Motivation und Inspiration sein und aufzeigen, woran es noch zu arbeiten gibt. "Wir müssen Spieler entwickeln, benötigen in der Zukunft noch mehr Breite", erklärte Fischer. "Starke Konkurrenz belebt das Geschäft." Von den arrivierten Spielern wisse er, wozu sie fähig seien.

Das komplette Team stand Fischer erst am Mittwoch zur Verfügung, da fünf Akteure der ZSC Lions und drei vom EV Zug berücksichtigt wurden, die am Dienstagabend noch in der Champions Hockey League im Einsatz standen. "Das ist sicher nicht ideal", sagte Fischer. Allerdings findet er diesen Wettbewerb für den Entwicklungsprozess der Spieler eine gute Sache. "Die Champions Hockey League gibt unserem Eishockey viel." Warum hat er keine Akteure vom SC Bern und von Lugano aufgeboten? "Dort hat es keine Perspektivspieler, die ins Team reinpassen."

Der Deutschland Cup findet diesmal an vier und nicht an drei Tagen statt - am Freitag geniessen die Schweizer einen Ruhetag. Darüber ist Fischer froh: "Die Qualität der Partien lässt nach, wenn du dreimal nacheinander spielst." Von den drei Torhütern wird jeder einmal eingesetzt. Zum Aufgebot von Gilles Senn, der beim HCD kaum mehr berücksichtigt wird, sagte Fischer: "Er spielte in der letzten Saison gut. Wir wollten ihn nicht hängen lassen. Es ist ein Entscheid für die Zukunft."

Die drei Gegner Slowakei, Deutschland und Russland bezeichnete er als hochkarätig, obwohl die Russen ebenfalls nicht mit dem bestmöglichen Team antreten. Dafür dürften die Deutschen besonders motiviert sein, werden sie doch zum letzten Mal von Bundestrainer Marco Sturm gecoacht. Sturm wechselt in die NHL zu den Los Angeles Kings, bei denen er als Trainerassistent arbeiten wird. "Es ist ein super Test", so Fischer. Was ist das Ziel? "Sportler wollen immer gewinnen. Wichtig ist aber auch die Art und Weise, wie wir spielen."

(sda)


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