Zeitungssterben: Letzte Ausgaben von zwei regionalen Sonntagszeitungen ausgeliefert


Roman Spirig
Regional / 30.06.19 08:39

Am Sonntag ist die Ära der regionalen Sonntagspresse zu Ende gegangen. Die Redaktionen der Zeitung "Zentralschweiz am Sonntag" und der "Ostschweiz am Sonntag" lieferten ihre letzten Ausgaben ab.

Zeitungssterben: Letzte Ausgaben von zwei regionalen Sonntagszeitungen ausgeliefert (Foto: KEYSTONE /  / )
Zeitungssterben: Letzte Ausgaben von zwei regionalen Sonntagszeitungen ausgeliefert

Die Blätter verabschiedeten sich unter anderem jeweils mit speziellen Editorials. In der "Zentralschweiz am Sonntag" erklärte der Publizistische Leiter CH-Media, Pascal Hollenstein, die Einstellung habe wenig mit der Leserschaft oder den Zeitungsmachern zu tun. "Dramatisch indes verlief die Entwicklung am Inseratemarkt." Die "Zentralschweiz am Sonntag" sei ein Opfer der unerbitterlichen wirtschaftlichen Logik im Internetzeitalter geworden, wo die Zeitungsbranche im zweistelligen Prozentbereich an Google, Facebook & Co. verliere.

Der Chefredaktor des "St. Galler Tagblattes" Stefan Schmid verglich rückwirkend das Aus der "Ostschweiz am Sonntag" nach gut sechs Jahren mit einem Sterben auf Raten. Seit November 2017 erschien die Zeitung nur noch digital. Mit diesem Schritt sei die Hoffnung verbunden gewesen, möglichst viele Leser zum Umstieg auf das E-Paper zu bewegen. Die Leserschaft habe jedoch fortan auf die Lektüre der digitalen "Ostschweiz am Sonntag" verzichtet.

Beide Editorials verweisen jedoch darauf, dass die Leserschaft des "St. Galler Tagblatts" und "Schweiz am Wochenende" künftig über ein umfangreicheres Angebot aus allen Ressorts und aus der Region am Samstag erhalte.

Die "Zentralschweiz am Sonntag" würdigte zum Abschied gute Geschichten der Vergangenheit und verweist als jüngstes Beispiel etwa auf die Untersuchung der Eidgenössischen Finanzkontrolle EFK beim Rüstungskonzern Ruag, welche die Zeitung angestossen habe. Auch die Recherchen zu Aktienanlagen der Nationalbank in Rüstungskonzerne sowie das Aufdecken von Missständen bei der Armee werden hervorgehoben.

Das vierbündige Blatt "Zentralschweiz am Sonntag" hatte zuletzt eine Auflage von 89'089 Exemplaren und erreichte rund 178'000 Leserinnen und Leser in der Deutschschweiz. Der Verlag CH Media hatte im März angekündigt, die Zeitung aus finanziellen Gründen nicht länger drucken zu wollen.

Von der Einstellung der "Ostschweiz am Sonntag" sind in den Redaktionen der Ost- und Zentralschweiz rund zehn Vollzeitstellen betroffen. Zudem gibt es weniger Arbeit bei der Zeitungszustellung. Gemäss der Gewerkschaft Syndicom drohten durch die Einstellung der Zentralschweizer Sonntagzeitung rund 400 Personen die Entlassung bei der Post-Tochter Presto Presse-Vertriebs AG.

Die "Zentralschweiz am Sonntag" war im September 2008 lanciert worden, weil, wie es damals hiess, der Sonntag immer mehr zum Lesetag werde. Das Blatt startete mit dem Anspruch, neben den national ausgerichteten Sonntagstiteln eine Regionalzeitung zu sein. Der damalige Verlag, die LZ Medien, war bei den Inseraten eine Zusammenarbeit eingegangen mit der ehemaligen Zeitung "Sonntag" der Mittellandzeitungen.

2018 schloss die NZZ-Mediengruppe die Tagblatt Medien in St. Gallen und die LZ Medien aus Luzern unter dem Dach der Regionalmedien zusammen. In der Folge kam es 2016 bei der "Zentralschweiz am Sonntag" zu einem neuen Layout.

Aus der Taufe gehoben worden war der Titel von Thomas Bornhauser, ab 2012 wurde sie von Dominik Buholzer verantwortet, der letztes Jahr seinen Rücktritt bekanntgab. Seine Nachfolge wurde intern mit Sasa Rasic besetzt.

Mit der Einstellung der "Zentralschweiz am Sonntag" und des E-Papers "Ostschweiz am Sonntag" dünnt sich Sonntagmarkt aus. Vor wenigen Jahren galt der siebte Wochentag für regionale Medienunternehmen als ein Wachstumsfeld. Künftig erscheinen in der Deutschschweiz noch die "SonntagsZeitung", die "NZZ am Sonntag" und der "SonntagsBlick".

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Über die Masse zum Erfolg? CVP stellt markant mehr Kandidaten auf als 2015
Schweiz

Über die Masse zum Erfolg? CVP stellt markant mehr Kandidaten auf als 2015

Mit grossem Abstand hat die CVP die meisten Kandidaturen für die Nationalratswahlen aufgestellt. Die 702 Personen, die in den Proporzkantonen für die CVP in den Nationalrat einziehen wollen, machen über 15 Prozent aller Kandidaturen aus.

Bauernaufmarsch auf dem Bundesplatz
Schweiz

Bauernaufmarsch auf dem Bundesplatz

Kühe auf der Kornhausbrücke, Treichler vor dem Bundeshaus: Mit der traditionellen Sichlete auf dem Bundesplatz haben die Berner Bauern heute auf sich aufmerksam gemacht. Höhepunkt der Sichlete in Bern ist jeweils der Alpabzug einer Bauernfamilie.

Bern - Ambri-Piotta: SCB mit Rekord-Doublette in Unterzahl
Sport

Bern - Ambri-Piotta: SCB mit Rekord-Doublette in Unterzahl

Meister Bern demütigte Ambri-Piotta mit einem Shorthander-Doppelpack in Rekordtempo und feierte einen standesgemässen 4:1-Heimsieg.

Feuer zerstört Auto in Root und beschädigt Strasseninfrastruktur
Regional

Feuer zerstört Auto in Root und beschädigt Strasseninfrastruktur

Ein Auto ist am Dienstagabend auf der Autobahn A14 in Root in Brand geraten und vollständig zerstört worden. Der Lenker konnte rechtzeitig aussteigen, verletzt wurde niemand. Neben dem Auto wurden auch Leitplanken und Strassenbelag beschädigt.