YBs Saisonbeginn mit einem wichtigen K.o.-Spiel


News Redaktion
Sport / 16.09.20 04:04

Noch bevor es in der Super League losgeht, bestreiten die Young Boys am Mittwoch ein wichtiges Spiel, gegen Dänemarks Meister Midtjylland in der 3. Runde der Champions-League-Qualifikation.

Gerardo Seoane will seinen Young Boys schon früh den rechten Weg weisen (FOTO: KEYSTONE/ANTHONY ANEX)
Gerardo Seoane will seinen Young Boys schon früh den rechten Weg weisen (FOTO: KEYSTONE/ANTHONY ANEX)

Umso wichtiger ist der Match, als es kein Rückspiel gibt. Die Coronavirus-Pandemie bringt das Geschehen in den Fussballstadion derart stark durcheinander, dass viele Klubs Ungewohntes erleben. Dies gilt auch für die Young Boys. Beginnt eine normale Saison im Juli mit ein paar Runden in der Meisterschaft, starten sie diesmal viel später, dafür aber mit einem Match, in dem es um Weiterkommen oder Ausscheiden geht. Trainer Gerardo Seoane hatte also die Aufgabe, die Mannschaft auf den Punkt für ein Spiel in Form zu bringen, in dem sich eine Niederlage nicht korrigieren lässt.

Bei einer Niederlage erhielten die Berner wenigstens die Chance, sich in die Gruppenphase der Europa League zu bringen. Bei einem Sieg wären sie schon sicher für die Europa League qualifiziert, und sie müssten in den Champions-League-Playoffs noch eine weitere Hürde nehmen, um an die Honigtöpfe der Königsklasse heranzukommen. Dieser Gegner (für Hin- und Rückspiel) wäre der gesetzte tschechische Meister Slavia Prag.

In relativ kurzer Zeit ist Midtjylland, 1999 aus einer Fusion hervorgegangen und in der Stadt Herning spielend, an die Spitze des dänischen Fussballs gestossen. Der Klub repräsentiert die Region Mitteljütland auf der grossen Westhalbinsel. Er ist, so gesehen, auch geografisch der Kontrapunkt zum traditionsreichen FC Kopenhagen im Osten des Landes.

In den letzten sechs Saisons haben sich Midtjylland und der Rekordmeister FC Kopenhagen alle Meistertitel brüderlich geteilt. Letzte Saison war Midtjylland an der Reihe, sodass dieses in der Champions-League-Qualifikation zum Zug kommt. Da die Ligen Dänemarks und der Schweiz an der Spitze wie auch im Gefälle ungefähr gleich stark einzuschätzen sind, darf man Midtjylland und YB etwa gleich grosse Chancen einräumen.

Zuletzt waren die dänischen Vertreter im Europacup wesentlich erfolgreicher als die schweizerischen. Sie verbesserten sich im UEFA-Nationenranking auf den 13. Platz - was ihnen erst für die Saison 2021/22 Vorteile einbringt -, während die Schweiz in den 18. Rang abrutschte. Sodass der Schweizer Meister in der nächsten Saison schon in der ersten Runde der Champions-League-Ausscheidung wird eingreifen müssen.

Der derzeitige Unterschied in der Koeffizientenrangliste der Ligen muss für das Stärkeverhältnis von Midtjylland und YB nicht viel bedeuten. Cheftrainer Brian Priske (43), früherer dänischer Internationaler, führt die Mannschaft seit Sommer 2019. Er wurde schon in seiner ersten Saison Meister. Ihm steht ein bunt gemischtes Kader ohne klingende Namen zur Verfügung. Die besten Dänen verdienen ihr Brot (wie die besten Schweizer) in grösseren oder ganz grossen Ligen. Der junge brasilianische Mittelfeldspieler Evander hat mit gut sieben Millionen Euro den mit Abstand höchsten Transferwert, gefolgt vom ugandisch-dänischen Doppelbürger Pione Sisto, einem Flügelstürmer.

YB-Trainer Gerardo Seoane schätzt Midtjylland als physisch starke Mannschaft ein, die mit ihren etlichen Lateinern aber auch spielerisch etwas zu bieten hat. Seoane seinerseits hat sein nicht allzu stark und nur in der Abwehr verändertes Kader seit zehn Tagen im Training. Er ist optimistisch.

Zwei greifbare Fakten müssen nicht viel bedeuten. Die dänische Meisterschaft begann am letzten Wochenende, und Midtjylland verlor mit dem stärksten Aufgebot bei Sönderjyske, dem Elften in der Vierzehnerliga der letzten Saison, 0:2. In den Europa-League-Playoffs im Herbst 2012 siegten die Young Boys in Herning 3:0. Trotz eines anschliessenden 0:2 im Wankdorf kamen sie weiter. Mehr als ein gutes Omen muss der damalige Auswärtssieg für YB nicht sein. Denn die Mannschaften, die am Mittwoch um 20.30 Uhr gegeneinander spielen, haben mit den damaligen nichts mehr zu tun.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Torschützenkönig Jean-Pierre Nsame Bern noch in dieser Transferperiode verlässt - die grossen Ligen schliessen das Fenster am 5. Oktober -, ist noch immer recht hoch. Aber in jedem Fall ist damit zu rechnen, dass der begnadete Goalgetter der Mannschaft in der ganzen Europacup-Qualifikation noch helfen wird.

(sda)


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