YBs Chance in der Zeit des abgeschafften Heimvorteils


News Redaktion
Sport / 25.02.21 04:04

YBs Chancen, erstmals eine K.o.-Runde in der Europa League zu überstehen, waren nie so gut wie jetzt. Für das Sechzehntelfinal-Rückspiel bei Bayer Leverkusen halten die Berner gute Karten in der Hand.

Jordan Siebatcheu (rechts) könnte in Leverkusen YBs Schlüsselspieler werden (FOTO: KEYSTONE/WALTER BIERI)
Jordan Siebatcheu (rechts) könnte in Leverkusen YBs Schlüsselspieler werden (FOTO: KEYSTONE/WALTER BIERI)

Die Geschichte der Young Boys in der Europa League ist nicht reich. Nur zweimal überwinterten sie europäisch, wie es oft heisst. In den Sechzehntelfinals im Februar 2011 gewannen sie gegen Zenit St. Petersburg das Hinspiel in Bern 2:1. Im Rückspiel führten sie 1:0, bevor sie drei Gegentore hinnehmen mussten. Beim zweiten Anlauf im Februar 2015 war Hopfen und Malz verloren. Im Hinspiel im Wankdorf unterlagen die Young Boys dem FC Everton nach einem frühen Führungstor von Guillaume Hoarau 1:4. Im Rückspiel in Liverpool fiel das Verdikt mit 1:3 etwas gnädiger aus. Romelu Lukaku erzielte insgesamt fünf Tore.

Es gibt diesmal ein paar Dinge, die für das Weiterkommen der Berner sprechen. Zwar hat sich Bayer Leverkusen mit der 3:4-Niederlage in Bern in eine auf dem Papier günstige Situation gebracht. Für die Mannschaft von Trainer Peter Bosz sind die drei auswärts erzielten Tore einiges wert. Mit einem 1:0 oder beispielsweise auch einem 2:1 oder einem 3:2 kämen die Leverkusener weiter. Solche Ergebnisse werden von einem bestandenen Bundesliga-Klub im Vergleich mit einer Schweizer Mannschaft in einem Heimspiel allemal erwartet.

Aber ist es für Leverkusen überhaupt ein Heimspiel? Ist es nicht vielmehr das zweite Spiel auf neutralem Terrain? Die pandemiebedingten Geisterspiele zeigen auf, dass die jeweilige Heimmannschaft ohne ihren zwölften Mann, das Publikum, keinen offensichtlichen Vorteil mehr hat. Ein Blick in die Super League zeigt dies. In den 56 Geisterspielen, die einen Sieger ergaben, gewannen Heim- und Auswärtsmannschaften je 28 Mal.

YBs Trainer Gerardo Seoane vermutet, dass die Heimmannschaften nach wie vor einen Vorteil haben, wenn auch einen kleinen: dadurch, dass sie in der gewohnten Umgebung, im vertrauten Stadion spielen können. Dennoch sind die Young Boys nicht gezwungen, den Match vom Donnerstag in der BayArena als Auswärtsspiel anzusehen. Sie können es als zweites Spiel über 90 Minuten betrachten.

Für die Berner spricht ebenso die hervorragende Verfassung, die sich besonders mit der Dominanz in der Meisterschaft manifestiert. Nur noch zwei Spieler aus dem 26er-Kader sind verletzt: Christopher Martins und der Nachwuchsmann Esteban Petignat. Für jede einzelne Position kann Gerardo Seoane auf eine gute bis sehr gute Alternative zurückgreifen. Dadurch kann er den Kräfteverschleiss niedrig halten. Der Trainer verordnete für das Meisterschaftsspiel vom letzten Sonntag gegen Servette (2:0) Jordan Siebatcheu, Nicolas Moumi Ngamaleu und Jordan Lefort eine Pause. Andere Spieler, die Seoane in Leverkusen voraussichtlich ebenfalls in die Anfangsformation setzen wird, beorderte er erst für die Schlussphase aufs Spielfeld.

Eine der guten bis sehr guten Alternativen ist Jordan Siebatcheu. Der Franzose, der nicht nur mit Nationalität und imposanter Körpergrösse an Guillaume Hoarau erinnert, wird in Leverkusen abermals den gesperrten Goalgetter und Schweizer Torschützenkönig Jean-Pierre Nsame ersetzen. Mit seinen zwei Toren beim 4:3-Sieg im Hinspiel hat Siebatcheu seine Schuldigkeit schon getan. Aber er wird darauf drängen, auch im Rückspiel ein entscheidender Spieler zu werden. In der Super League benötigte er für seine bislang acht Tore relativ wenige Einsatzminuten.

Wie Nsame ist auch Innenverteidiger Ali Camara am Donnerstag - nach seiner im Gruppenspiel in Rom eingehandelten Roten Karte - gesperrt. Auch hier braucht Seoane nur mit den Fingern zu schnippen, um die Alternative zu präsentieren: Cedric Zesiger. Der lange Seeländer hat seit seinem Wechsel von den Grasshoppers im Sommer 2019 enorm viele Fortschritte gemacht. So senkte er die Zahl seiner Fehler vor dem eigenen Tor so stark, dass Seoane ihn auch in wichtigen Spielen bedenkenlos einsetzen kann.

Peter Bosz war nach der 3:4-Niederlage im Wankdorf ausser sich. Er konnte nicht glauben, wie schlecht seine Leute vor allem in der ersten Halbzeit gespielt hatten. Am Donnerstag liegt es an den Young Boys, dem Niederländer die Zornesröte ins Gesicht zu treiben.

Bayer Leverkusen - Young Boys. - Donnerstag, 21.00 Uhr. - SR Massa (ITA).

Bayer Leverkusen: Lomb; Frimpong, Tah, Dragovic, Wendell; Wirtz, Aranguiz, Demirbay; Bailey, Schick, Diaby.

Young Boys: Von Ballmoos; Hefti, Lustenberger, Zesiger, Lefort; Fassnacht, Aebischer, Lauper, Moumi Ngamaleu; Elia, Siebatcheu.

Bemerkungen: Bayer Leverkusen ohne Bellarabi, Baumgartlinger, Lars Bender, Paulinho, Hradecky, Arias (alle verletzt) und Amiri (krank). Young Boys ohne Nsame, Camara (beide gesperrt), Martins und Petignat (beide verletzt).

(sda)


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