Zürcher Kantonsrat will keine "Lex Fifa"


Roman Spirig
Regional / 05.11.18 20:40

Trotz Bilanzsumme von drei Milliarden Franken und unzähligen Tochterfirmen auf der ganzen Welt: Der Weltfussballverband Fifa wird in Zürich weiterhin wie ein gemeinnütziger Verein besteuert - also gleich wie ein Kaninchenzüchterverein. Der Kantonsrat hat es am Montag abgelehnt, eine "Lex Fifa" einzuführen. Die bürgerliche Mehrheit befürchtete, dass die Fifa sonst wegziehen würde.

Zürcher Kantonsrat will keine Lex Fifa  (Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
Zürcher Kantonsrat will keine Lex Fifa (Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)

Eine Parlamentarische Initiative der SP forderte, dass Vereine mit einer Bilanzsumme von mehr als einer Milliarde Franken wie normale Unternehmen besteuert werden. In Zürich gibt es genau einen Verein, auf den dieses Kriterium zutrifft: die Fifa mit Sitz am Zürichberg. Die Vorlage erhielt deshalb schnell den Übernamen "Lex Fifa".

Der Weltfussballverband, der seit 1932 in Zürich ansässig ist, zahlt einen reduzierten Gewinnsteuersatz. In der Stadt Zürich beträgt dieser rund 12 Prozent. Bei einer "normalen" Besteuerung würde der Gewinnsteuersatz rund 21 Prozent betragen.

"Es ist mir schleierhaft, wie man die Fifa als gemeinnützigen Verein bezeichnen kann", sagte SP-Kantonsrat Stefan Feldmann. Die Fifa sei ein auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichteter Konzern. Trotzdem werde sie besteuert wie ein Kaninchenzüchterverein. "Auf der Strasse versteht das niemand. Das läuft dem Gerechtigkeitsgefühl zuwider."

Gleicher Meinung war die AL. "Die Fifa mit ihrem unglaublichen Pathos der Non-Profit-Organisation, das ist doch lächerlich", sagte Markus Bischoff. Auch für die Grünen ist die heutige Besteuerung "stossend". Verfolge man die Medien, komme man zum Schluss, dass die Fifa wohl eher eine kriminelle Organisation sei, so Max Homberger.

Ausgedribbelt wurden SP, AL, Grüne und EVP jedoch von der bürgerlichen Mehrheit. Diese setzte sich mit 101 zu 60 Stimmen durch und lehnte die Parlamentarische Initiative ab. "Die Fifa gehört zu Zürich und ist willkommen", sagte etwa SVP-Kantonsrat Urs Waser. Man dürfe nicht vergessen, dass ihre Mitarbeitenden rund 12 Millionen Franken Einkommenssteuern bezahlen würden.

Auch die Regierung war gegen eine "Lex Fifa". Die Fifa mit ihrer Ausstrahlung und ihrer Medienpräsenz sei wichtig für Zürich, sagte Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP). Andere Standorte würden diese Organisation mit Handkuss nehmen.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Update - Anschlag in Tram in Utrecht: Drei Tote und neun Verletzte
International

Update - Anschlag in Tram in Utrecht: Drei Tote und neun Verletzte

Terroralarm in Utrecht: Bei einem Anschlag in einem Tram in der niederländischen Grossstadt sind drei Menschen getötet worden. Neun weitere seien verletzt worden, drei von ihnen schwer, sagte Bürgermeister Jan van Zanen in einer Videobotschaft.

Schweizerinnen mit zwei Siegen in vier Spielen
Sport

Schweizerinnen mit zwei Siegen in vier Spielen

An der Curling-Weltmeisterschaft der Frauen im dänischen Silkeborg haben die Schweizerinnen um Skip Silvana Tirinzoni zum zweiten Mal auf eine Niederlage mit einem Sieg geantwortet. Sie bezwangen Aussenseiter Dänemark 9:3.

Apple stellt neue iPad-Generation vor
Wirtschaft

Apple stellt neue iPad-Generation vor

Im Hardware-Geschäft von Apple hatte sich zuletzt der Tablet-Computer iPad - im Gegensatz zum iPhone - als äusserst stabil erwiesen. Nun spendiert Apple der neunen iPad-Generation einige Funktionen, die bislang der Pro-Modellreihe vorbehalten waren.

Schweiz

"Captain Marvel" hält schweizweit die Spitze

Rund 40'000 Filmfans haben am Wochenende in den Schweizer Kinos das Superheldinnen-Epos "Captain Marvel" gesehen. Das waren zwar 20'000 weniger als vor einer Woche. Gleichwohl reichte das Interesse weiterhin souverän für den Spitzenplatz in den Charts.